Alte gegen neue Welt – oder weshalb nur emotional gegen screwcaps argumentiert werden kann
Ein paar Fakten vorweg:
- mehr als 96% aller Weissweine, die fuer die diesjaehrige Top 100 des australischen Weinhandels Dan Murphy’s getestet wurden sind mit einem screwcap verschlossen,
- 92% aller neuseelaendischen Weine sind mit screwcap verschlossen, und
- 5-7% aller Weine unter Korkverschluss weisen Probleme mit tri-chloranisole oder kurz TCA auf, d.h. haben einen Korken, wie es so schoen auf Deutsch heisst oder leiden gar unter Oxidierung.
Und weil in der alten Weinwelt in Europa viele Konsumenten diesen Tatsachen eben nur emotional begegnen, werde ich diese Fakten hier auf downunderwines niederschreiben.
Verstehen Sie mich nicht falsch. Als ich vor ca. 5 Jahren hier nach Australien zog, da war auch ich der Meinung, dass die screwcaps typisch fuer einen billigen Wein seien. Doch weit gefehlt: in diesen letzten 5 Jahren habe ich die wahren Vorzuege dieser Verschlussart kennengelernt.
1. Habe ich mit einem screwcap eben keinerlei Probleme mit Kork, wie auch, es ist ja keiner vorhanden.
2. Liebe ich screwcaps beim Picknick oder Barbie am Sonntag nachmittag im australischen Bush – hier wo gerne einmal kein Korkenzieher parat ist, drehe ich genuesslich den screwcap auf und aergere mich nicht ueber die verpasste Chance, einen herrlichen Wein zu gegrilltem Steak oder Fisch zu geniessen.
3. Bin ich es inzwischen gewoehnt, Flaschen wieder verschliessen zu koennen, denn in den seltensten Faellen trinke ich eine ganze Flasche allein, gerade beim Probieren verschiedener Weine kann ich mit einem screwcap dafuer sorgen, dass ich die Testflaschen bestens wieder schliessen und auch Tage danach noch verwenden kann.
4. Bin ich Kork einfach leid… hierbei geht es mir weniger um das Problem des Korkrisikos bei einer sagen wir 30 Jahre alten Flasche, denn dieses Problem stellt sich mir nicht so haeufig. Nein ich finde es einfach schade, wenn ein Wein, den ich eigentlich schaetze oder eben in einem Bericht bereist positiv beurteilt habe, dank eines gewissen Grades an TCA ploetzlich schadhaft geworden ist.
Genau dieser letzte Punkt ist auch die grosse Sorge der Weinindustrie. Ganz klar koennen wir alle einen schadhaften Wein beurteilen, der besagte 30 Jahre alt ist und sichtlich TCA Spuren aufweist. Aber dem durchschnittlichen Weintrinker faellt eben nicht die noch so geringe Spur von TCA in seinem herkoemmlichen Wein auf, einzig schmeckt der Wein anders, als zuvor bekannt oder eben nicht so richtig. Bei der kleinsten fehlerhaften TCA Groesse veraendert sich der Geschmack des Weines derart, dass er eben nicht mehr schmeckt und typischerweise wendet sich der durchschnittliche Weintrinker eben in falschem Bewusstsein einer anderen Marke, einem anderen Wein zu.
Ein weiteres Problem des Korkens ist die sporadische Oxidierung, genau dann also, wenn der Korken zu viel Luft an den Wein heranlaesst. Gerade bei weissen Weinen, unoaked Riesling oder Semillon z.B. ist diese Gefahr besonders hoch. Hier braucht man garnicht erst zu probieren, die Farbveraenderung macht den schadhaften Zustand schon allzu klar und deutlich.
Dem Problem des Verlustes von Kunden, die faelschlicherweise denken, der Geschmack oder gar die Qualitaet seines Weines habe sich veraendert, moechten aufgeschlossene Winzer entgegentreten. Und so lassen sich auch die Schritte der portugiesischen Korkindustrie verstehen, mit neuen Versuchen z.B. von ProKork, d.h. gepressten recyclten Korken, den Vorteilen des screwcap entgegenzutreten. Eine grossangelegte Werbekampagne der Portugiesen hier downunder verpuffte ohne Resonanz, zu weit entwickelt ist der Verstand des australischen und neuseelaendischen Weinkonsumenten.
Und wie lange braucht man in Europa noch, diesen Siegeszug der screwcaps anzuerkennen? Das ist wirklich schwer zu sagen, doch ich selbst werde screwcaps leidenschaftlich weiter vertreten und somit hoffentlich zu einer Entmystifizierung des portugiesischen Korkens auf Ihrer Weinflasche beitragen. Der moderne Weintrinker achtet auf den Wein und nutzt die Vorzuege des praktischen screwcaps – wann machen auch Sie mit?
Ihr Michael Brecht
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Comments
Wir wissen seit unserer Australienreise, wie beliebt diese Drehverschlusse sind und haben sie lieben gelernt. Die Situation hier in Deutschland wandelt sich so ganz langsam, auch wenn der Kork immer noch vorherrschend ist. Danke an http://www.downunderwines.net fuer die gute Berichterstattung aus diesem tollen Land. Frank
[...] The alcohol content of 13.5% is a little on the upside for a summer quoffa, the bottle comes with a screwcap which comes handy, when we open the bottle on the [...]
[...] and the brand of Langtons. Woolworths Liquor comprises the retail outlets BWS (Beer Wine Spirits), Dan Murphy’s and the Woolworths Liquor shops, mostly situated next to the supermarkets. Retail Giant Woolworths [...]
[...] Lösung ist der Schraubverschluss ich habe ja bereits mehrfach davon auf diesem Blog berichtet. Auch die emotional behafteten [...]
[...] immer mehr Produzenten aus anderen Ländern auf Schraubverschluss, in englischer Sprache ‘screwcap‘ [...]



Hallo Herr Brecht, ich denke Sie haben Recht, es sind die alten Verbindungen zur Korkindustrie, welche den Winzern in Europa den Schritt zum screwcap erschweren. Es gibt heute keinen wirklichen Grund mehr Kork zu verwenden. Und das Interesse der Verbaucher in Deutschland an guten Alternative nimmt zu. Alles eine Frage der Zeit.
Ihr Marc Thomason aus Celle