Zum Fest einen australischen Champagner - oder besser gesagt: Sparkling Wine

Posted on December 21st, 2007

Australier gelten als Menschen des grossen Herzens: in keinem Land dieser Erde verschulden sich so viele Menschen fuer Weihnachtsgeschenke wie in downunder, und sicherlich wird neben den Geschenken selbst ein Grossteil in das Essen und Trinken des Weihnachtsabends (24.12.) und des Weihnachtstages (25.12.) gesteckt. Es ist also an der Zeit auf diesem Blog ueber das Trinkverhalten zu Weihnachten und zum Jahreswechsel zu berichten.

Champagne glasses small

Vorab eine kleine Aufklaerung fuer die Leser in Europa, die noch nicht in den Genuss einer Weihnacht downunder gekommen sind: man stelle sich vor: wir messen tagsueber durchgaengig 35-40 Grad Celsius, denn wir befinden uns im Hochsommer, die Fliegen machen den Aufenthalt im Freien fast unmoeglich, der Weihnachtsbaum steht in australischen Haushalten seit spaetestens Mitte Dezember und wirkt inzwischen ein wenig welk, an echte Kerzen ist kaum zu denken, denn der australische Baum ist zwar dicht, bietet aber spaetestens nach 2 Wochen in dieser Waerme keinen Halt mehr fuer Kerzenstaender oder gar echte Kerzen daran.

In diese Situation platzt jetzt die Frage nach dem richtigen ‘bubbly’, also der Flasche mit dem Blub, welche die Herzen am weihnachtlichen Abend, oder eben am Tage der Geschenke fuer Australier, also dem 25. Dezember hoeher schlagen laesst. In den gehobenen Haeusern downunder finden wir, wie eben in Europa auch, die franzoesischen Champagners, fuer mich immer noch ein Phaenomen, denn auf den gerade einmal 34.000 offiziell anerkannten Hektar fuer Champganertraubenanbau sitzen immerhin 19.000 verschiedene Champagner-produzenten. In den 301 kleinen franzoesischen Ortschaften um Marne, Aisne und Aube finden wir die gesamte Champagnerwirtschaft versammelt, eine einzigartige Konzentration der grossen (Moet mit 2 Millionen Kaesten) und kleinen Haeuser (wie z.B. Henry Giraud der gerade einmal 250 Kaesten im Jahr produziert). Getrunken wird hier downunder Lanson (im gerade neu eroeffneten Dan Murphys bei uns in den Southern Highlands fuer ca. EUR 30.00 als Einstiegschampagner) oder Veuve Cliquot, ob Roederer Cristal, Bollinger Grand Annee oder gar Dom Perignon, die franzoesische Elite ist hier ueberall zu finden.

Und die australische Variante, mehr pragmatisch ’sparkling wine’ genannt: meine derzeitigen Favoriten sind:

1. der Jansz Sparkling: dieser tasmanische Produzent haelt eine ganze Serie an sparklings vor, die ab EUR 10,00 zu haben sind und durchaus Festtagsstimmung aufkommen lassen. Mit der jungen Nachwuchsweinmacherin Natalie Fryar haelt hier eine junge und talentierte Frau die tasmanische Fahne der cool climate sparklings hoch - fuer mich ein wirklich guter Tropfen.

2. Domaine Chandon aus dem Yarra Valley: in 2004 habe ich diesen Ableger der Chandons im Victorianischen Yarra Valley besucht, gross, hochprofessionell und erstklassig von der Qualitaet hat die Chandon Dynastie in dieser cool climate Region ihre Fuehler ausgestreckt: das Ergebnis laesst sich sehen, einer der Top sparkling wines Australiens, so z.B. der Blancs de Blancs von 2004, nicht zu unterscheiden von den franzoesischen Champagners.

