Archive for November, 2008
Alte gegen neue Welt – oder weshalb nur emotional gegen screwcaps argumentiert werden kann
Ein paar Fakten vorweg:
- mehr als 96% aller Weissweine, die fuer die diesjaehrige Top 100 des australischen Weinhandels Dan Murphy’s getestet wurden sind mit einem screwcap verschlossen,
- 92% aller neuseelaendischen Weine sind mit screwcap verschlossen, und
- 5-7% aller Weine unter Korkverschluss weisen Probleme mit tri-chloranisole oder kurz TCA auf, d.h. haben einen Korken, wie es so schoen auf Deutsch heisst oder leiden gar unter Oxidierung.
Und weil in der alten Weinwelt in Europa viele Konsumenten diesen Tatsachen eben nur emotional begegnen, werde ich diese Fakten hier auf downunderwines niederschreiben.
Verstehen Sie mich nicht falsch. Als ich vor ca. 5 Jahren hier nach Australien zog, da war auch ich der Meinung, dass die screwcaps typisch fuer einen billigen Wein seien. Doch weit gefehlt: in diesen letzten 5 Jahren habe ich die wahren Vorzuege dieser Verschlussart kennengelernt.
1. Habe ich mit einem screwcap eben keinerlei Probleme mit Kork, wie auch, es ist ja keiner vorhanden.
2. Liebe ich screwcaps beim Picknick oder Barbie am Sonntag nachmittag im australischen Bush – hier wo gerne einmal kein Korkenzieher parat ist, drehe ich genuesslich den screwcap auf und aergere mich nicht ueber die verpasste Chance, einen herrlichen Wein zu gegrilltem Steak oder Fisch zu geniessen.
3. Bin ich es inzwischen gewoehnt, Flaschen wieder verschliessen zu koennen, denn in den seltensten Faellen trinke ich eine ganze Flasche allein, gerade beim Probieren verschiedener Weine kann ich mit einem screwcap dafuer sorgen, dass ich die Testflaschen bestens wieder schliessen und auch Tage danach noch verwenden kann.
4. Bin ich Kork einfach leid… hierbei geht es mir weniger um das Problem des Korkrisikos bei einer sagen wir 30 Jahre alten Flasche, denn dieses Problem stellt sich mir nicht so haeufig. Nein ich finde es einfach schade, wenn ein Wein, den ich eigentlich schaetze oder eben in einem Bericht bereist positiv beurteilt habe, dank eines gewissen Grades an TCA ploetzlich schadhaft geworden ist.
Genau dieser letzte Punkt ist auch die grosse Sorge der Weinindustrie. Ganz klar koennen wir alle einen schadhaften Wein beurteilen, der besagte 30 Jahre alt ist und sichtlich TCA Spuren aufweist. Aber dem durchschnittlichen Weintrinker faellt eben nicht die noch so geringe Spur von TCA in seinem herkoemmlichen Wein auf, einzig schmeckt der Wein anders, als zuvor bekannt oder eben nicht so richtig. Bei der kleinsten fehlerhaften TCA Groesse veraendert sich der Geschmack des Weines derart, dass er eben nicht mehr schmeckt und typischerweise wendet sich der durchschnittliche Weintrinker eben in falschem Bewusstsein einer anderen Marke, einem anderen Wein zu.
Ein weiteres Problem des Korkens ist die sporadische Oxidierung, genau dann also, wenn der Korken zu viel Luft an den Wein heranlaesst. Gerade bei weissen Weinen, unoaked Riesling oder Semillon z.B. ist diese Gefahr besonders hoch. Hier braucht man garnicht erst zu probieren, die Farbveraenderung macht den schadhaften Zustand schon allzu klar und deutlich.
Dem Problem des Verlustes von Kunden, die faelschlicherweise denken, der Geschmack oder gar die Qualitaet seines Weines habe sich veraendert, moechten aufgeschlossene Winzer entgegentreten. Und so lassen sich auch die Schritte der portugiesischen Korkindustrie verstehen, mit neuen Versuchen z.B. von ProKork, d.h. gepressten recyclten Korken, den Vorteilen des screwcap entgegenzutreten. Eine grossangelegte Werbekampagne der Portugiesen hier downunder verpuffte ohne Resonanz, zu weit entwickelt ist der Verstand des australischen und neuseelaendischen Weinkonsumenten.
