Sandro Mosele - Weinpabst der Mornington Peninsula

Posted on February 26th, 2008

Im Rahmen einer mehrtaegigen Geschaeftsreise nach Melbourne hatte ich die Moeglichkeit, fuer ein paar Stunden auf die benachbarte Mornington Peninsula zu fahren und dort ein wenig nach den Weinen und Winzern zu recherchieren, die mich in den vergangenen Monaten so begeistert haben. Die Peninsula liegt keine 90 Minuten sued-oestlich von Melbourne gelegen, hier finden wir Namen wie Stonier (juengst zu Australiens Winery des Jahres 2007 gekuert), Ten Minutes by Tractor, T’Gallant, Kooyong oder Phillip Estate.

Kooyong Sign

Hauptgrund meines Abstechers war die Chance, Sandro Mosele zu treffen und mit ihm einen Rundgang durch seine Weinproduktion in Kooyong zu taetigen. Fragt man die Einheimischen auf der Mornington Peninsula, so ist Sandro Mosele der Weinpabst der Gegend, alle lokalen Winzer schaetzen seinen Sachverstand, inzwischen produziert er zusaetzlich im Auftrag die Weine von Scorpo oder Heathcote.

Sandro Mosele in Kooyong

Er stammt aus einer italienischen Winzerfamilie im italienischen Vicenza. Hier leben nach wie vor 9 Onkel und Tanten, er ist daher geradezu verpflichtet, 1x jaehrlich in Norditalien vorbei zu schauen und bringt von seinen Besuchen neue Ideen aus dem alten Europa mit.

Sandro begruesst mich mit einem etwas mueden Blick, kein Wunder hat er doch am Abend vor meinem Besuch ein halbes Dutzend vietnamesische Weinjournalisten unterhalten duerfen, Weinmachen hat hier downunder auch immer etwas mit Vermarktung zu tun. Der grosse Vorteil fuer uns beide ist allerdings, dass wir im Rahmen meines Besuches einige der Weine testen duerfen, die bereits am vorherigen Abend geoeffnet worden waren. Hier zeigt sich die wahre Qualitaet der Tropfen, Sandro verraet, dass viele der etwas aelteren Pinots tatsaechlich etwa 12-24 Stunden brauchen, um ihren vollen Charakter zu entfalten.

Die Kooyong und Port Phillip Estate Weine gehoeren demselben Eigentuemer, werden allerdings unter getrennten Marken vermarktet, da sie auf hoechst unterschiedlichen Bodenarten angebaut werden. Mein bisheriger Favorit ist der Kooyong Haven, ein geradezu himmlischer Tropfen, wie auch in einem gesonderten Bericht bereits getestet. Heute komme ich in den Genuss eines 2000 Jahrgangs, ebenso wie eines 2000 und eines 2006er Chardonnays. Mehr zu diesen Testberichten an einer anderen Stelle.

Technical Equipment Kooyong

Sandro steckt mitten in den Vorbereitungen fuer die Weinlese, blitzblank praesentieren sich die Abfuellanlagen, die neueste Errungenschaft der Winery in Form einer Schuettelanlage fuer die handverlesenen Trauben, welche dann die Fruechte zu den einzelnen Fermentierbehaeltern fuehrt, wird derzeit noch installiert. Ueberhaupt hat trotz manuellem Umgang mit den Trauben der Rest der Weinverarbeitung heute zwar viel von seinem romantischen Wesen verloren, dennoch erkenne ich, wie professionell dieser Betrieb gefuehrt wird und demnach voll auf die anstehenden Aufgaben fuer den neuen Jahrgang ausgerichtet ist.

Bei Regen schauen wir ueber die meist netzbedeckten Reihen an Pinot Noir und Gris, Chardonnay oder cool climate Shiraz. Die Kuehle der kommenden Tage gibt Sandro und seinen Mitarbeitern noch ein paar sehr willkommene Tage der Vorbereitung, ich selbst muss leider wieder in ein Flugzeug steigen und gen Sydney zu einer weiteren Veranstaltung fuer ZaaBiz, meiner eigentlichen Beschaeftigung. Ein bisschen wehmuetig verlasse ich Kooyong, gewonnen habe ich einen grossartigen Kontakt in der australischen Weinmacherszene - keine Frage, wir werden uns wiedersehen.

