Ein Kurzbericht ueber den Jahrgang 2007 in Australien
Die australische Weinindustrie hat in den letzten vier Jahren eine verrueckte Zeit mitgemacht. Im neuen Jahrtausend stieg die Jahresproduktion der australischen Winzer zunaechst auf 1,9 Millionen Tonnen. Das wiederum fuehrte zu uebervollen Laegern, neuen Vermarktungskonzepten wie etwa den cleanskin Weinen (also den Flaschen, die ohne eigenes label verkauft werden) und zur Entstehung neuer Discountketten, die Weine zu Preisen um die $2.00 anbieten. Viele der Weinanbieter versuchten ihr Glueck im Export, eine muehsame und zunaechst kostspielige Angelegenheit, denn Weine gab es auf dem Weltmarkt nicht nur aus Australien in Huelle und Fuelle. Die Steigerungen der Exporte wurden dann auch vielfach auf dem Ruecken der Preise ausgetragen. Grosse Volumina setzte man z.B. nach China und andere Laender ab, die eine eigene Abfuellung der Rebsaefte uebernahmen. Den Weinexperten Australiens war klar, dass nur eine mittelfristige Absenkung der Volumina auf 1,5 Millionen output im Jahr eine Normalisierung der Marktverhaeltnisse bringen wuerde.
Und dann schlug der Klimawandel auch hier downunder zu: eine extreme Trockenheit vor allem im Suedosten des Landes, also in New South Wales und Victoria, setzte ueber vier Jahre lang der gesamten Landwirtschaft zu. Klare Naechte schafften dann die idealen Bedingungen fuer einen bislang nicht bekannten Fruehlingsfrost, der in 2006 in drei Wellen ueber das Land zog. Eisige Naechte mit unter 10 Grad minus sorgten dafuer, dass in den Weinguetern vom Coonawarra ueber das Yarra Valley bis hinauf nach Canberra und in die Southern Highlands bis zu 90% der Blueten abstarben, an ein Wachsen der Weintrauben war ueberhaupt nicht zu denken.
Und in den Gegenden, in denen der Frost nicht so stark einschlug, wueteten ab Dezember die schlimmsten Buschfeuer der vergangenen Jahrzehnte, vor allem in der Umgebung von Melbourne gingen mehr als 1 Million Hektar an Landwirtschaft in Flammen auf, darunter viele der traditionellen Weinanbaugebiete in der King Valley Region, aber auch das Yarra Valley hatte mit den Schaeden des Rauches und dessen Einfluessen auf die Trauben zu kaempfen.
Die ersten Hochrechnungen des Weinvolumens in diesem Jahr wurden demnach von 1,9 Millionen auf zunaechst 1,5 Millionen und dann auf 1,3 Millionen Tonnen gesenkt. Mit dieser niegrigeren Ernte und einer z.T. noch nicht genau einschaetzbaren Qualitaet wird der Jahrgang 2007 noch einige Monate lang Raetsel aufgeben. Umso wichtiger wird jetzt die Auswahl der Weine und die Kenntnis ueber die Arbeit der Winzer. Denn letztlich sind sich die hiesigen Weinjuroren einig: entscheidend wird fuer den Erfolg dieses Jahrgangs wird bei diesen schwierigen Voraussetzungen alleinig die Qualitaet des Weines, und die liegt nun mal in den Haenden der teils jungen Winzergeneration downunders.