3. Der Kemeny’s Hidden Label Champagne: bei diesem fuehrenden Weinhaendler Sydney’s gibt es drei verschiedene sparkling wines als sogenanntes Hidden Label, d.h. als ‘weisses Label ohne Nennung der Herkunft’. Zwei dieser Hidden labels stammen aus Victoria, eines aus Langhorne Creek, alle drei haben bei Preisen um die EUR 9,00 den Namen sparkling verdient, denn zu diesen Preisen halte ich jene Varianten als quasi unschlagbar.

Natuerlich ist meine Auswahl subjektiv, kein Wunder, denn in diesem Land existieren eine Unmenge von sparkling wines, sonnenverwoehnt, aus cool climate Gegenden, von diversen Trauben abstammend: die Massenmarken Trilogy (von Orlando als Mischung der Pinot Noir, Chardonnay und Pinot Meunier Trauben), Yellow Sparkling, Wyndhams Estate BIN 555 oder die neuseelaendischen Riesen Deutz Blancs de Blancs oder Cloudy Bay Pelorus, all jene Produzenten wissen um den wundervollen Kitzel, den ein sparkling auf der Zunge verursacht. Und von daher gilt:

geniessen Sie Ihren Sparkling Wine, ob aus der Champagne, aus Australien oder Neuseeland - wichtig ist dass sie jene Tropfen in Massen geniessen, im Kreise Ihrer Familie und dass Sie auch im kommenden Jahr unserem blog downunderwines die Treue halten. Ein frohes Fest wuenscht
Michael Brecht

Aus dem Yarra Valley: grosse Schritte (Giant Steps) der Familie Sexton

Posted on December 16th, 2007

Es war schon ein grosser Schritt, den die Sextons vor fast genau 10 Jahren vollbrachten: Phil und Allison Sexton zogen aus dem heissen Margaret River in das kuehlere Yarra Valley, also aus dem westlichsten Landesteil Australiens (Western Australia) in den Suedosten des Landes, nach Viktoria. Sie tauschten ihren Devil’s Lair Vineyard im neuen und ‘lauten’ Kultweingebiet suedlich von Perth gegen das eher klassische und fuer australische Verhaeltnisse alteingesessene und daher ruhigere Yarra Valley ein. Der Name fuer ihre neue Winery ‘Giant Steps’ wiederum fand seinen Ursprung in einem Jazzalbum des Jazz-Saxophonisten John Coltrane aus Manhattan.

Die Sextons unterhalten sowohl eigene Weinreben an ihrem steilen, gen Norden liegenden Hang im Yarra Valley, als sind sie auch Kaeufer von klar abgegrenzten Trauben aus dedizierten Anbauten quer durch das Tal, jeweils an Orten, die sie fuer die geeignesten halten fuer die jeweilige Rebsorte selbst.

2005-giant-steps-sexton-vineyard-pinot-noir-high-res_small.jpg

Neben solch beruehmten Weinguetern wie Tarrawarra oder Yarra Junction wachsen also Trauben fuer die Verarbeitung in den Sexton Weinen, eine gute Ergaenzung der hauseigenen Trauben und fuer mich ein cleverer Schachzug in der Verwendung der jeweils besten Trauben einer ganzen Weinregion.

Ich stiess auf den 2005er Giant Steps Pinot Noir ihres Sexton Vineyards am vergangenen Wochenende, vermittelt von keinem weniger, als dem Chef der Fine Wines der australischen Weinkette Dan Murphy’s, die wiederum zur groessten Supermarktkette Australiens, Woolworth, gehoert. Caton beschrieb mir den Giant Steps Pinot Noir als einen der besten Pinots des 2005er Jahrgangs, schilderte mir die Herkunft und Kenntnisse seiner Weinmacher und so war ich denn schnell ueberredet.

Das label zeigt hinter einem gezeichneten Engel eine aufschwingende Treppe vor Gewitterwolken ueber weiten Feldern mit Weinreben, nicht gerade mein Ideal an bildlicher Einfuehrung fuer einen frischen, jungen Pinot.

