Aus dem Yarra Valley: grosse Schritte (Giant Steps) der Familie Sexton
Posted on December 16th, 2007
Es war schon ein grosser Schritt, den die Sextons vor fast genau 10 Jahren vollbrachten: Phil und Allison Sexton zogen aus dem heissen Margaret River in das kuehlere Yarra Valley, also aus dem westlichsten Landesteil Australiens (Western Australia) in den Suedosten des Landes, nach Viktoria. Sie tauschten ihren Devil’s Lair Vineyard im neuen und ‘lauten’ Kultweingebiet suedlich von Perth gegen das eher klassische und fuer australische Verhaeltnisse alteingesessene und daher ruhigere Yarra Valley ein. Der Name fuer ihre neue Winery ‘Giant Steps’ wiederum fand seinen Ursprung in einem Jazzalbum des Jazz-Saxophonisten John Coltrane aus Manhattan.
Die Sextons unterhalten sowohl eigene Weinreben an ihrem steilen, gen Norden liegenden Hang im Yarra Valley, als sind sie auch Kaeufer von klar abgegrenzten Trauben aus dedizierten Anbauten quer durch das Tal, jeweils an Orten, die sie fuer die geeignesten halten fuer die jeweilige Rebsorte selbst.
Neben solch beruehmten Weinguetern wie Tarrawarra oder Yarra Junction wachsen also Trauben fuer die Verarbeitung in den Sexton Weinen, eine gute Ergaenzung der hauseigenen Trauben und fuer mich ein cleverer Schachzug in der Verwendung der jeweils besten Trauben einer ganzen Weinregion.
Ich stiess auf den 2005er Giant Steps Pinot Noir ihres Sexton Vineyards am vergangenen Wochenende, vermittelt von keinem weniger, als dem Chef der Fine Wines der australischen Weinkette Dan Murphy’s, die wiederum zur groessten Supermarktkette Australiens, Woolworth, gehoert. Caton beschrieb mir den Giant Steps Pinot Noir als einen der besten Pinots des 2005er Jahrgangs, schilderte mir die Herkunft und Kenntnisse seiner Weinmacher und so war ich denn schnell ueberredet.
Das label zeigt hinter einem gezeichneten Engel eine aufschwingende Treppe vor Gewitterwolken ueber weiten Feldern mit Weinreben, nicht gerade mein Ideal an bildlicher Einfuehrung fuer einen frischen, jungen Pinot.
Dann jedoch oeffne ich die Flasche (wie bei den meisten erfolgreichen Winzern auch hier ein Schraubverschluss) und alsbald vernehme ich einen Duft von Pflaumen und dunklen Kirschen, gespickt mit ein wenig Karamel: ein wohliger Geschmack mit einer ausgezeichneten Laenge zeigt mir dann die wahre Staerke dieses Pinot Noirs, seine kraeftiger Grundton zeigt mir, dass dieser Pinot durchaus mittleres Reifealter besitzt, eine Beschaffenheit, die ich laengst nicht jedem Pinot Noir zugestehe.
Mit 13.4% ist der Giant Steps Pinot Noir am unteren Ende der Alkoholskala von Pinots, ich beginne diesen Tropfen zu geniessen und nehme mir vor, weitere Weine dieses Hauses in den naechsten Wochen zu testen, denn mein neuer Bekannter von Dan Murphy hat recht: die Sextons verstehen ihr Weinhandwerk, dieser Pinot Noir gehoert zu den ‘erwachsenen Weinen’ aus dem Yarra Valley.