Und wie lange braucht man in Europa noch, diesen Siegeszug der screwcaps anzuerkennen? Das ist wirklich schwer zu sagen, doch ich selbst werde screwcaps leidenschaftlich weiter vertreten und somit hoffentlich zu einer Entmystifizierung des portugiesischen Korkens auf Ihrer Weinflasche beitragen. Der moderne Weintrinker achtet auf den Wein und nutzt die Vorzuege des praktischen screwcaps – wann machen auch Sie mit?
Ihr Michael Brecht
Der groesste Weinkeller Sydney’s befindet sich in Darling Harbour
Gut 15.000 Flaschen umfasst der groesste Weinkeller Sydney’s und alle zwei Jahre testen der dortige Catering Support Manager W. Wilson und seine Kollegen neue Weine. Das Darling Harbour Convention und Exhibition Centre versorgt mit diesem Keller die hauseigenen Restaurants, welche vom gemuetlichen Dinner for Two bis hin zu Veranstaltungen mit 2.000 Gaesten den passenden Wein zur Speise servieren.
50 Weingueter bleiben nach einem 2 Tage dauernden Test uebrig, derzeit ist die aelteste Flasche ein 1988er Virgin Hills Cabernet aus den viktorianischen Macedon Ranges. Teuerste Flasche ist ein Penfolds Grange aus den spaeten 90ern, als Magnum, versteht sich, sein Preis: fuer umgerechnet 2,000 EURO ist die Flasche zu haben.
60% aller hier beheimateten Flaschen sind Rotweine und laut Williams hat sich der Geschmack seiner Gaeste in den 20 Jahren Bestehens des Centres dramatisch veraendert. “Heute erwartet der Gast einen gut abgestimmten Wein auf die Speisen, die er zu sich nimmt, das war vor gerade einmal 10 Jahren noch ganz anders,” schmunzelt er. Doch viel Zeit hat er nicht, heute abend muss die Auswahl der 50 neuen Weingueter getroffen sein, ein hartes Stueck Arbeit.
Ihr Michael Brecht
Australische Weine – auch in Indien schwer im Kommen
Der geneigte Vielreisende schaetzt in Indien die Vielzahl an Tees und wenn es um Alkohol geht, so hat kuerzlich die Bierindustrie stark aufgeholt. Mein neues Lieblingsbier in Mumbai oder Delhi ist das Kingfisher Beer, benannt nach der gleichlautenden Fluglinie (die mit den huebschesten Flugbegleiterinnen des Landes) oder der Formel 1 Mannschaft.
Doch in diesem Jahr sind zwei neue Trends in Sachen Wein in Indien erkennbar: die eigene indische Weinproduktion waechst in atemberaubendem Tempo und australischer Wein findet Platz auf den immer besser werdenden Weinkarten indischer Gastronomie. Bislang sind es eher die grossen Marken aus dem Hause Southcorp, Jacobs Creek, Yalumba oder McWilliams, die wir in den hiesigen Weinregalen finden:
Das jedoch soll sich aendern, wenn man den Worten der oertlichen Sommeliers Glauben schenken darf.
Sofern Sie also im Grand Hyatt, Hilton Hotel oder gar dem Taj Mahal in Mumbai weilen, oder aber in den fuehrenden Restaurants wie dem trendigen Indigo in Colaba weilen: hier brauchen Sie auf australische Tropfen nicht zu verzichten.
Und was hat das Ganze mit downunderwines zu tun? Nun ich denke es ist wichtig zu sehen, wie sich australische Weine im internationalen Vergleich behaupten, vor allem auf dem Markt einer zukuenftigen Super-power Nation wie Indien. Es ist an der Zeit, diesen neuen Gegebenheiten ins Auge zu sehen und ich freue mich, auch auf meinen Reisen nach Indien australischen Wein geniessen zu duerfen und hier darueber zu berichten.Ihr Michael Brecht
Happy Birthday: Der passende Wein zum Alter
Heute moechte ich von einem Geburtstag eines guten Freundes berichten. Jetzt moegen Sie sich fragen, was diese Feier wohl mit downunderwines zu tun hat, doch hier erfolgt schon die Aufloesung: Geburtstage sind grossartige Anlaesse, Weine aus dem eigenen Keller hervorzuholen, die mit viel Staub bedeckt ein hohes Alter aufweisen. Manchmal, so wie in diesem Fall, stammen diese Weine sogar aus demselben Jahrgang, in dem das Geburtstagskind das Licht der Welt erblickte.