MB

Einstiegs Pinot Noir aus dem Yarra Valley

Posted on February 23rd, 2008

Clos Pierre aus dem Yarra Valley 2006

Heute moechte ich Ihnen von meiner neuesten Entdeckung eines guten Pinot Noirs berichten, der fuer einen Preis unter 10 EUR zu haben ist. 

Der ‘Clos Pierre’ ist ein Pinot Noir produziert aus Trauben von diversen Weinhaengen des Yarra Valley, gemacht vom Weinmacher in der fuenften Generation der Winzerfamilie Naigeo. Pierre Naigeo verwirklichte somit einen persoenlichen Traum, denn im gelingt mit diesem Pinot Noir ein wirklich guter Wein:

Handgepflueckte Trauben, in offener Fermentierung verarbeitet und in franzoesischen Faessern gealtert (zwischen 12 und 15 Monate lang) gelingt ihm ein Wein mit reichhaltigem Kirsch- und Pflaumengeschmack, wirklich grossartig ist die Laenge dieses Pinot Noirs, der mit 14% Alkoholgehalt eher am oberen Ende der Pinot Alk-skala landet.

Australien entdeckt gerade seine Weine, die aus diversen Lagen gesammelt den Charakter eines Tales, wie etwas hier dem Yarra Valley Ausdruck geben. Der Clos Pierres aus dem Yarra Valley ist ein guter Wurf, mit unter 10 EUR fuer die Flasche ist er ein absolutes Schnaeppchen und verdient unsere Empfehlung.

MB

Die Allerheiligen in der Gluthitze von Rutherglen

Posted on February 16th, 2008

Es ist Sommer in Victoria, das Termometer zeigt 42 Grad Celsius und wir biegen ein in die Allee, die uns zu dem Weingut AllSaints Estate fuehrt. AllSaints gehoert zu dem guten Dutzend Wineries, die in der beruehmten Weingegend Rutherglen angesiedelt sind. Eine sandige und im Sommer aeusserst heisse Gegend, die in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur volle, reife Rotweine mit teils aussergewoehnlichen Namen wie Durif hervorgebracht hat, sondern auch die Heimat der besten Port- und Fortified Weine wie etwa Tockay oder Muscat downunders ist.

Schloss AllSaints Rutherglen

AllSaints Estate wurde in 1864 von zwei Schotten gegruendet, die in 1880 in Anlehnung an ihre Heimat ein Schloss um ihre urspruengliche einfache Behausung bauten. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs die Winery zur groessten Weinkellerei der suedlichen Hemispaehre an. Noch heute zeugen die Barrel Hall mit ihren 100 Jahre alten Faessern von dieser urspruenglichen Zeit, einige Faesser beherbergen bis zu 80 Jahre alte Muscat und Tokay Weine.

Ich muss zugeben, dass mir das Testen voller, alkoholreicher Roter wie Shiraz, Durif oder Cabernet bei dieser Waerme recht schwer faellt. Doch dafuer ist diese Gegend nun mal beruehmt, also jetzt bloss nicht kneifen. Ich beginne meine Tests mit einem sehr angenehmen ‘unwooded’ Chardonnay, der Juengste der Familie aus dem Jahr 2007. Er ist frisch und fruchtig und ist ein erster Eindruck von dem, was eine Kombination aus sehr guter Weinmachkunst und hoechst reifer Trauben aus einer der waermsten Gegenden Australiens hervorzaubern kann. Der 2006 Limited Semillon ist einiges leichter, sehr frisch und erinnert mich an die Hunter Semillons aus dem fernen Hunter Valley.

AllSaints Rutherglen Castle

Mein erster Roter ist ein 2006er Shiraz, handgepflueckt, vom aeltesten Weinhang des Estate - der Wein ist sehr kraeftig (rich, wie die Australier sagen), hat mit 14,5% einen hohen Alkoholgehalt und zeigt bereits mit seiner Nase den Anspruch der AllSaints: ‘wir wollen volle, reife, wuchtige Weine kreieren - AllSaints steht fuer hoechste Qualitaet von Weinen aus dem sonnen-verwoehnten Rutherglen’ - so die Worte des Cellarmasters.

