Posted on September 22nd, 2007
Tasmanien, das ist das Schweden der Australier. Als letzte Bastion vor dem Suedpol finden wir hier herrliche Sommer und eiskalte Winter vor. Tasmanien, das ist die Heimat der verfeindeten Bierfans von James Boags und Cascade, das Erstere stammt aus dem noerdlichen Launceston, das Zweite aus dem suedlichen Hobart, gleichzeitig der Hauptstadt der Insel.

Kenner wissen die hiesigen Weine zu schaetzen und ich moechte heute von keinem Geringerem, als dem tasmanischen Weinpabst Andrew Pirie berichten. Andrew ist Doktor der Viticulture und gruendete 1972 das Weingut Pipers Brook zu einer Zeit, als in Tasmanien die wenigsten Menschen an zivilisierte Essensformen geschweige denn an Weinanbau dachten. Bis zum Verkauf von Pipers Brook im Jahr 2002 baute Andrew jenes Weingut zu einem der fuehrenden Weinnamen Australiens aus; es war dann aber an der Zeit fuer ihn, neue, eigene Wege zu gehen.
Ich selbst hatte 2004 das Vergnuegen, seine neuesten Weine, die er im wesentlichen unter eigenem Namen (Pirie Wines) vermarktet, vor Ort zu testen und ganz ehrlich gesagt war ich damals reichlich enttaeuscht. Der erste Jahrgang liess so viel von seinen beruehmten Vorgaengern aus dem Hause Pipers vermissen, von daher fasste ich keine Flasche seiner Jahrgaenge 2004 und 2005 mehr an und wagte mich vor wenigen Tagen erstmals wieder an einen Pinot aus dem juengsten Jahrgang 2006.
Und da war es dann wieder: das beruehmte Gefuehl, einen echten Pirie trinken zu duerfen. Ein so junger Wein (im Bild der Pirie South) mit einer eleganten Frische, grossartig zu Fleisch und eben auch Fisch (ohne den gegessen zu haben, duerfen Sie Tasmanien nicht wieder verlassen) - einfach ein Genuss und das zu Preisen von leicht oberhalb 10 EURO. Die Weine werden unter drei Labeln vermarktet, Pirie South als Einstiegsweine, Pirie Estate und Pirie Reserve als die up-market Varianten - jeder fuer seine Preiskategorie ein Genuss. Mal sehen,wie sich die Pipers Brook Weine inzwischen entwickelt haben, einen Test der beiden Gueter gegeneinander werde ich wohl bald einmal anstellen.
Posted on September 11th, 2007

Ein Highlight meiner letzten Woche war der Genuss eines 2005er Scotchmans Hills aus Geelong in Victoria. Ich werde inzwischen ein echter Fan dieser Gegend keine 50km westlich von Melbourne. Hier wachsen jene Pinottrauben Australiens, die bislang weder im Lande selbst noch international so richtig entdeckt wurden. Ich jedenfalls bin schwer begeistert und plane schon jetzt weitere Tests.
Das Weingut Scotchmans Hill ist familiengefuehrt und gilt seit 1982 als australischer Produzent hoechst eleganter Weine. Auf der Bellarine Peninsula gedeihen Riesling, Sauvignon Blanc, Chardonnay, Pinot Noir und Shiraz auf vulkanischem Boden. Die unterschiedlichen Lagen werden in die Marken Scotchmans Hill, Swan Bay und Single Vineyard abgefuellt, die Fruechte meiner Flasche entstammten dem Weinberg direkt neben dem Haupthaus der Familie.
Trotz seiner 14% Alkoholgehalt empfand ich diesen Pinot als nur mittelschwer, seine exzellente Laenge und seine feinen Gewuerznoten machten einen runden Eindruck. Mit seinem Preis von unter 20 EURO ist dieser Pinot ein echtes Schnaeppchen, auch wenn es dank seiner geringen Auflage schwierig sein wird, an diesen Pinot Noir ganzjaehrig heran zu kommen. Fuer den australischen Kunden bleibt immerhin die Hoffnung auf eine Zuteilung innerhalb des Scotchman Weinklubs, auch wenn man hier mit den vielen Pinot-suechtigen downunders teilen muss.
Posted on September 6th, 2007

