Geelong
Curlewis Reserve Pinot Noir – Rainer Breits Meisterwerk aus Geelong
In meinem Buero stapeln sich inzwischen die Weinflaschen: auf der rechten Seite meines Beistelltisches die Leeren, jeweils mit Notizen versehen und auf der linken Seite die Weinflaschen, deren Test mir noch bevorsteht. Ich bin ein wenig beunruhigt ob der schnellen Zunahme der leeren Flaschen: viele unserer Freunde haben den Januar dazu genutzt, eine alkoholfreie Zeit fuer die Gesundung der Leber und anderer Organe einzulegen, ich hingegen trinke mehr Wein, als je zuvor. Streng nach den Regeln des australischen Weinpabstes Len Evans.
Mein heutiger Testbericht ist dem Reserve Pinot Noir aus dem Hause Curlewis gewidmet, ein kleineres aber sehr feines Weingut in Geelong, also eine Stunde westlich von Melbourne gelegen, quasi auf dem Weg zur touristisch sehr schoenen Great Ocean Road. Hier kaufte 1996 Rainer Breit mit seiner Partnerin Wendy Oliver einen Weinberg, der damals bereits 11 Jahre alte Pinot Noir Reben vorhielt. Rainer ist ein selbst-trainierter Winzer, seine musische und kuenstlerische Ader helfen ihm nach eigenem Bekunden bei der Aufgabe exzellente Weine Jahr fuer Jahr hervorzuzaubern.
Ich selbst testete den Reserve Pinot Noir von 2004, ein Wein der hier in Australien an allen Orten Hoechstpunktzahlen erhaelt. Und das zurecht, wie ich meine – seine dunkle rote Farbe, sein voller und runder Duft und seine komplexe Struktur machen deutlich, dass hier mit durchaus gesetzteren Trauben gearbeitet wird. Pinot Noir, das ist jene Traube, die so schwierig zu behandeln ist und die, sofern richtig ‘bearbeitet’, so vorzuegliche Weine hervorbringen kann. Der Reserve Pinot erinnert mich an die klassischen Burgunder, perfekte Balance des Tannin und des Eichenfassgeschmacks. Laut Rainer hat er fuer diesen Jahrgang einige neue Weinanbautechniken angewendet, um noch mehr Laenge und Fuelle zu kreieren.
Mit 14% Alkoholgehalt ist der Reserve am oberen Spektrum der Skala angesiedelt, fuer mich ein klassischer Pinot aus der Geelong Gegend. Fuer diejenigen unter uns, die ausgezeichnete Tropfen lagern koennen und wollen, so kann dieser Curlewis Reserve durchaus noch bis 2015 in Ihren Keller.
Ihr Michael Brecht
Von schottischen Huegeln: Geelongs feinster Pinot Noir
Ein Highlight meiner letzten Woche war der Genuss eines 2005er Scotchmans Hills aus Geelong in Victoria. Ich werde inzwischen ein echter Fan dieser Gegend keine 50km westlich von Melbourne. Hier wachsen jene Pinottrauben Australiens, die bislang weder im Lande selbst noch international so richtig entdeckt wurden. Ich jedenfalls bin schwer begeistert und plane schon jetzt weitere Tests.
Das Weingut Scotchmans Hill ist familiengefuehrt und gilt seit 1982 als australischer Produzent hoechst eleganter Weine. Auf der Bellarine Peninsula gedeihen Riesling, Sauvignon Blanc, Chardonnay, Pinot Noir und Shiraz auf vulkanischem Boden. Die unterschiedlichen Lagen werden in die Marken Scotchmans Hill, Swan Bay und Single Vineyard abgefuellt, die Fruechte meiner Flasche entstammten dem Weinberg direkt neben dem Haupthaus der Familie.