Dann jedoch oeffne ich die Flasche (wie bei den meisten erfolgreichen Winzern auch hier ein Schraubverschluss) und alsbald vernehme ich einen Duft von Pflaumen und dunklen Kirschen, gespickt mit ein wenig Karamel: ein wohliger Geschmack mit einer ausgezeichneten Laenge zeigt mir dann die wahre Staerke dieses Pinot Noirs, seine kraeftiger Grundton zeigt mir, dass dieser Pinot durchaus mittleres Reifealter besitzt, eine Beschaffenheit, die ich laengst nicht jedem Pinot Noir zugestehe.

Mit 13.4% ist der Giant Steps Pinot Noir am unteren Ende der Alkoholskala von Pinots, ich beginne diesen Tropfen zu geniessen und nehme mir vor, weitere Weine dieses Hauses in den naechsten Wochen zu testen, denn mein neuer Bekannter von Dan Murphy hat recht: die Sextons verstehen ihr Weinhandwerk, dieser Pinot Noir gehoert zu den ‘erwachsenen Weinen’ aus dem Yarra Valley.

Wine Hunter: Maurice O’Shea - die Legende unter Australiens Vignerons

Posted on December 7th, 2007

In den vergangenen Tagen habe ich ein Buch ueber eine australische Legende gelesen: Wine Hunter handelt von Maurice O’Shea, dem Sohn einer franzoesischen Mutter und eines irischen Vaters, der nach erster Lehrphase in franzoesischen Weinguetern wie der Domaine de la Romanee-Conti zurueck nach New South Wales kehrt und im Hunter Valley seine neue Heimat findet.

Wine Hunter Buch

Neben dem sehr persoenlichen Einblick in das Leben jenes Exzentrikers, erklaert der Autor Campbell Mattinson die diversen Auf- und Abstiege der Weingueter im Hunter Valley.

“A statistic to make your eye pop: there were a measly 20 acres of vines in the Hunter in 1835. But by 1850 there were 500 acres of vines - a 25 fold increase in 15 years, all of it planted by hand and horse and hard work - and by 1866 there were at least a thousand acres, five times that …”. O’Shea wird zum Sinnbild einer neuen Weinmachergeneration, er ist seiner Zeit voraus, denn in den fruehen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts sind die australischen Weine suess und gelten als keineswegs geniessbare Tischweine. Australischer Wein ist eine klebrige Ploerre, der man im gestandenen Europa keine Beachtung schenkt.

Mit O’Shea aendert sich das, er schafft, was nur wenige Menschen in Australiens Weinindustrie fuer moeglich halten: er kultiviert die australischen Trauben zu Tischweinen, schafft durch das damals innovative Vermengen verschiedenster Trauben frische Weine, die im Laufe der Zeit die Preise der grossen Weinshows weltweit zu erobern beginnen.

Und er schafft, was viele der Weinmacher in den Zeiten der grossen Rezession nicht schaffen: durch den Verkauf von 50% seiner Anteile an seinem Familienweingut an die McWilliam Familie (aus South Australia), ueberlebt er nicht nur als einer der wenigen Weinmacher im Hunter Valley, sondern er baut somit sein Weingut und die Reputation des Hunter Valleys weit ueber die Landesgrenzen hinweg aus. Neben Max Schubert, dem Schaffer des legendaeren Penfolds Grange Weines, steigt O’Shea zum Superstar der australischen Weinszene auf, O’Shea gilt in seiner Zeit als einer der versatilsten und innovativsten Weinmacher der Welt.

Wer Geschmack daran gefunden hat, das Buch ist ueber den Verlag Hachette Australia (www.hachette.com.au) erhaeltlich, ISBN 0 7336-2125-2, die Rechte am Titelbild des Buches liegen ebenfalls beim Verlag, downunderwines arbeitet an einer Loesung, mit einem Buchpartner gemeinsam selektive Titel anbieten zu koennen.

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