Weinbewertungen in Australien - 2. Teil

Posted on February 10th, 2008

Mein erster Teil des Berichtes ueber Weinbewertungen in Australien widmete sich mehr dem generellen Hintergrund, heute geht es ans Eingemachte: die Bewertungskritierien selbst sind hier downunder dreigeteilt:

Bis zu 3 Punkte gibt es fuer Farbe und generellen visuellen Eindruck
Bis zu 7 Punkte gibt es fuer den Geruch, und
Bis zu 10 Punkte gibt es fuer Geschmack, d.h. der Einstiegsphase, dem Geschmack im Mund und Rachen und dem Abgang - hier wird aber auch das generelle Zusammenspiel zwischen Nase und Mund beruecksichtigt.

Farm tasting small

Maximal also 20 Punkte fuer einen einzelnen Wein, mit 18.5 Punkten und mehr gibt es Gold, mit 17-18 Punkten gibt es Silber und mit 15.5 bis 16.5 eine Bronzemedaille. Gewertet wird in Kategorien nach Traube und Alter, streng gestaffelt, denn letztlich gibt es wenig Platz fuer Abweichungen. So findet einer der (recht wenig vorkommenden) Gold praemierten Weine recht haeufig eine 3 fuer die Farbe und den generellen Eindruck, eine 6.5 oder gar 7 fuer den Geruch und dann eine 9-10 fuer die sog. ‚Palate‘, da ist kaum Platz fuer Fehler gegeben.

Die haeufigsten Bewertungen in Australien finden zwischen 13 und 18.5 statt, unterhalb der 13 finden wir heute kaum noch Weine, die zu Shows angemeldet werden. Aber es ist heute auch richtig schwer, mehr als 18 Punkte, und somit eine Goldmedaille, zu erhalten.

Und dann ist da die Frage nach dem Sinn einer solchen Medaillenvergabe: lohnt sich die Bekanntmachung einer solchen Gold-, Silber oder Bronzemedaille? Mein Weinhaendler aus Bowral meint ja: ‚insbesondere der nicht so versierte Kaeufer waehlt heute nach wie vor Weine nach Medaillen aus, daher empfiehlt es sich, die erworbenen Medaillen auf die Flasche zu drucken, im jeweiligen Bottleshop erhoeht das die Verkaufschance ganz eindeutig.‘ Achten sollten wir Konsumenten lediglich auf die Herkunft der jeweiligen Medaille: die grossen Shows moegen ja noch eine gewisse Bedeutung haben, doch was bringt mir der Gewinn einer Bronzmedaille der ‚South Coast Show‘? Hier zaehlt eindeutig die Groesse, Medaillen aus Sydney, Adelaide, Melbourne oder dem National aus Canberra sind wichtig, hier werden die wahren Champions gekuert.

Und dann gibt es hier downunder Winzer, die ihre Weine nie auf Wineshows anmelden. Einige von Ihnen tun gut daran, sparen Sie sich doch somit die teils recht kraeftigen Anmeldegebuehren und letztlich die schonungslosen Kommentare der Preisrichter. Andere hingegen meiden die Shows, da ihre Jahresproduktion sehr begrenzt ist oder gar im vornherein schon ausverkauft ist, so dass die Teilnahme an Wineshows gaenzlich sinnlos waere. Von diesen Weinen werde ich in den kommenden Beitraegen ein wenig mehr erzaehlen.

MB

Wie werden in Australien Weine getestet?

Posted on February 1st, 2008

Wir alle kennen diesen strengen Blick hinein in das Weinglas, die Nase an den Rand gefuehrt und in einem langen Atemzug durch die Nase hindurch wird der Geruch des Weines aufgesogen. Kritisch wird die Farbe begutachtet. Ich spreche von nichts weniger als dem Testen eines Weines.

Celebrate red wine

Im internationalen Vergleich gibt es bei den professionellen Weintests grosse Unterschiede. Daher moechte ich Ihnen heute das australische System vorstellen, welches sich in den vergangenen Jahren komplett veraendert hat. Len Evans war einer der grossen Verfechter eines strengen Beurteilungsrahmens und so folgt das Weinbewertungssystem in Australien heute zum grossen Teil seinen aufgestellten strengen Kriterien. Mehr zu seiner teils radikalen Einstellung finden Sie hier.

Bei den Weintests sind zumeist drei Juroren praesent, bei den grossen shows wie etwa der RAS (Royal Agricultural Society) Sydney Show, der Canberra National Wine Show oder der Victorian International Exhibition and Wine Show in Melbourne sitzt einer ganzen Gruppe an Richtern ein sogenannter Chairman voran. Die Weinrichter haben heute vor allem bei den grossen Shows eine Menge Erfahrung, zumeist ausgestattet mit dem Titel des Master of Wine haben sie mehrere Dutzend solcher grossen Shows hinter sich. Es liegt eine Menge Arbeit vor Ihnen, nicht selten muessen mehr als 150 Weine pro Tag getestet werden. Je wichtiger die Weinshow, desto eher sitzen internationale Weinjuroren im Gremium, die englische Weinspezialistin Jancis Robinson ist beispielsweise eine oft und gern gesehene Richterin bei den Shows in den grossen Metropolen downunder.