Indigo Cheese Rutherglen

Jener serviert mir mit gewissem Stolz zum Abschluss das Prunkstueck aus dem Hause der AllSaints: der 2006er Family Cellar Durif ist ein besonderer Wein, und das in mehrfacher Hinsicht. Zunaechst ist die Durif Traube heute fast ausschliesslich in Rutherglen und Umgebung angebaut. Dr. Jacques Durif brachte diese Traube aus dem suedlichen Rohne-delta in 1901 zunaechst in das Yarra Valley. Da die dortigen Naechte zu kalt fuer diese Traube waren, setzte man sie kurzerhand in 1908 nach Rutherglen um und vollendete sie seither zu einer Traube fuer kraeftige, alkoholreiche Rotweine. Der 2006er Durif ist Gewinner der Goldmedaille der Melbourne Wineshow von 2007, seine Wucht erreicht nicht nur meine Nase, sondern vor allem mein Gaumen verspuert seine Kraft vom ersten Schluck an. Das ist ein Wein fuer die besonderen Kaminabende, vor loderndem Feuer, mit Schnee und Eis ums eigene Haus herum. Bei mehr als 40 Grad brauche ich allerdings eine starke Vorstellungskraft, um mich in Schnee und Eis zu versetzen.

Gleich neben dem Weinkeller findet der geneigte Gourmet die Kaesehalle der Allsaints, die Indigo Cheese Company. Keine Frage, die beiden Schotten haetten bestimmt ihre Freude an dem heutigen set-up des AllSaints Estate. Ihr Schloss am Fusse des Murray Rivers produziert nicht nur sehr gute Weine und Kaese, sondern versteht sich auch bestens in der Vermarktung jener Produkte.

MB

TarraWarra - erstklassige Weine aus dem Yarra Valley

Posted on February 13th, 2008

Innerhalb von 20 Jahren hat die Familie Besen im Yarra Valley ein absolutes Prunkstueck geschaffen, das TarraWarra Estate. Das Weingut erstreckt sich ueber 400 Hektar, die meisten Reben wurden in 1983 angebaut.

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Neben einem preisgekroenten Restaurant und erstklassigen Konferenzraeumen eroeffnet sich dem Besucher seit Anfang 2004 ein Museum, welches in vieler Hinsicht einzigartig ist. Umgeben von Weinreben und einem traumhaften Gelaende schaffen es die TarraWarras, international bekannte Kuenstler in diesem Museum auszustellen und so das Interesse fuer Kunst mit dem schoensten Hobby an sich, der Kunst des Weines, zu verbinden.

TarraWarra - erstklassige Weine aus dem Yarra Valley

Das Yarra Valley ist fuer seine cool climate Weine bekannt, und so ist es kein Wunder dass die Flagschiffe von TarraWarra die Chardonnay und Pinot Noir Weine sind. Leider gelingt es uns Endkunden nicht immer, die besten Weine im Handel zu erwerben, so ist beispielsweise die gesamte Restposition an Pinot Noirs aus dem Jahre 2003 fuer die 1. Klasse der Qantas Fluglinie abgezogen worden. Mein Tipp: fliegen Sie 1. Klasse nach Australien mit der australischen Airline, dann kommen Sie ganz automatisch in den Genuss der TarraWarra Pinots von 2003.

Ich probierte kuerzlich den exklusiven Nachfolger, den Reserve Pinot Noir von 2004, ein wunderbarer Wein mit all den Qualitaeten eines erstklassigen Pinots. Der 2004er Jahrgang war relativ kuehl, so dass der Zuckergehalt in den Trauben weniger stark war. Dennoch gelingt der Weinmacherin Clare Halloran hier erneut ein wirklich kraeftiger Pinot mit einer grossartigen Nase. Ich schmeckte Waldbeeren und genoss den grossartigen Abgang, fuer einen jungen Pinot erstaunlich rund. Einzig stoerte mich die ‘Verpackung’: ein verkorkter Pinot Noir ist in Australien heute selten und die Korken rufen in mir immer einen gewissen Grad an Unsicherheit hervor. Das ist zwar fuer viele Europaeer immer noch ein Wunder, aber glauben Sie mir: Pinot Noirs werden heute nicht mehr verkorkt, fortschrittliche Winzer nutzen hier die vielen Vorteile des Schraubverschlusses.

Wenn Sie also ein wenig Zeit auf der Rundreise durch Australien haben, so sollten Sie das Yarra Valley als Abstecher unbedingt einplanen - das TarraWarra Estate ist hier eine der ersten Adressen.

