James Halliday im Interview in Sydney - 2. Teil

Posted on August 7th, 2008

Hier nun die Fortsetzung meines Gespraeches mit James Halliday, den ich zuvor als den Weinpabst Australiens bezeichnete, aufgezeichnet in Sydney zur Vorstellung seines neuen Wine Companions 2009:

downunderwines meets James Halliday

downunderwines meets James Halliday

dowunderwines: Herr Halliday, wie schwierig ist es eigentlich, die Benotungen fuer die einzelnen Weine und Wineries aufzustellen?

Halliday: Oh Gott, das ist ein abendfuellendes Thema, aber generell gilt, dass eine Menge Disziplin und Konzentration dazu gehoert. Sie muessen sich vorstellen, wir testen taeglich 150-170 Weine, fuehren Buch ueber Produzenten, die Variety, und vermerken auf den Testberichten genaueste Details ueber Alkoholgehalt, Preise, Geruch, Geschmack und so weiter.

downunderwines: Nennen Sie uns doch bitte ein persoenliches Highlight aus Ihrem Buch?

Halliday: Tja, da gibt es viele, es gibt Ueberraschungen, angenehme und weniger angenehme, es gibt grossartige Weine von Winzern, die ganz neu auf der Karte erscheinen, aber ein highlight ist bestimmt die Wahl fuer die Kategory ‘Winery of the Year’. Hier gab es in diesem Jahr ungefaehr ein Dutzend Bewerber um diesen Titel.

Ich hatte mich zunaechst fuer die tasmanische Winery ‘Bay of Fires’ entschieden und als ich meinen Bericht dazu begann, so wechselte ich dann doch zu Brookland Valley Winery vom Margaret River. Letztere hat immerhin acht Weine mit 94 Punkten oder mehr erzielt, das ist schon sehr beachtlich. Es freut mich, dass das Brookland Team nach vielen Jahren harter Arbeit diesen Titel erstmalig erobern konnte.

downunderwines: Bay of Fires oder Brookland Valley, beide sind sicherlich grossartige Wineries hier downunder. Und nun verraten Sie uns doch bitte noch, welchen Wein Sie heute abend nach diesem anstrengenden Tag hier in Sydney geniessen werden?

Halliday (lacht erneut): Das ist garnicht so einfach. Wie Sie ja wissen, bin ich ein grosser Freund von Pinot Noir Weinen. (Er blaettert in seinem neuesten Werk). Also, wenn ich mich da jetzt festlegen sollte, so wuerde ich mich jetzt fuer eine Flasche Bindi Wine Growers Block 5 von den Macedon Ranges entscheiden. Jener Pinot hat mit 96 Punkten einen der Top-Plaetze der Pinot Noirs Australiens erzielt und macht mir grossen Spass.

downunderwines: Herr Halliday, wir danken Ihnen fuer dieses Gespraech.

Und so bestaetigt James Halliday mein Bestreben, dass es in Australien eine fantastische Anzahl Wineries gibt, die erstklassige Weine produzieren. Auch er weiss, dass in Europa diese Weine wenig bekannt sind, Halliday bestaerkt mich in dem Bestreben, australische Boutique Wineries weiterhin der deutschsprachigen Kundschaft in Europa naeher zu bringen. Nun denn, wir arbeiten daran und freuen uns auf die vielen weiteren Tests …

Ihr Michael Brecht

St. Huberts - ein ‘Nachtesten’ des 2001er Cabernet-Sauvignons aus dem Yarra Valley

Posted on August 3rd, 2008

Es gibt solche Tage, an denen man in den Weinlaeden Australiens auf ‘alte Schaetze’ stoesst, jene Weine, die vom jeweiligen Einzelhandel fuer ein paar Jahre gelagert wurden. Juengst wurde ich von dem Cellarmaster von Dan Murpys, einer grossen Kette mit scheinbar einem riesigen Keller, angerufen, denn er hatte ein paar Kisten von St. Huberts Cab Sav aus dem Jahre 2001 parat. ‘Dan the man’ hatte also verinnerlicht, dass ich die Weine von St. Huberts sehr schaetze und am selben Tag machte ich mich auf und kaufte ein gutes Dutzend dieser Weine aus dem Jahrgang 2001.

