Mornington Peninsula
Springtime downunder – Zeit fuer einen Chardonnay aus Victoria
Auch wenn die Temperaturen in Deutschland nicht gerade zu meiner heutigen Ueberschrift passen, hier downunder ist es Fruehling.
Wir schreiben Temperaturen um die 25 Grad verbunden mit kurzen, manchmal nur wenige Sekunden dauernden Schauern – es wird Zeit, hier auf downunderwines meine Erfahrungen mit australischen Weissen wiederzugeben. Nun wird der geneigte Leser erkannt haben, dass ich sehr zu Rotweinen neige (nicht nur zur Winterszeit). Das ist auch tatsaechlich so, doch gerade die australischen Weissen haben mich in den vergangenen Jahren gelehrt, dass ein Weisswein auch seine besonderen Charakteristika haben kann.
Meinen ersten Bericht widme ich einem Chardonnay von der Mornington Peninsula; ein 2006er CLONALE aus dem Hause Kooyong, der Weinmacher Sandro Mosele ist ja schon fuer den grossartigen Pinot Noir namens Massale verantwortlich. Fuer ein recht kleines Weingut mit lediglich 5000 Kaesten Jahresproduktion ist auch dieser Chardonnay erstaunlich ausgereift, zumal die Kooyongs erst 2001 ihre ersten Weine auf den Markt brachten. Inzwischen werden 10 verschiedene Sorten an Chardonnay Trauben angebaut und in diesen CLONALE eingebracht.
Der CLONALE ist fruchtig, mit leichten Zitrus und Grapefruchttoenen und hat dennoch bereits einen recht kraeftigen Abgang, nicht ueberbetont, aber jederzeit praesent. Mit 13% Alkoholgehalt ist er ein schoener leichter Sommerwein, den wir am gestrigen Abend zu einem gegrillten Steak mit Salat genossen haben. Ein hiesiger Fruehlingswein, bei deutschen Temperaturen sicherlich auch fuer den Sommer geeignet.
Mornington Peninsula – das australische Burgund am Meer
Die Mornington Peninsula liegt ca. 65 km suedoestlich von Melbourne. Die Gegend hat einen langen Weg hinter sich, seit Garry Crittenden von Dromana Estate in 1982 durch das Anpflanzen von 2 Hektar Wein die bis dato angebaute Anzahl an Reben an einem Wochenende quasi verdoppelte. Heute geniessen die mehr als 70 Weingueter und ueber 200 einzelnen Weinanbauer den einzigartigen Vorteil, dass quasi von jedem einzelnen Weinhuegel das Meer erblickt werden kann.
Die Gegend spielt den Vorteil eine Touristenattraktion Australiens zu sein voll aus. Neben erstklassiger Kueche, kleinen urspruenglichen Doerfern, vielen Veranstaltungen wie Golftournieren, Surfveranstaltungen oder Oldtimerrallyes locken modernst ausgestattete Weingueter zum Testen und Geniessen. Die Weinmacher auf der Peninsula profitieren von einem integrierten Tourismuskonzept und haben daraus heute einen Standard an Qualitaet ihrer Weine erreicht, der zur Spitze Australiens gehoert.
In meinen voraus gegangenen Berichten ueber einzelne Weine ist der ein oder andere Name ja schon gefallen; meine Favoriten wie Kooyong, Port Phillip oder auch Dromana und Stonier sind hier zu finden. Alles Weingueter, die den cool climate Trauben wie Chardonnay, Pinot Noir und Gris besondere Aufmerksamkeit schenken. Weshalb jene hier so besonders gut gedeihen, zeigt ein Vergleich mit den Wetterbedingungen im franzoesischen Burgund, welches aehnliche ploetzliche Wetterwechsel verzeichnet wie die Peninsula:
Mornington: jaehrlicher Regenfall 737mm, rel. Luftfeuchtigkeit 55%
Dijon: jaehrlicher Regenfall 696mm, rel. Luftfeuchtigkeit 57%
Der Boden reicht von reichhaltigem, roten Vulkanboden in den hoeheren Lagen bei Red Hill zu sandigem, lehmigen Untergrund in den flacheren Lagen um Moorooduc und Tuerong. Aus jenem Tuerong wird mein naechster Bericht stammen, dort werden die Yabby Lake Weine angebaut, deren Winemaker ihre internationale Erfahrung aus dem Nappa Valley und Neuseeland mit auf die Peninsula gebracht haben. Doch davon ein ander mal mehr.
