Wie werden in Australien Weine getestet?

Posted on February 1st, 2008

Wir alle kennen diesen strengen Blick hinein in das Weinglas, die Nase an den Rand gefuehrt und in einem langen Atemzug durch die Nase hindurch wird der Geruch des Weines aufgesogen. Kritisch wird die Farbe begutachtet. Ich spreche von nichts weniger als dem Testen eines Weines.

Celebrate red wine

Im internationalen Vergleich gibt es bei den professionellen Weintests grosse Unterschiede. Daher moechte ich Ihnen heute das australische System vorstellen, welches sich in den vergangenen Jahren komplett veraendert hat. Len Evans war einer der grossen Verfechter eines strengen Beurteilungsrahmens und so folgt das Weinbewertungssystem in Australien heute zum grossen Teil seinen aufgestellten strengen Kriterien. Mehr zu seiner teils radikalen Einstellung finden Sie hier.

Bei den Weintests sind zumeist drei Juroren praesent, bei den grossen shows wie etwa der RAS (Royal Agricultural Society) Sydney Show, der Canberra National Wine Show oder der Victorian International Exhibition and Wine Show in Melbourne sitzt einer ganzen Gruppe an Richtern ein sogenannter Chairman voran. Die Weinrichter haben heute vor allem bei den grossen Shows eine Menge Erfahrung, zumeist ausgestattet mit dem Titel des Master of Wine haben sie mehrere Dutzend solcher grossen Shows hinter sich. Es liegt eine Menge Arbeit vor Ihnen, nicht selten muessen mehr als 150 Weine pro Tag getestet werden. Je wichtiger die Weinshow, desto eher sitzen internationale Weinjuroren im Gremium, die englische Weinspezialistin Jancis Robinson ist beispielsweise eine oft und gern gesehene Richterin bei den Shows in den grossen Metropolen downunder.

Den Hauptpruefern sitzen bis zu drei Assistenten bei, zumeist Weinjuroren, die das Handwerkszeug erlernen und somit auf die grossen Pruefungsaufgaben vorbereitet werden. Zusaetzlich finden wir mehrere ‚Eingiesser‘, sie haben die Aufgabe, die Weine in Glaesern auf den Testtisch zu bringen, denn hier downunder sind die Tastings ‚blind‘, d.h. die einzelnen Herkuenfte der Weine den Juroren nicht bekannt.

Schoen finde ich die Anekdote, dass bis in die 70er Jahre die RAS Sydney Wineshow oberhalb eines Hamburger Shops auf diesem riesigen Areal ihren Platz hatte. Zusaetzlich rauchten viele der Preisrichter und stoerten damit auch den letzten vorhandenen Geruchs- und Geschmackssinn der anwesenden Juroren. Wie in einem solchen Umfeld die Gold- und Silbermedaillen vergeben wurden ist mir voellig schleierhaft. Heute laeuft das hingegen alles viel professioneller ab, mehr davon dann in der Fortsetzung.

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