Ihr Michael Brecht

Weinbewertungen in Australien - 2. Teil

Posted on February 10th, 2008

Mein erster Teil des Berichtes ueber Weinbewertungen in Australien widmete sich mehr dem generellen Hintergrund, heute geht es ans Eingemachte: die Bewertungskritierien selbst sind hier downunder dreigeteilt:

Bis zu 3 Punkte gibt es fuer Farbe und generellen visuellen Eindruck
Bis zu 7 Punkte gibt es fuer den Geruch, und
Bis zu 10 Punkte gibt es fuer Geschmack, d.h. der Einstiegsphase, dem Geschmack im Mund und Rachen und dem Abgang - hier wird aber auch das generelle Zusammenspiel zwischen Nase und Mund beruecksichtigt.

Farm tasting small

Maximal also 20 Punkte fuer einen einzelnen Wein, mit 18.5 Punkten und mehr gibt es Gold, mit 17-18 Punkten gibt es Silber und mit 15.5 bis 16.5 eine Bronzemedaille. Gewertet wird in Kategorien nach Traube und Alter, streng gestaffelt, denn letztlich gibt es wenig Platz fuer Abweichungen. So findet einer der (recht wenig vorkommenden) Gold praemierten Weine recht haeufig eine 3 fuer die Farbe und den generellen Eindruck, eine 6.5 oder gar 7 fuer den Geruch und dann eine 9-10 fuer die sog. ‚Palate‘, da ist kaum Platz fuer Fehler gegeben.

Die haeufigsten Bewertungen in Australien finden zwischen 13 und 18.5 statt, unterhalb der 13 finden wir heute kaum noch Weine, die zu Shows angemeldet werden. Aber es ist heute auch richtig schwer, mehr als 18 Punkte, und somit eine Goldmedaille, zu erhalten.

Und dann ist da die Frage nach dem Sinn einer solchen Medaillenvergabe: lohnt sich die Bekanntmachung einer solchen Gold-, Silber oder Bronzemedaille? Mein Weinhaendler aus Bowral meint ja: ‚insbesondere der nicht so versierte Kaeufer waehlt heute nach wie vor Weine nach Medaillen aus, daher empfiehlt es sich, die erworbenen Medaillen auf die Flasche zu drucken, im jeweiligen Bottleshop erhoeht das die Verkaufschance ganz eindeutig.‘ Achten sollten wir Konsumenten lediglich auf die Herkunft der jeweiligen Medaille: die grossen Shows moegen ja noch eine gewisse Bedeutung haben, doch was bringt mir der Gewinn einer Bronzmedaille der ‚South Coast Show‘? Hier zaehlt eindeutig die Groesse, Medaillen aus Sydney, Adelaide, Melbourne oder dem National aus Canberra sind wichtig, hier werden die wahren Champions gekuert.

Und dann gibt es hier downunder Winzer, die ihre Weine nie auf Wineshows anmelden. Einige von Ihnen tun gut daran, sparen Sie sich doch somit die teils recht kraeftigen Anmeldegebuehren und letztlich die schonungslosen Kommentare der Preisrichter. Andere hingegen meiden die Shows, da ihre Jahresproduktion sehr begrenzt ist oder gar im vornherein schon ausverkauft ist, so dass die Teilnahme an Wineshows gaenzlich sinnlos waere. Von diesen Weinen werde ich in den kommenden Beitraegen ein wenig mehr erzaehlen.

MB

Hardys Sir James- Eleganz und Tradition

Posted on February 3rd, 2008

Ausgestattet mit vielen Goldmedaillen der Wineshows in Rutherglen, Perth und Brisbane kam dieser Sir James aus der beruehmten Familie Hardy als Mitbringsel am Samstagabend in unser Haus. Ausgestattet mit den feinsten Pinot Noir und Chardonnay Trauben versprach diese Flasche einen koestlichen Inhalt und so oeffneten wir die Flasche unverzueglich.