Den Hauptpruefern sitzen bis zu drei Assistenten bei, zumeist Weinjuroren, die das Handwerkszeug erlernen und somit auf die grossen Pruefungsaufgaben vorbereitet werden. Zusaetzlich finden wir mehrere ‚Eingiesser‘, sie haben die Aufgabe, die Weine in Glaesern auf den Testtisch zu bringen, denn hier downunder sind die Tastings ‚blind‘, d.h. die einzelnen Herkuenfte der Weine den Juroren nicht bekannt.

Schoen finde ich die Anekdote, dass bis in die 70er Jahre die RAS Sydney Wineshow oberhalb eines Hamburger Shops auf diesem riesigen Areal ihren Platz hatte. Zusaetzlich rauchten viele der Preisrichter und stoerten damit auch den letzten vorhandenen Geruchs- und Geschmackssinn der anwesenden Juroren. Wie in einem solchen Umfeld die Gold- und Silbermedaillen vergeben wurden ist mir voellig schleierhaft. Heute laeuft das hingegen alles viel professioneller ab, mehr davon dann in der Fortsetzung.

“No wood - no good”

Posted on October 28th, 2007

John Glaetzer ist der Mann, dem wir unsere Ueberschrift verdanken; ein Star der australischen Weinszene, vielfach preisgekroent und lange Jahre dem Wolf Blass Weinimperium vorstehend. Sein Satz drueckt aus, was in den letzten 20 Jahren die (vor allem Rot-)Weine downunders auszeichnete: ein phaenomenales Wachstum auf der Basis von Geschmacksanreicherungen durch Holz, mehr Holz, und noch mehr Holz.

Cellar with wooden barrels

Holz hat in dieser Zeit die Funktion des Aromastoffes uebernommen und aus meiner Sicht haben die australischen Winzer dessen Einfluss uebertrieben. Neben den romantisch anmutenden Holzfaessern finden wir Holzplanken in moderneren Faessern, aus Frankreich oder den USA stammend, altes Holz, neues Eichenholz - kurz: dem Spieltrieb sind keine Grenzen gesetzt. Mehr Eichenholz stand zumeist auch fuer einen hoeheren Alkoholgehalt, ich denke, dass gerade die Rotweine der 90er Jahre vielfach den Geschmack des Traubensaftes durch diese Einfluesse uebertuencht haben. Gerade die kraeftigen Cabernets und Shiraz aus Australien wurden somit als Wein fuer ein gepflegtes Abendessen ungeeignet - zu heftig waren unsere Geschmacksknospen mit den wulstigen Aromen belegt, als dass wir das jeweilige Diner geniessen konnten.

Doch, eine Trendwende zeichnet sich ab. Wie so haeufig wird eine solche Wende durch den Konsumenten getrieben. Hier downunder wuenschen die Gaeste in den Restaurants einen leichteren Wein zu ihrem Abendessen, nicht zuletzt die strikten Regeln fuer das Bewegen des eigenen KFZ, sondern auch die inzwischen erstklassige Kueche in den Grossstaedten laesst die Nachfrage nach weniger Holz- und Alkoholgeschmack ansteigen.

Auch die Weinjuroren selbst sind bei der Verkostung von bis zu 100 Weinen in einer Verkostung des vielen Holzes inzwischen ueberdruessig. In Australien geht der Trend zu leichteren Weinen mit eher klassischen Geschmack nach deren Fruechten - ‘less wood - more good’ ist wieder die Devise! Und das ist gut so!

Mornington Peninsula - das australische Burgund am Meer

Posted on October 14th, 2007

Die Mornington Peninsula liegt ca. 65 km suedoestlich von Melbourne. Die Gegend hat einen langen Weg hinter sich, seit Garry Crittenden von Dromana Estate in 1982 durch das Anpflanzen von 2 Hektar Wein die bis dato angebaute Anzahl an Reben an einem Wochenende quasi verdoppelte. Heute geniessen die mehr als 70 Weingueter und ueber 200 einzelnen Weinanbauer den einzigartigen Vorteil, dass quasi von jedem einzelnen Weinhuegel das Meer erblickt werden kann.

Yabby_vineyard Mornington Pen

Die Gegend spielt den Vorteil eine Touristenattraktion Australiens zu sein voll aus. Neben erstklassiger Kueche, kleinen urspruenglichen Doerfern, vielen Veranstaltungen wie Golftournieren, Surfveranstaltungen oder Oldtimerrallyes locken modernst ausgestattete Weingueter zum Testen und Geniessen. Die Weinmacher auf der Peninsula profitieren von einem integrierten Tourismuskonzept und haben daraus heute einen Standard an Qualitaet ihrer Weine erreicht, der zur Spitze Australiens gehoert.

