Posted on November 27th, 2007
In Australiens suedlichstem Staat Tasmanien ist seit mehreren Jahren ein Streit um den Neubau einer Zellstofffabrik entbrannt.
Die skrupellose Holz(abbau)firma Gunns, deren ehemaliger Gewerkschaftsboss heute der Premier von Tasmanien ist, plant im Naturschutzgebiet Tamar Valley eine Zellstofffabrik zu bauen und erhielt unter der ‘alten’ Regierung John Howards ein Sonderprivileg dafuer. Der Streit der Naturschuetzer und der Firma Gunns weitet sich inzwischen auf die Weinindustrie aus.
Seit Wochen meiden die Weinkenner in Tasmanien und den Grossstaedten Sydney und Melbourne den Kauf von Weinen, an denen das Unternehmen Gunns beteiligt ist. Die Weine des groessten tasmanischen Produzenten Tamar Ridge, aber auch die Weine von Rosevears Estate, Coombend Estate und selbst von Pirie, an denen Gunns mit einer Minderheit beteiligt ist, bleiben in vielen Restaurants und im Weinhandel aussen vor. Immerhin kontrolliert Gunns etwa ein Sechstel der tasmanischen Weinproduktion, doch der Aerger der Weinkenner ist verstaendlich:
die Zellstoffabrik soll inmitten eines Naturschutzgebietes gebaut werden, deren Umweltverschmutzung dann ganz direkt die Weinanbaugebiete im Tamar Valley betrifft. Eine solche Art der Beguenstigung eines Unternehmens auf Kosten der Umwelt ist weder fuer die direkt betroffenen Menschen in Tasmanien verstaendlich, noch wird es von den Weinkennern auf dem australischen Festland hingenommen. Und darum sagen auch wir: Haende weg von Weinen aus Weinguetern mit Gunns Beteiligung.
Posted on November 22nd, 2007
Heute habe ich einen neuen Weinhaendler in Sydney ausprobiert. Mich reizt bei diesen Besuchen neben dem generellen Eindruck im Laden das Fachwissen des Personals und ich finde es enorm spannend, durch die Regale zu wandern und die Anordnung der vielen Flaschen zu bestaunen. Jener Weinhandel im Business District von Sydney gelegen zielt sichtlich auf die vielen Touristen ab, die hier das ein oder andere Flaeschchen erwerben. Die Preise jedenfalls versprechen anstaendige Margen, sie liegen zum Teil 40% oberhalb der Preise bei meinen anderen Weinhaendlern. Dafuer ueberraschte mich die Vielfalt und das ausgesprochene Fachwissen des Verkaeufers, Jason war in allen Fragen australischer und neuseelaendischer Weine geschult und gab mir freundlich Auskunft.
Schnell waren wir bei meinem Lieblingsthema, den Pinot Noirs angelangt und wir waren uns beide einig, dass die wohl derzeit besten Pinots Australiens aus Victoria stammen, er selbst empfahl mir die Gippsland Gegend, die ich bislang nicht richtig auf meinem Radar hatte und schwaermte ansonsten von Pinots aus Beechworth, jenem legendaeren Ort, an welchem Ned Kelly, der Robin Hood Australiens, im Gefaegnis sass. Zurueck zum Wein ueberzeugte Jason mich letztlich, heute abend einen Newcomer aus Tasmanien zu probieren, Stoney Rise stammt aus dem Tamar Valley, also jenem besagten Tal in Tasmanien, welches derzeit unter den Neubauprojekten einer Pulp Muehle durch die Firma Gunns leidet, das hingegen ist eine andere Geschichte und wuerde hier zu weit fuehren.
Der 2005er Stoney Rise ist ein fruchtiger, junger Pinot Noir, kommt mit 13.5% eher leicht daher und zeigt mit dem ersten Schluck die Qualitaeten eines jungen Tasmaniers: fruchtig, offen, eine gute Laenge mit einer kurzen Note an Holzgeschmack, die jedoch nicht unangenehm auffaellt. Der Winemaker Joe Holyman konzentriert sich seit 2004 auf Pinot Noirs und Chardonnay, also genau auf jene Weine, die in Tasmanien so vorzueglich gedeihen. Ich entdecke bei mir ein gewisses Faible fuer diese kleineren Familien- gefuehrten Weingueter, hier schmeckt man noch die Besonderheiten des kleinen, unternehmerischen Weinanbaus.
Der Stoney Rise 2005 Pinot Noir ist ein guter Wein fuer den alltaeglichen Schluck, passend zu Lamm oder Ente oder einfach nur als ein Glas Rotwein als chill-out nach einem anstrengenden Arbeitstag. Ein Photo der Flasche folgt dann spaeter.
Posted on November 18th, 2007
Einer meiner ersten Artikel auf diesem Blog war ein begeisterter Bericht ueber den 2006 Massale Pinot Noir aus dem Hause Kooyong. Dieser volle und kraeftige Zeitgenosse machte mir Spass und letztlich Durst auf mehr, denn:

Winemaker Sandro Mosele kreiert aus den Trauben inzwischen weitere vier Pinots unter dem Kooyong label. Und damit nicht genug, unter der Marke Port Phillip Estate finden wir weitere exzellente Pinots, deren Rebstoecke 1987, 1997 und 2001 gepflanzt wurden, doch davon ein ander mal mehr.
Der erste der vier weiteren Zeitgenossen ist der Kooyong Estate Pinot Noir von 2005. Er zeigt einen kraeftigen Geschmack nach Kirsche, wirkt runder als der Massale und man schmeckt sofort, dass er eine gute Weile in Eichenfaessern verbracht hat. Doch dann gibt es seine drei weiteren Brueder: der 2005 Meres und der 2005 Ferrous stehen noch wohl versteckt in meinem Weinkeller, ich habe mich also zunaechst dem absoluten Spitzenprodukt gewidmet:
Der 2005er Kooyong Haven hat alles, was ein australischer Spitzen Pinot Noir zu bieten hat. Ist das ‘Haven’ oder ‘Heaven’ - allein es fehlt im das ‘e’ in seinem Namen, um diesen Wein Himmlisch zu nennen. Es ist ein Wein, in welchem man versinken kann: weich, nachhaltig, frisch, fruchtig - von allem gerade richtig und hier haben wir meinen derzeitigen Lieblings-Pinot aus downunder entdeckt. Wir Pinot-Trinker wissen, wie schwer es ist, zufrieden gestellt zu werden, der Haven schafft das vom ersten Schluck an. Der Preis mit umgerechnet EUR 40 haelt sich in Anbetracht dieser Guete auch noch in Grenzen, so nah ist man schliesslich dem Himmel sonst selten.
Eine schoene Woche wuenscht
Michael Brecht