Posted on January 24th, 2008
Keine der bisherigen posts hat so viele visits, wie mein Bericht zu den australischen ’sparkling wines’ - die Faszination Champagner scheint auch fuer Sie meine Leser eine Besondere zu sein.

Ich habe den Kommentar von Sarah zum Anlass genommen und den besagten Arras Sparkling der Bay of Fire Winery aus Tasmanien zu testen. Sarah hatte geschrieben, dass ein renommierter, franzoesischer Sommelier jenen Arras in einem ‘blind tasting’ fuer einen Tropfen aus seiner franzoesischen Heimat gehalten hatte. Mehr dazu in Sarah’s Kommentar koennen Sie hier lesen.
Als grosser Fan tasmanischer Ess- und Trinkkultur nahm ich diesen Kommentar besonders gerne auf.
Und ich wurde nicht enttaeuscht. Nur handverlesene Chardonnay und Pinot Noir Trauben finden Eingang in diesen erstklassigen Aussie Sparkling. Seine Farbe ist korngelb mit einem frischen gold-gruenen Untergrund. Das Bouquet offenbart frische Zitrusduefte und sein Geschmack zeigt neben Zitrusfruechten auch Truffel oder edle Pilzaromen. Seine grossartige Laenge zeigt mir, dass dieser Arras den gallischen Champagners ebenbuertig ist, ich favorisiere ihn klar gegen die vielen ‘me to’ Champagners und kann sehr wohl nachvollziehen, dass selbst erfahrene Sommerliers jenen Sparkling fuer franzoesisch halten.
Mit 13.2% ist der 2002er Arras dezent alkoholisiert, ein ausgezeichneter Wurf des damaligen Winemakers Ed Carr, der heute nicht mehr fuer Bay of Fires taetig ist. Wir geniessen dazu frische Meeresfruechte, denn wir sind fuer ein paar Tage an die South Coast gefahren, das Leben ist hart: 30 Grad am Tage und abends seafood mit Arras - ich gruesse Sie aus dem Sommer in downunder.
Michael Brecht
Posted on November 27th, 2007
In Australiens suedlichstem Staat Tasmanien ist seit mehreren Jahren ein Streit um den Neubau einer Zellstofffabrik entbrannt.
Die skrupellose Holz(abbau)firma Gunns, deren ehemaliger Gewerkschaftsboss heute der Premier von Tasmanien ist, plant im Naturschutzgebiet Tamar Valley eine Zellstofffabrik zu bauen und erhielt unter der ‘alten’ Regierung John Howards ein Sonderprivileg dafuer. Der Streit der Naturschuetzer und der Firma Gunns weitet sich inzwischen auf die Weinindustrie aus.
Seit Wochen meiden die Weinkenner in Tasmanien und den Grossstaedten Sydney und Melbourne den Kauf von Weinen, an denen das Unternehmen Gunns beteiligt ist. Die Weine des groessten tasmanischen Produzenten Tamar Ridge, aber auch die Weine von Rosevears Estate, Coombend Estate und selbst von Pirie, an denen Gunns mit einer Minderheit beteiligt ist, bleiben in vielen Restaurants und im Weinhandel aussen vor. Immerhin kontrolliert Gunns etwa ein Sechstel der tasmanischen Weinproduktion, doch der Aerger der Weinkenner ist verstaendlich:
die Zellstoffabrik soll inmitten eines Naturschutzgebietes gebaut werden, deren Umweltverschmutzung dann ganz direkt die Weinanbaugebiete im Tamar Valley betrifft. Eine solche Art der Beguenstigung eines Unternehmens auf Kosten der Umwelt ist weder fuer die direkt betroffenen Menschen in Tasmanien verstaendlich, noch wird es von den Weinkennern auf dem australischen Festland hingenommen. Und darum sagen auch wir: Haende weg von Weinen aus Weinguetern mit Gunns Beteiligung.