Kooyong Massale – ein Pinot Noir der Mornington Peninsula

Obwohl der Staat Victoria flaechenmaessig nur ein relativ kleiner Teil Australiens ist, beherbergt er zweifelsfrei einige der herausragenden Gegenden fuer den Anbau von ‘cool climate’ Trauben. Die auf wenige Wochen im Sommer beschraenkte Hitze und das ansonsten eher milde Klima beguenstigen das Wachstum dieser so anspruchsvollen Rebsorten. Eine der Top Gegenden Victoria’s ist die Mornington Peninsula, unweit der Stadt Melbourne gelegen.
Mein erster Bericht von der Halbinsel ist den Weinen der Familie Gjergja gewidmet, denn diese besitzt in diversen Lagen der Peninsula Weinberge und unter dem strengen Schaffen des Winemakers Sandro Mosele hat man sich auf Pinot, Chardonnay, Shiraz und Sauvignon Blanc Trauben spezialisiert. Somit gedeihen hier solch herrliche Tropfen wie die Port Phillip Estate Weine, die Weine der Marken Kooyong Estate, Single Vineyard Meres oder Ferrous und daneben auch meine Neuentdeckung: der Pinot Noir Massale.
Mosele gelingt es in jedem Jahrgang allein fuenf verschiedene Pinot Noirs in die Flaschen zu bringen und es waere an dieser Stelle sicherlich die Frage angebracht, weshalb von einer einzigen Rebsorte gar fuenf verschiedene Namen in den Weinregalen auftauchen sollen. Die Antwort liegt in der vertrieblichen Ausrichtung auf die diversen Preissegmente in Australien, auf das Eingehen von Wuenschen auslaendischer Importeure oder vielfach haengt die Markenwahl eben mit der Lage und den daraus folgenden Geschmacksrichtungen zusammen.
Im April dieses Jahres kam ganz frisch der Massale von Kooyong Pinot Noir 2006 auf den Markt, ein Pinot Noir unter $30.– und ein echter Volltreffer fuer die Liebhaber voller, fruchtiger Pinots. Seine dunkle Farbe laesst eher an einen Cabernet denken, sein Aroma verspricht ein wahres Sammelsurium an Waldbeeren und seine Fuelle laesst die Geschmacksknospen vor Freude springen. Dieser Wein ist fuer diesen Preis ein absoluter Renner, seine Platzierung als mittlerer PN aus dem Hause Kooyong ein Schnaeppchen sondergleichen. Ich nehme mir fest vor, die hoeherpreisigen Brueder fuer besondere Anlaesse aufzuheben und werde dann umgehend wieder hier berichten.
Bleibt die Frage, was der australische Weinpabst Halliday dazu sagt: 94 Punkte, na also, da sind wir qualitativ einer Meinung, denn das ist fuer einen Wein dieser Preisklasse ausgezeichnet.
Als neue Kategorie habe ich mich entschlossen, ab sofort die Verschlussart der Flasche mit einzubeziehen. Hier streiten sich in Europa ja noch die Gelehrten, ob denn der Korken oder etwa das screwcap (also der Drehverschluss) die richtige Schliessvariante waere. In Australien ist diese eher emotional gefuehrte Diskussion laengst entschieden und meine Meinung dazu werde ich gesondert mitteilen. Dieses Thema verdient einen eigenen Bericht. Ach ja, der Massale kommt verkorkt daher, ist mit 13.5% mittlerer Schwere und hat mich komplett begeistert.




