Posted on August 28th, 2007

Obwohl der Staat Victoria flaechenmaessig nur ein relativ kleiner Teil Australiens ist, beherbergt er zweifelsfrei einige der herausragenden Gegenden fuer den Anbau von ‘cool climate’ Trauben. Die auf wenige Wochen im Sommer beschraenkte Hitze und das ansonsten eher milde Klima beguenstigen das Wachstum dieser so anspruchsvollen Rebsorten. Eine der Top Gegenden Victoria’s ist die Mornington Peninsula, unweit der Stadt Melbourne gelegen.
Mein erster Bericht von der Halbinsel ist den Weinen der Familie Gjergja gewidmet, denn diese besitzt in diversen Lagen der Peninsula Weinberge und unter dem strengen Schaffen des Winemakers Sandro Mosele hat man sich auf Pinot, Chardonnay, Shiraz und Sauvignon Blanc Trauben spezialisiert. Somit gedeihen hier solch herrliche Tropfen wie die Port Phillip Estate Weine, die Weine der Marken Kooyong Estate, Single Vineyard Meres oder Ferrous und daneben auch meine Neuentdeckung: der Pinot Noir Massale.
Mosele gelingt es in jedem Jahrgang allein fuenf verschiedene Pinot Noirs in die Flaschen zu bringen und es waere an dieser Stelle sicherlich die Frage angebracht, weshalb von einer einzigen Rebsorte gar fuenf verschiedene Namen in den Weinregalen auftauchen sollen. Die Antwort liegt in der vertrieblichen Ausrichtung auf die diversen Preissegmente in Australien, auf das Eingehen von Wuenschen auslaendischer Importeure oder vielfach haengt die Markenwahl eben mit der Lage und den daraus folgenden Geschmacksrichtungen zusammen.
Im April dieses Jahres kam ganz frisch der Massale von Kooyong Pinot Noir 2006 auf den Markt, ein Pinot Noir unter $30.– und ein echter Volltreffer fuer die Liebhaber voller, fruchtiger Pinots. Seine dunkle Farbe laesst eher an einen Cabernet denken, sein Aroma verspricht ein wahres Sammelsurium an Waldbeeren und seine Fuelle laesst die Geschmacksknospen vor Freude springen. Dieser Wein ist fuer diesen Preis ein absoluter Renner, seine Platzierung als mittlerer PN aus dem Hause Kooyong ein Schnaeppchen sondergleichen. Ich nehme mir fest vor, die hoeherpreisigen Brueder fuer besondere Anlaesse aufzuheben und werde dann umgehend wieder hier berichten.
Bleibt die Frage, was der australische Weinpabst Halliday dazu sagt: 94 Punkte, na also, da sind wir qualitativ einer Meinung, denn das ist fuer einen Wein dieser Preisklasse ausgezeichnet.
Als neue Kategorie habe ich mich entschlossen, ab sofort die Verschlussart der Flasche mit einzubeziehen. Hier streiten sich in Europa ja noch die Gelehrten, ob denn der Korken oder etwa das screwcap (also der Drehverschluss) die richtige Schliessvariante waere. In Australien ist diese eher emotional gefuehrte Diskussion laengst entschieden und meine Meinung dazu werde ich gesondert mitteilen. Dieses Thema verdient einen eigenen Bericht. Ach ja, der Massale kommt verkorkt daher, ist mit 13.5% mittlerer Schwere und hat mich komplett begeistert.
Posted on August 27th, 2007
Ich habe in den vergangenen Tagen viele emails erhalten, die nach der Bedeutung der ‘Wilden Füchse’ auf einem Rotweinlabel fragen, also nach jenem Pinot Noir von d’Arenberg, dessen Trauben aus den Adelaide Hills stammen und der ‘Feral Fox’ benannt ist. Nun es gibt dazu tatsächlich eine schöne Geschichte:

In den Bergen um Adelaide starben den vielen wildernden Füchsen in den letzten Jahren die Hasen aus. Und so entwickelten jene einen Appetit auf die Trauben der örtlichen Weinberge. Die Winzer wiederum empfanden deren Hunger als gar nicht so schlimm, denn die ungewohnten Gourmets halfen als natürliche Verkleinerer der Ernte. Die Füchse erreichten lediglich die tiefer gelegenen Reben und erlaubten damit den weiter oben wachsenden Trauben deren Reife; es folgte eine natürliche Verbesserung der jeweiligen Ernte.
Im Laufe der Zeit veränderte sich dann die Verdauung bei den Füchsen selbst und erlaubt heute eine bislang ungeahnte natürliche Düngung der örtlichen Rebstöcke. Keine Frage, neben den biologischen Effekten auf das Wachstum der Trauben ranken sich heute unzählige Legenden um das Verhalten der Füchse in den Adelaide Hills.
Soweit die Geschichte zur Herkunft des Namensgebers des Pinot Noir.
Bleibt die Feststellung meinerseits, dass es einer Winzerfamilie bedarf, die ein solches Thema in die jeweiligen Weinnamen mit aufnimmt. Die Osborns als Weinmacher d’Arenbergs haben diesen Humor, denn ihre diversen Weine tragen Namen, die auf den ersten Blick verrückt erscheinen, dann aber mit etwas Hintergrundwissen sehr viel über den jeweiligen Wein oder gar die Traube selbst verraten. Bald werde ich daher über den ‘toten Arm’ erzählen, einen der meistgesammelten Shiraz Weine Australiens.
P.S.: Der geneigte Leser wird feststellen, dass ich heute ein deutsches Keyboard verwendet habe, denn die ä/ö/ü’s stellten mich dieses Mal vor keine große Probe. Es handelt sich hierbei um das deutsche Notebook meiner Frau!
Posted on August 23rd, 2007