Die kuehleren Regionen Australiens bieten den idealen Naehrboden fuer Pinots Gris. Diese anspruchsvolle Traube geniesst die kalten Winter- und Fruehlingsmonate, den kurzen aber meist heftigen Sommer mit Temperaturen von zeitweise ueber 40 Grad und die dann folgenden kuehleren Naechte des Herbstes.
Eine der aufstrebenden Weingegenden in Australien sind die Southern Highlands, ca. eineinhalb Stunden suedwestlich von Sydney gelegen, auf dem Weg in die Hauptstadt Canberra. Hier auf 700m Hoehe gedeihen seit mehr als 10 Jahren die cool climate Trauben, also die Pinots, die Sauvignon Blancs und vereinzelt auch die selteneren Sangiovese. Die Winzer haben inzwischen den Anschluss an die Standards in den fuehrenden Weinregionen Australiens gefunden, mir selbst gefallen im besonderen die Weine der McVitty Winery, die sich seit 5 Jahren auf die Pinot Traube spezialisiert hat.
Highlight ist fuer mich der McVitty Pinot Gris Black Label, er hat einen einfacheren Bruder (den silver label) doch meine Praeferenz liegt ganz klar auf dem Black Label selbst.
Der Wein geniesst Kultstatus in den Southern Highlands, ich selbst liebe die fruchtige Mischung an Birnen- und Zitrusaromen, die grossartige Laenge fuer einen Weissen und den trockenen Abgang. Ein Weisswein, der fuer eine solch junge Herkunft ein grossartiges Flair versprueht, ohne dass er die sonst in Australien vorherrschende Ueberfuelle an Geschmack vorspielt. Hier moechte ich nicht missverstanden werden, die Sauvignon Blancs und Semillons aus den sonnenverwoehnten Gegenden wie dem Margaret River haben durchaus ihre Vorteile, aber ein Pinot Gris muss fuer mich eine gewisse Feinheit mitbringen.
Der Wein kommt mit screwcap Verschluss, wie die meisten australischen Weissen, der 2006er ist gut bis in das neue Jahrzehnt hinein zu trinken. Hurry up and enjoy, denn die Jahresproduktion ist stark begrenzt!
Posted on September 1st, 2007
Ich habe in der letzten Woche drei Pinot Noirs getestet, die alle aus unterschiedlichen Regionen stammen und saemtlich unter 10 Euro im Weinhandel erhaeltlich sind. Pinots zu diesem Preis werden vom geneigten Weintrinker immer skeptisch begutachtet, denn die Traube und deren Verarbeitung ist ein teures Vergnuegen. Die Weinstoecke der Pinots brauchen eine Menge Aufmerksamkeit, die Winzer bauen die Trauben eher in kleineren Gemengen an. Alle drei Weine sind jung und stammen dem 2006er Jahrgang ab, der aufgrund der grossen Trockenheit einerseits schwierig, andererseits vielversprechend ist.

Mein Test beinhaltete einen sixfootsix Pinot aus Geelong, eine Flasche aus dem Yarra Valley vom renommierten Haus Yering Station, wobei ich fuer diesen Preis die Zweitmarke Mr. Frog erworben hatte, und eine Flasche Taylors Pinot Noir aus dem Clare Valley.
Der sixfootsix wird in der Geelong Gegend von der Austin Familie angebaut, die hier mit 90 acres einen der groessten Pinot Besitze Australiens fuehrt. Man merkt dem Wein an, dass in der Familie ein starker Fokus auf die Pinots gelegt wird, ein sehr fruchtiger Geschmack (Kirsche, Himbeere und auch Rhabarber kommen hindurch) und ein einfacher aber sauberer Grundton zeigen vom Koennen des Winzers. Mit 14% liegt er an der oberen Grenze meines Verstaendnisses fuer einen guten Alkoholgehalt eines Pinots, auch wenn ich zugeben muss, dass der Wein leichter ‘daherkommt’ als gedacht.
Ganz anders der Taylors Pinot aus dem Clare Valley, eine Massenmarke, die eben auch ueber die Liquor Stores der grossen Supermarktketten (Woolworth und Coles) vertrieben wird. Der Wein laesst jeden Charakter vermissen, ohne jegliche Laenge und Substanz, auch wenn die Familie Taylor auf dem Label behauptet, dass ‘wine really everything’ fuer sie sei. Ich bin von dieser Variante sehr enttaeuscht und die 14.5% lassen kaum vernuenftig meine Geschmacksknospen die unterschieldichen Aromen heraus finden.
Ganz anders der Mr. Frog aus dem Yarra Valley: wie gesagt, eine Zweitmarke zu den grossen Weinen der Yering Station (wer dem Yarra Valley einen Besuch abstattet sollte einen Abstecher in dieses praechtige Weingut auf alle Faelle einplanen) und als solche eben doch gut gepflegt, auch wenn bei diesem Preis natuerlich keine exklusive Spitzenklasse erwartet werden darf. Mir gefaellt der fruchtig, frische Charakter des Weines, ich schmecke reife, dunkle Kirschen und im Abgang ueberrascht mich der Mr. Frog extrem. Mit 13% ist dieser Pinot ein exzellenter Sommerrotwein und das zu einem wirklich guten Preis.
Der Gewinner dieser Serie ist fuer mich nach langem hin und her der sixfootsix aus Geelong, denn er wirkt als selbstaendiger Vertreter einer jungen Pinot-Winzergeneration am rundesten. Knapp dahinter folgt der Mr. Frog und leider weit abgeschlagen der PN der Taylors.