Tja, und was ist mein Eindruck? Den Test der 2006er Variante habe ich vor wenigen Wochen gerade publiziert, ich war so richtig angetan von diesem Jahrgang und diesem ‘cool climate’ Cabernet Sauvignon. Und jetzt kaempfe ich mit dem 2001er und ganz ehrlich, er ist ein wenig duenn, kraftlos, so ganz ohne den Charme der 2006 Version.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, denn wir trinken nach wie vor einen guten Wein, der tatsaechlich aus guter Hand stammt, aber mir fehlt der volle Geschmack und der wirklich gute Abgang der juengeren Generation. Vielleicht habe ich mir die vielen Jahre im Keller besser fuer den Wein vorgestellt, vielleicht hatte ich einfach gehofft, dass wir den kuerzlich genossenen 2006er in aelterer Version finden. Das war nicht der Fall, was mir wiederum zeigt, dass die jungen Aussie-Weine ihren aelteren Jahrgaengen haeufig ueberlegen sind.

In diesem Sinne,
Ihr Michael Brecht

Interview mit dem australischen Weinpabst - 1. Teil

Posted on August 1st, 2008

Heute hatte ich das grosse Vergnuegen, den australischen Weinpabst James Halliday zu interviewen. Halliday weilt derzeit in Sydney um sein neues Buch vorzustellen und so traf ich ihn am Rande einer Unterschriftenaktion auf der George Street in Sydney’s CBD.

Alljaehrlich wartet die gesamte australische Weinindustrie gespannt auf den ‘Australian Wine Companion“, dieses ist der definitive Fuehrer rund um australische Weine. Der Companion fuer 2009 liegt nun druckfrisch vor mir, die persoenliche Widmung von James Halliday macht das Werk noch spannender, als es seine Vorgaenger fuer mich jedes Jahr schon waren.

Meeting James Halliday

Meeting James Halliday

Die nachfolgenden Fragen stellte ich James Halliday im Anschluss an seine Autogrammstunde in einer Buchhandlung in Sydney:

downunderwines: James Halliday, es ist uns ein Vergnuegen, mit Ihnen ueber Ihr neues Jahreswerk zu sprechen, wie geht es Ihnen nach dem Test von beinahe 6,000 Weinen?

Halliday (lacht): Sie haben recht, es ist schon erstaunlich wenn man sieht, wieviele Weine da jedes Jahr zusammenkommen. In diesem Jahr haben wir Weine von 169 neuen Wineries in das Buch aufgenommen, in den vergangenen 5 Jahren sind ganze 1.100 neue Wineries dabei, das sind mehr als im ganzen Weinfuehrer des Jahres 2000 zusammen genommen.

downunderwines: Nun mal ganz ehrlich, wie schaffen Sie es, diese Anzahl an Weinen zu probieren und dann auch noch zu qualifizieren?

Halliday: Tja, zunaechst einmal bekommt man mit den Jahren hierfuer eine gewisse Routine. Hinzu kommt eine grosse Disziplin und ein eingespieltes Team, denn die Logistik mit dieser Anzahl an Flaschen ist schon beachtlich. Und dann habe ich in diesem Jahr erstmalig einen Co-Tester mit an Bord genommen. Mein alter Weggefaehrte Ben Edwards, seines Zeichens Chef der Australian Sommeliers Association, ist mit all seinem Wissen und seiner Erfahrung an meiner Seite gewesen. Ihm schulde ich grossen Dank fuer seine Mithilfe an diesem Buch.

Mehr von diesem Interview in meinem naechsten Eintrag.

Auf bald,
Ihr Michael Brecht

© downunderwines • Powered by Wordpress • Using the Swiss Cool theme.