So geschehen auf jenem Geburtstag unseres Freundes, der vor wenigen Tagen stramme 80 Jahre alt wurde. Einen Wein aus dem Jahrgang 1928 zu spendieren ist gar nicht so einfach, doch unser Bekannter kramte einen 1928 Muscatwein aus einer der besten Wineries des viktorianischen Rutherglen, von Morris Wines, aus seinem Keller.
Der Wein entpuppte sich als ein dunkler, dicker Tropfen, der beim Schwenken schwer und langsam im Glas verharrte. Seine Aromen hinterliessen schwere Duefte von hoelzernen Gewuerzen, keine Frage hier schwang Geschichte im Glas mit. Der Muscat wurde zu Schweizer Schokolade gereicht, eine gute Kombination, wohl gemerkt nach einem ausgiebigen Dinner.
Morris Wines selbst gehoert inzwischen zur Orlando Wyndham Gruppe und erfaehrt derzeit eine Verjuengungskur, die Muttergesellschaft investiert verstaerkt in die dortige Winery und plant deren Produkte sogar in den Export zu geben. Unsere Kinder und Enkel werden dann wohl entscheiden muessen, ob der Jahrgang 2088 auch wieder solch einen interessanten Tropfen in 80 Jahren aus dem Keller hervorzaubern laesst.
Happy Birthday Phillip.
Dein Michael Brecht
Aus dem Hunter Valley an den Strand von Balmoral: Hunter Uncorked
Hunter Uncorked, das ist eine jaehrliche Praesentation der fuehrenden Winzer aus dem Hunter Valley in Balmoral. Am feinsten Strand Sydney’s bauen die Wineries ihre Staende jedes Jahr im November auf, um hier den Weinenthusiasten aus den feinen noerdlichen Stadtteilen Sydney’s, d.h. von Mosman, Balmoral oder Kirribilli ihre Tropfen zu offerieren.
Der Eintritt ist frei, ein Testglas ist fuer $7.00 zu haben und dann benoetigt man Trinkgutscheine fuer jedes Glas, welches von Ihnen getestet wird. Eine tolle Einrichtung, denn alljaehrlich kommen so viele Hundert Sydneysider auf den Hunter Geschmack. Das erstklassige Bathers Restaurant liegt genau nebenan, einmalig diese Kombination.
Welche Weine gefielen mir besonders in dieser Testserie: es waren die Semillons aus dem Hunter Valley, die 2006er sind grossartig, vor allem von McWilliams und von einer kleinen Winery namens Tower, von der ich zuvor nie gehoert hatte. Und so gilt – Mission accomplished: eine neue Hunter Winery hat mich an diesem Tag in Balmoral ueberzeugt – und ein Klassiker hat mich und viele weitere Tester hier begeistert.
Ihr Michael Brecht
Melbourne Cup Day in Australia
Melbourne Cup, das ist das wichtigste und groesste Pferderennen hier downunder, die Aussies sagen so schoen: ‘the race that stops the nation’. Um 3 Uhr nachmittages geht dann garnichts mehr, gross und klein sitzen vor den Fernsehern oder sind auf einer der vielen Parties, die allerorts gehalten werden. Nicht nur auf dem Racecourse des Flemington Racecourse in Melbourne, sondern auch auf den weiteren Rennplaetzen des Landes wird gefeiert. So sind in Sydney Tausende Rennbegeisterte auf dem Randwick Racetrack versammelt, obwohl dort lediglich eine Riesenleinwand aufgebaut ist.
Und was wird getrunken? Diese Frage habe ich dem Top Manager von Dan Murphy’s Jamie McKaughan gestern gestellt – seine Antwort war eindeutig: Bubbly! Aussie Sparkling! Seit Samstag locken die Einzelhaendler mit Sonderangeboten fuer sparklings, und die Australier decken sich auch in diesem Jahr wieder ordentlich ein, denn die Korken knallen an diesem Cup Day – landauf und landab.
Und wer auf den diesjaehrigen Gewinner “Viewed” gesetzt hat, der ist jetzt besonders gluecklich, denn mit diesem Aussenseiter konnte man an den hiesigen Wettboersen ein kleines Vermoegen verdienen. Cheers!
Ihr Michael Brecht









