Posted on April 30th, 2008
Hier downunder haben wir im vergangenen Sommer immer haeufiger einen ‘neuen’ Weissen, einen gemischten angetroffen: den Sem-Sav-Blanc. Jene Abkuerzung steht fuer die Mischung von Semillon und Sauvignon Blanc und sie kommt hier downunder im wesentlichen aus Western Australia.

Seinen Ursprung findet diese ‘Neuentdeckung’ des letzten Sommers in Frankreich, hier gilt diese Mischung als trockener, gar etwas neutraler und bewusst defensiver Drink und heisst Graves oder Entre-deux-Mers. Staubtrocken waren diese franzoesischen Mixturen, was hingegen bringen die neueren australischen Versionen:
Nun zunaechst einmal die wirklich gute Nachricht: die hiesigen Sem-Sav-Blancs sind alles andere als trocken, die Anpflanzungen von Semillon fuehrten zunaechst einmal zu Weinen, denen es an naturlicher Saeure fehlte. Fuegt man nun jedoch einen Sauvignon Blanc hinzu, so verfluechtigt sich dieser strenge Geschmack sehr schnell, der SB bringt seinen kraeftigen Geschmack mit in die ‘Ehe’. Und so wurde aus der Not in Western Australia der Sem-Sav-Blanc geboren, ein herrlich einfacher, leichter Weisser, die Australier sagen ‘quaffable’ hierzu. Und was des Hunter Valley’s Semillon und der Riesling fuer South Australia, das wurde der Sem-Sav-Blanc fuer Western Australia.
Bei Preisen um die EUR15 finden wir heute sehr ausgereifte SSBs, mit gefielen bsonders der Plantagenet Hazard Hill Semillon Sauvignon Blanc und der Voyager Estate Sauvignon Blanc Semillon, beide aus dem Jahr 2007. Mit durchschnittlich 12,5% laesst sich hierbei auch durchaus das eine oder andere Glas mehr davon trinken, ohne am naechsten Tag mit einem dicken Kopf aufzuwecken. Bei den anstehenden warmen Temperaturen in Europa empfehle ich: kuehlen Sie diesen Wein gut herunter, an besonders heissen Sommertagen werden hier downunder sogar die Eiswuerfel in den Wein hinzugegeben; soweit wuerde ich hingegen nicht gehen wollen.
Ihr Michael Brecht
Posted on April 25th, 2008
An einem grauen und tristen Morgen treffe ich Richard McIntyre, Gruender und Inhaber von Moorooduc Estate, ausgestattet mit hohen Gummistiefeln am Eingang seines Weingutes. Ich habe mich auf dem Weg zu meinem Termin in Kooyong ein wenig verfahren und nehme seine Einladung dankend an, mir vom obersten Giebel des Turmes oberhalb seines Hauses den Weg ‘von oben’ ansehen zu duerfen. Diese freundliche Einladung entwickelt sich zu einem reinen Gluecksfall fuer mich.

Am Abend zuvor hatte ich ein Glas Pinot Noir der ‘famous Duck’ der Mornington Peninsula getrunken, als Geheimtipp in der schoensten Weinbar der Peninsula gepriesen, stellte sich dieser Tropfen als einer der Weine von Moorooduc heraus. Moorooduc (gesprochen Muh-ruh-dack) wurde bereits 1982 hier 10km ausserhalb von Mornington gegruendet, damals verstand man noch nicht sehr viel vom Weinanbau auf der Mornington Peninsula. Heute hat die Familie McIntyre, Tochter Kate ist gerade auf dem Weg zum Master of Wine, 28 acres mit Reben bepflanzt, Richard zeigt mir nach dem Aufstieg auf den Moorooduc Turm die einzelnen Reihen und klaert mich ueber die Vorzuege jeder einzelnen Lage auf.

Das Weingut liegt exponiert auf sehr sandigem Boden, das ist ein grosser Unterschied zu dem eher vulkanischen Boden im keine 15km entferten Red Hill, dort wo beispielsweise die Port Phillip Estate Weine stehen. Mit sandiger Oberschicht und der darunter liegenden ph-armen Unterschicht habendie McIntyres einen idealen Boden, auf welchem die aelteren Weinreben mit sehr wenig Wasser auskommen. Denn trotz des heutigen Nieselregens hat die Mornington Peninsula seit Jahren sehr wenig Regen gesehen, die verschiedenen Dams (kleinere Seen) sind allesamt leer. Pinot Noir, Chardonnay, Shiraz und aus frueheren Zeiten ein paar Reihen Cabernet stehen heute in voller Pracht. Richard denkt, dass er in wenigen Wochen die ersten Reihen ernten wird und entschuldigt sich beim weiteren Rundgang fuer die Lieferung an Flaschen, die er noch vor der Cellar Door auf mehreren Paletten stehen hat.
Die Chardonnays und Pinot Noirs werden in drei verschiedenen Marken angeboten, Devil Bend Creek ist die Einstiegsversion mt einem Cellar Door Preis von EUR15, Moorooduc Estate ist fuer EUR22 und The Moorooduc ist die Topmarke mit einer limitierten Jahresproduktion und einem Preis von EUR40 pro Flasche. Allen drei Marken ist gemein die handverlesene Verarbeitung und die schonende Bearbeitung mit Handpressen in dem familiengefuehrten Betrieb.
Ich teste den Moorooduc Estate Pinot Noir von 2006 eine Woche spaeter und bin begeistert, das ist ein klassischer Pinot Noir der Mornington Peninsula, eine grossartige Nase, ein vollendeter und ausgereifter Geschmack und ein exzellenter Abgang. Keine Frage, die McIntyres sind zurecht ein Geheimtipp in den Winebars vor Ort und ich bin froh, dass ich an diesem Morgen durch Zufall mit Richard zusammen getroffen bin.
Ihr Michael Brecht