In meinen voraus gegangenen Berichten ueber einzelne Weine ist der ein oder andere Name ja schon gefallen; meine Favoriten wie Kooyong, Port Phillip oder auch Dromana und Stonier sind hier zu finden. Alles Weingueter, die den cool climate Trauben wie Chardonnay, Pinot Noir und Gris besondere Aufmerksamkeit schenken. Weshalb jene hier so besonders gut gedeihen, zeigt ein Vergleich mit den Wetterbedingungen im franzoesischen Burgund, welches aehnliche ploetzliche Wetterwechsel verzeichnet wie die Peninsula:

Mornington: jaehrlicher Regenfall 737mm, rel. Luftfeuchtigkeit 55%

Dijon: jaehrlicher Regenfall 696mm, rel. Luftfeuchtigkeit 57%

Der Boden reicht von reichhaltigem, roten Vulkanboden in den hoeheren Lagen bei Red Hill zu sandigem, lehmigen Untergrund in den flacheren Lagen um Moorooduc und Tuerong. Aus jenem Tuerong wird mein naechster Bericht stammen, dort werden die Yabby Lake Weine angebaut, deren Winemaker ihre internationale Erfahrung aus dem Nappa Valley und Neuseeland mit auf die Peninsula gebracht haben. Doch davon ein ander mal mehr.

Ein Kurzbericht ueber den Jahrgang 2007 in Australien

Posted on August 19th, 2007

Die australische Weinindustrie hat in den letzten vier Jahren eine verrueckte Zeit mitgemacht. Im neuen Jahrtausend stieg die Jahresproduktion der australischen Winzer zunaechst auf 1,9 Millionen Tonnen. Das wiederum fuehrte zu uebervollen Laegern, neuen Vermarktungskonzepten wie etwa den cleanskin Weinen (also den Flaschen, die ohne eigenes label verkauft werden) und zur Entstehung neuer Discountketten, die Weine zu Preisen um die $2.00 anbieten. Viele der Weinanbieter versuchten ihr Glueck im Export, eine muehsame und zunaechst kostspielige Angelegenheit, denn Weine gab es auf dem Weltmarkt nicht nur aus Australien in Huelle und Fuelle. Die Steigerungen der Exporte wurden dann auch vielfach auf dem Ruecken der Preise ausgetragen. Grosse Volumina setzte man z.B. nach China und andere Laender ab, die eine eigene Abfuellung der Rebsaefte uebernahmen. Den Weinexperten Australiens war klar, dass nur eine mittelfristige Absenkung der Volumina auf 1,5 Millionen output im Jahr eine Normalisierung der Marktverhaeltnisse bringen wuerde.

Grapes

Und dann schlug der Klimawandel auch hier downunder zu: eine extreme Trockenheit vor allem im Suedosten des Landes, also in New South Wales und Victoria, setzte ueber vier Jahre lang der gesamten Landwirtschaft zu. Klare Naechte schafften dann die idealen Bedingungen fuer einen bislang nicht bekannten Fruehlingsfrost, der in 2006 in drei Wellen ueber das Land zog. Eisige Naechte mit unter 10 Grad minus sorgten dafuer, dass in den Weinguetern vom Coonawarra ueber das Yarra Valley bis hinauf nach Canberra und in die Southern Highlands bis zu 90% der Blueten abstarben, an ein Wachsen der Weintrauben war ueberhaupt nicht zu denken.

Und in den Gegenden, in denen der Frost nicht so stark einschlug, wueteten ab Dezember die schlimmsten Buschfeuer der vergangenen Jahrzehnte, vor allem in der Umgebung von Melbourne gingen mehr als 1 Million Hektar an Landwirtschaft in Flammen auf, darunter viele der traditionellen Weinanbaugebiete in der King Valley Region, aber auch das Yarra Valley hatte mit den Schaeden des Rauches und dessen Einfluessen auf die Trauben zu kaempfen.

Die ersten Hochrechnungen des Weinvolumens in diesem Jahr wurden demnach von 1,9 Millionen auf zunaechst 1,5 Millionen und dann auf 1,3 Millionen Tonnen gesenkt. Mit dieser niegrigeren Ernte und einer z.T. noch nicht genau einschaetzbaren Qualitaet wird der Jahrgang 2007 noch einige Monate lang Raetsel aufgeben. Umso wichtiger wird jetzt die Auswahl der Weine und die Kenntnis ueber die Arbeit der Winzer. Denn letztlich sind sich die hiesigen Weinjuroren einig: entscheidend wird fuer den Erfolg dieses Jahrgangs wird bei diesen schwierigen Voraussetzungen alleinig die Qualitaet des Weines, und die liegt nun mal in den Haenden der teils jungen Winzergeneration downunders.

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