Heute moechte ich aus der Reihe ‘Meine Lieblingstraube ist und bleibt die Pinot Traube’ einen grossartigen Vertreter der Pinot Noirs aus downunder vorstellen: den Feral Fox Pinot Noir aus dem Hause d’Arenberg. Die d’Arenbergs bauen seit dem Jahr 1912 im McLaren Vale Weintrauben an und gelten als einer der besten Produzenten des australischen Shiraz. Doch auch ausserhalb ihres Tales versteht es die Osborn Familie, die richtigen Trauben zu finden und dann in der hauseigenen Abfuellung in die Flasche zu bekommen.
In den Bergen vor Adelaide finden wir ein erstklassiges kuehleres Klima fuer Pinots, und hier reifen die Trauben fuer d’Arenbergs Pinot Noir. Ich probierte vor wenigen Tagen einmal den frischen 2006er Jahrgang, der erst seit kurzer Zeit in den oertlichen Weinregalen liegt. Nun bin ich durch die hiesigen Pinots inzwischen sehr verwoehnt und daher war ich anfangs skeptisch, ob die Waechter des Shiraz auch tatsaechlich einen Pinot mit der notwendigen Finesse produzieren koennen.
Das Ergebnis ist grossartig: ein eher erdig beginnender Geschmack fuehrt zu einem vollendeten langen Abgang, die Nachhaltigkeit der Aromen an Gaumen und Zunge nach dem Hinunter-Schlucken ist beeindruckend. Ich schmecke eine Serie an Waldbeeren, Himbeeren und vermerke ein angenehmes Zusammenspiel zwischen Saeuregrad und dem Geschmack nach 10 Monaten Verbleib in franzoesischen Eichenfaessern.
Der fuer einen Grauburgunder atypisch hohe Alkoholgehalt von 14,5% stoerte mich in diesem Fall nicht, ich bin ansonsten kein Freund dieser ‘ueber’-alkoholisierten Kraftmeier. Und selbst die Farbe des Feral Fox liess eher an einen Shiraz als an einen solch jungen Pinot denken, auch wenn die Experten gerade bei den Pinot Noirs dazu raten, die Farbe besser nicht zu beachten, da sie bei diesen Weinen keine Rolle spielt.
Mit einem lokalen Preis von unter $30,00 (umgerechnet unter EUR 20,00) erhaelt man hier einen Pinot Noir, der tatsaechlich mit den grossen Pinots aus downunder und NZ mithalten kann.
Posted on August 19th, 2007
Die australische Weinindustrie hat in den letzten vier Jahren eine verrueckte Zeit mitgemacht. Im neuen Jahrtausend stieg die Jahresproduktion der australischen Winzer zunaechst auf 1,9 Millionen Tonnen. Das wiederum fuehrte zu uebervollen Laegern, neuen Vermarktungskonzepten wie etwa den cleanskin Weinen (also den Flaschen, die ohne eigenes label verkauft werden) und zur Entstehung neuer Discountketten, die Weine zu Preisen um die $2.00 anbieten. Viele der Weinanbieter versuchten ihr Glueck im Export, eine muehsame und zunaechst kostspielige Angelegenheit, denn Weine gab es auf dem Weltmarkt nicht nur aus Australien in Huelle und Fuelle. Die Steigerungen der Exporte wurden dann auch vielfach auf dem Ruecken der Preise ausgetragen. Grosse Volumina setzte man z.B. nach China und andere Laender ab, die eine eigene Abfuellung der Rebsaefte uebernahmen. Den Weinexperten Australiens war klar, dass nur eine mittelfristige Absenkung der Volumina auf 1,5 Millionen output im Jahr eine Normalisierung der Marktverhaeltnisse bringen wuerde.

Und dann schlug der Klimawandel auch hier downunder zu: eine extreme Trockenheit vor allem im Suedosten des Landes, also in New South Wales und Victoria, setzte ueber vier Jahre lang der gesamten Landwirtschaft zu. Klare Naechte schafften dann die idealen Bedingungen fuer einen bislang nicht bekannten Fruehlingsfrost, der in 2006 in drei Wellen ueber das Land zog. Eisige Naechte mit unter 10 Grad minus sorgten dafuer, dass in den Weinguetern vom Coonawarra ueber das Yarra Valley bis hinauf nach Canberra und in die Southern Highlands bis zu 90% der Blueten abstarben, an ein Wachsen der Weintrauben war ueberhaupt nicht zu denken.
Und in den Gegenden, in denen der Frost nicht so stark einschlug, wueteten ab Dezember die schlimmsten Buschfeuer der vergangenen Jahrzehnte, vor allem in der Umgebung von Melbourne gingen mehr als 1 Million Hektar an Landwirtschaft in Flammen auf, darunter viele der traditionellen Weinanbaugebiete in der King Valley Region, aber auch das Yarra Valley hatte mit den Schaeden des Rauches und dessen Einfluessen auf die Trauben zu kaempfen.
Die ersten Hochrechnungen des Weinvolumens in diesem Jahr wurden demnach von 1,9 Millionen auf zunaechst 1,5 Millionen und dann auf 1,3 Millionen Tonnen gesenkt. Mit dieser niegrigeren Ernte und einer z.T. noch nicht genau einschaetzbaren Qualitaet wird der Jahrgang 2007 noch einige Monate lang Raetsel aufgeben. Umso wichtiger wird jetzt die Auswahl der Weine und die Kenntnis ueber die Arbeit der Winzer. Denn letztlich sind sich die hiesigen Weinjuroren einig: entscheidend wird fuer den Erfolg dieses Jahrgangs wird bei diesen schwierigen Voraussetzungen alleinig die Qualitaet des Weines, und die liegt nun mal in den Haenden der teils jungen Winzergeneration downunders.