Sir James Hardys 2004

Wie ueberhaupt in Australien das Oeffnen der mitgebrachten Weinflaschen ueblich ist. Der Australier trinkt gern, was er selbst dem Gastgeber schenkt. Ausnahme hier ist lediglich der Fall, dass ein schwerer Cabernet wohl selten zu einem Fischgericht passt, hier muss dann erst die Nachspeise abgewartet werden. Beachten Sie also, dass ihr Mitbringsel meist direkt auf den Tisch kommt und versuchen Sie daher nicht, die letzte abgestaubte Flasche “Chateau Migraine”, die die letzten Jahre unter ihrer Kellertreppe darbte, Ihrem Gastgeber anzudrehen - quasi aus Selbstschutz.

Zurueck zu Sir James, jener war Namensgeber dieses Aussie Sparkling, ein Leben lang hat er als Winemaker der Familie Hardy sich dem Wein, der Familienehre und seinem grossen Hobby, dem Segeln verschrieben. Von daher hat diese Flasche es auch verdient, besonders zu sein. Ein Blick in mein Glas verraet mir, dass wir es mit einer sehr guten Qualitaet zu tun haben, ein leichter Zitrusduft macht Lust auf den ersten Schluck und fuer einen Australier erstaunlich trocken und mit einer ausgezeichneten Laenge wirkt dann der Top-Sparkling der Hardys in meiner durstigen Kehle. Tatsaechlich erinnert mich dieser Tropfen an die echten franzoesischen Champagner, er bringt diese grossartige Eleganz mit sich.

Fermentiert in der Flasche und ausgestattet mit 12,5% ist der Sir James ein edler und schoener Tropfen nach einem warmen Tag, viel Spass dabei.

Wie werden in Australien Weine getestet?

Posted on February 1st, 2008

Wir alle kennen diesen strengen Blick hinein in das Weinglas, die Nase an den Rand gefuehrt und in einem langen Atemzug durch die Nase hindurch wird der Geruch des Weines aufgesogen. Kritisch wird die Farbe begutachtet. Ich spreche von nichts weniger als dem Testen eines Weines.

Celebrate red wine

Im internationalen Vergleich gibt es bei den professionellen Weintests grosse Unterschiede. Daher moechte ich Ihnen heute das australische System vorstellen, welches sich in den vergangenen Jahren komplett veraendert hat. Len Evans war einer der grossen Verfechter eines strengen Beurteilungsrahmens und so folgt das Weinbewertungssystem in Australien heute zum grossen Teil seinen aufgestellten strengen Kriterien. Mehr zu seiner teils radikalen Einstellung finden Sie hier.

Bei den Weintests sind zumeist drei Juroren praesent, bei den grossen shows wie etwa der RAS (Royal Agricultural Society) Sydney Show, der Canberra National Wine Show oder der Victorian International Exhibition and Wine Show in Melbourne sitzt einer ganzen Gruppe an Richtern ein sogenannter Chairman voran. Die Weinrichter haben heute vor allem bei den grossen Shows eine Menge Erfahrung, zumeist ausgestattet mit dem Titel des Master of Wine haben sie mehrere Dutzend solcher grossen Shows hinter sich. Es liegt eine Menge Arbeit vor Ihnen, nicht selten muessen mehr als 150 Weine pro Tag getestet werden. Je wichtiger die Weinshow, desto eher sitzen internationale Weinjuroren im Gremium, die englische Weinspezialistin Jancis Robinson ist beispielsweise eine oft und gern gesehene Richterin bei den Shows in den grossen Metropolen downunder.

Den Hauptpruefern sitzen bis zu drei Assistenten bei, zumeist Weinjuroren, die das Handwerkszeug erlernen und somit auf die grossen Pruefungsaufgaben vorbereitet werden. Zusaetzlich finden wir mehrere ‚Eingiesser‘, sie haben die Aufgabe, die Weine in Glaesern auf den Testtisch zu bringen, denn hier downunder sind die Tastings ‚blind‘, d.h. die einzelnen Herkuenfte der Weine den Juroren nicht bekannt.

Schoen finde ich die Anekdote, dass bis in die 70er Jahre die RAS Sydney Wineshow oberhalb eines Hamburger Shops auf diesem riesigen Areal ihren Platz hatte. Zusaetzlich rauchten viele der Preisrichter und stoerten damit auch den letzten vorhandenen Geruchs- und Geschmackssinn der anwesenden Juroren. Wie in einem solchen Umfeld die Gold- und Silbermedaillen vergeben wurden ist mir voellig schleierhaft. Heute laeuft das hingegen alles viel professioneller ab, mehr davon dann in der Fortsetzung.

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