Trotz seiner 14% Alkoholgehalt empfand ich diesen Pinot als nur mittelschwer, seine exzellente Laenge und seine feinen Gewuerznoten machten einen runden Eindruck. Mit seinem Preis von unter 20 EURO ist dieser Pinot ein echtes Schnaeppchen, auch wenn es dank seiner geringen Auflage schwierig sein wird, an diesen Pinot Noir ganzjaehrig heran zu kommen. Fuer den australischen Kunden bleibt immerhin die Hoffnung auf eine Zuteilung innerhalb des Scotchman Weinklubs, auch wenn man hier mit den vielen Pinot-suechtigen downunders teilen muss.
Drei Pinots unter 10 Euro im Vergleich
Ich habe in der letzten Woche drei Pinot Noirs getestet, die alle aus unterschiedlichen Regionen stammen und saemtlich unter 10 Euro im Weinhandel erhaeltlich sind. Pinots zu diesem Preis werden vom geneigten Weintrinker immer skeptisch begutachtet, denn die Traube und deren Verarbeitung ist ein teures Vergnuegen. Die Weinstoecke der Pinots brauchen eine Menge Aufmerksamkeit, die Winzer bauen die Trauben eher in kleineren Gemengen an. Alle drei Weine sind jung und stammen dem 2006er Jahrgang ab, der aufgrund der grossen Trockenheit einerseits schwierig, andererseits vielversprechend ist.
Mein Test beinhaltete einen sixfootsix Pinot aus Geelong, eine Flasche aus dem Yarra Valley vom renommierten Haus Yering Station, wobei ich fuer diesen Preis die Zweitmarke Mr. Frog erworben hatte, und eine Flasche Taylors Pinot Noir aus dem Clare Valley.
Der sixfootsix wird in der Geelong Gegend von der Austin Familie angebaut, die hier mit 90 acres einen der groessten Pinot Besitze Australiens fuehrt. Man merkt dem Wein an, dass in der Familie ein starker Fokus auf die Pinots gelegt wird, ein sehr fruchtiger Geschmack (Kirsche, Himbeere und auch Rhabarber kommen hindurch) und ein einfacher aber sauberer Grundton zeigen vom Koennen des Winzers. Mit 14% liegt er an der oberen Grenze meines Verstaendnisses fuer einen guten Alkoholgehalt eines Pinots, auch wenn ich zugeben muss, dass der Wein leichter ‘daherkommt’ als gedacht.
Ganz anders der Taylors Pinot aus dem Clare Valley, eine Massenmarke, die eben auch ueber die Liquor Stores der grossen Supermarktketten (Woolworth und Coles) vertrieben wird. Der Wein laesst jeden Charakter vermissen, ohne jegliche Laenge und Substanz, auch wenn die Familie Taylor auf dem Label behauptet, dass ‘wine really everything’ fuer sie sei. Ich bin von dieser Variante sehr enttaeuscht und die 14.5% lassen kaum vernuenftig meine Geschmacksknospen die unterschieldichen Aromen heraus finden.
Ganz anders der Mr. Frog aus dem Yarra Valley: wie gesagt, eine Zweitmarke zu den grossen Weinen der Yering Station (wer dem Yarra Valley einen Besuch abstattet sollte einen Abstecher in dieses praechtige Weingut auf alle Faelle einplanen) und als solche eben doch gut gepflegt, auch wenn bei diesem Preis natuerlich keine exklusive Spitzenklasse erwartet werden darf. Mir gefaellt der fruchtig, frische Charakter des Weines, ich schmecke reife, dunkle Kirschen und im Abgang ueberrascht mich der Mr. Frog extrem. Mit 13% ist dieser Pinot ein exzellenter Sommerrotwein und das zu einem wirklich guten Preis.
Der Gewinner dieser Serie ist fuer mich nach langem hin und her der sixfootsix aus Geelong, denn er wirkt als selbstaendiger Vertreter einer jungen Pinot-Winzergeneration am rundesten. Knapp dahinter folgt der Mr. Frog und leider weit abgeschlagen der PN der Taylors.





