Cabernet Sauvignon
Cabernet Sauvignon aus dem Yarra Valley
Hubert de Castella gilt als einer der Pioniere des australischen Weinbaus, bereits im Jahre 1862 pflanzte er den St. Huberts Weinberg, eine Lage, die heute noch als eine der besten Lagen Australiens fuer sog. cool climate Cabernet Sauvignons gilt. Gleich ausserhalb von Coldstream im beruehmten Yarra Valley gelegen, ist der Tastingraum in einem schlichten Aussie Shed untergebracht, hier zeugen diverse Photos von der Zeit des Weinanbaus im letzten Jahrhundert.
1880 gewann er mit seinen Weinen den Preis des erfolgreichsten Winzers der Melbourne International Exhibition, vor wenigen Jahren jedoch verkauften seine Nachfahren an den Weinkonzern Fosters. Ich selbst versuche mit diesem blog ja gerade die kleineren Winzer vorzustellen, an St. Huberts komme ich jedoch nicht vorbei, auch wenn seine Verkaufszahlen wesentlich durch die Fosters Vertriebsmannschaft gepusht werden.
St. Huberts gilt heute nach wie vor als Qualitaetsmarke und als solche ist vielen Australiern nicht bekannt, dass die Marke nun im grossen Fosters Konzern mitschwimmt. Ein spaeter Nachkomme ist Damien de Castella, der heute als Viticulturalist seine Hand im Weinberg von St. Huberts anlegt. Ich habe kuerzlich den 2006 Cabernet Sauvignon getestet und war wieder einmal begeistert: der 2006 Jahrgang war ein frueher Jahrgang, ein warmes und sehr trockenes Klima sorgte fuer perfekte Bedingungen fuer diese spaet heranreifende Rebsorte.
Der 2006er St.Huberts Cab-Sav ist ein mittelschwerer Wein mit herrlichen Pflaumen und Schwarzbeeraromen, da er noch recht jung ist empfehle ich die Verwendung eines Dekanters und die Oeffnung ca. 1 Stunde vor dem Genuss. Der Wein laesst sich hervorragend fuer weitere 10-12 Jahre lagern, ist allerdings auch heute schon ein sehr guter Tropfen zu Steak oder Lamm. Sehr angenehm ist, dass wir es hier mit einem Cab-Sav zu tun haben, der mit 14% durchaus am unteren Ende der Alkoholskala liegt.
Ihr Michael Brecht
Len Evans: ‘How to taste Wine’
Als Len Evans am 17. August 2007 auf dem Parkplatz vor dem John Hunter Krankenhaus in Newcastle verstarb, stand in Australien die gesamte Weinwelt unter Schock. Sie hatten ihren Koenig verloren, oder wie Campbell Mattinson in seinem juengsten Buch ‘Why the French hate us’ schreibt: ‘There are the kings of wine regions and kings of wine varieties and even kings of wine styles, but Len Evans was the king of them all.’ Doch zu diesem Buch komme ich spaeter, ich bin noch bei dessen Lektuere.
Zum Glueck hat der legendaere Len Evans uns Notizen hinterlassen. In dem kleinen Handbuch ‘How to taste Wine‘ dokumentiert er, wie ein Wein zu verkosten ist. Das Buch ist juengst bei Barbara Beckett Publishing in Sydney erschienen.
Aus dem kleinen Wales kam Evans Mitte der 50er Jahre als Glaswaescher nach Sydney, die Glaeser in den Pubs waren allesamt von Biertrinkern in dieser Zeit. Als Director des Australian Wine Bureau, als ‘Cellarmaster’ des Bulletin und als Manager und Gruender mehrerer Weingueter (Petaluma und Tower Estate) arbeitete sich Evans in der australischen und internationalen Weinszene hinauf. In ueber 40 Jahren leitete er als Chairman die grossen und wichtigsten Wineshows Australiens, er galt international als einer der ganz grossen Weinkenner und es verging kaum ein Tag, an dem er nicht eine der koestlichsten Flaschen oeffnete.
In einem frueheren Werk schrieb er “I had a mis-spent youth. It wasn’t until I was 16 that I became interested in wine’, bis kurz vor seinem Tod behauptete er, er wuesste nach wie vor viel zu wenig davon. Und dennoch zitterte die Fachwelt vor seinen praezisen Bewertungen. Denn Len Evans war ebenso genial wie auch direkt mit seinen Weinanalysen. Er scheute sich nicht, Weine seiner Gastgeber vor versammelter Presse und Testgemeinde auseinander zu nehmen.
Len Evans war einer der fruehen Vertreter in Australien, die weniger die von Robert Parker jn. so gepushten, schweren australischen Cabernets und Shiraz Weine liebten, sondern mehr die delikaten, alten Burgunder, die Pinot Noirs, bevorzugten. Auf seine Tipps und Schulungen gehen viele der heutigen Erfolge der australischen Boutique Winzer zurueck, er stand unermuedlich fuer ein neues Bild australischen Weines im internationalen Wettbewerb.
Und doch gab es heftige Kritik an Len Evans selbst, wurde ihm doch vorgeworfen, seine Kritiken nur auf die absoluten Top Tropfen zu beschraenken. Im Alter von 40 Jahren gab er in einem Interview die folgende Antwort auf diese Kritik: ‘wissen Sie, ich habe noch ca. 30 Jahre zu leben, wenn ich jeden Tag eine Flasche Wein trinke, dann sind das noch rund 10.000 Flaschen an Wein fuer den Rest meines Lebens, da muss ich mich schon auf die guten Weine konzentrieren.’
Der ‘Chairman’, wie er liebe- und zugleich respektvoll tituliert wurde, ueberlebte drei Herzinfarkte, war Zeitgenosse und Mitgestalter des grossen Wandels der Trinkgewohnheiten der Australier und wird hier in downunder schmerzlich vermisst. Die australischen Winzer und Weinkenner troesten sich lediglich, dass Len Evans sicherlich nicht ohne einige gute Tropfen in den Himmel gestiegen ist und dort laengst deren Nachschub organisiert hat.
Abschliessend verbleibt die Frage nach dem: wie wird denn nun Wein verkostet? Davon mehr in einem gesonderten Bericht.
Ihr Michael Brecht