Posted on November 22nd, 2007
Heute habe ich einen neuen Weinhaendler in Sydney ausprobiert. Mich reizt bei diesen Besuchen neben dem generellen Eindruck im Laden das Fachwissen des Personals und ich finde es enorm spannend, durch die Regale zu wandern und die Anordnung der vielen Flaschen zu bestaunen. Jener Weinhandel im Business District von Sydney gelegen zielt sichtlich auf die vielen Touristen ab, die hier das ein oder andere Flaeschchen erwerben. Die Preise jedenfalls versprechen anstaendige Margen, sie liegen zum Teil 40% oberhalb der Preise bei meinen anderen Weinhaendlern. Dafuer ueberraschte mich die Vielfalt und das ausgesprochene Fachwissen des Verkaeufers, Jason war in allen Fragen australischer und neuseelaendischer Weine geschult und gab mir freundlich Auskunft.
Schnell waren wir bei meinem Lieblingsthema, den Pinot Noirs angelangt und wir waren uns beide einig, dass die wohl derzeit besten Pinots Australiens aus Victoria stammen, er selbst empfahl mir die Gippsland Gegend, die ich bislang nicht richtig auf meinem Radar hatte und schwaermte ansonsten von Pinots aus Beechworth, jenem legendaeren Ort, an welchem Ned Kelly, der Robin Hood Australiens, im Gefaegnis sass. Zurueck zum Wein ueberzeugte Jason mich letztlich, heute abend einen Newcomer aus Tasmanien zu probieren, Stoney Rise stammt aus dem Tamar Valley, also jenem besagten Tal in Tasmanien, welches derzeit unter den Neubauprojekten einer Pulp Muehle durch die Firma Gunns leidet, das hingegen ist eine andere Geschichte und wuerde hier zu weit fuehren.
Der 2005er Stoney Rise ist ein fruchtiger, junger Pinot Noir, kommt mit 13.5% eher leicht daher und zeigt mit dem ersten Schluck die Qualitaeten eines jungen Tasmaniers: fruchtig, offen, eine gute Laenge mit einer kurzen Note an Holzgeschmack, die jedoch nicht unangenehm auffaellt. Der Winemaker Joe Holyman konzentriert sich seit 2004 auf Pinot Noirs und Chardonnay, also genau auf jene Weine, die in Tasmanien so vorzueglich gedeihen. Ich entdecke bei mir ein gewisses Faible fuer diese kleineren Familien- gefuehrten Weingueter, hier schmeckt man noch die Besonderheiten des kleinen, unternehmerischen Weinanbaus.
Der Stoney Rise 2005 Pinot Noir ist ein guter Wein fuer den alltaeglichen Schluck, passend zu Lamm oder Ente oder einfach nur als ein Glas Rotwein als chill-out nach einem anstrengenden Arbeitstag. Ein Photo der Flasche folgt dann spaeter.
Posted on September 22nd, 2007
Tasmanien, das ist das Schweden der Australier. Als letzte Bastion vor dem Suedpol finden wir hier herrliche Sommer und eiskalte Winter vor. Tasmanien, das ist die Heimat der verfeindeten Bierfans von James Boags und Cascade, das Erstere stammt aus dem noerdlichen Launceston, das Zweite aus dem suedlichen Hobart, gleichzeitig der Hauptstadt der Insel.

Kenner wissen die hiesigen Weine zu schaetzen und ich moechte heute von keinem Geringerem, als dem tasmanischen Weinpabst Andrew Pirie berichten. Andrew ist Doktor der Viticulture und gruendete 1972 das Weingut Pipers Brook zu einer Zeit, als in Tasmanien die wenigsten Menschen an zivilisierte Essensformen geschweige denn an Weinanbau dachten. Bis zum Verkauf von Pipers Brook im Jahr 2002 baute Andrew jenes Weingut zu einem der fuehrenden Weinnamen Australiens aus; es war dann aber an der Zeit fuer ihn, neue, eigene Wege zu gehen.
Ich selbst hatte 2004 das Vergnuegen, seine neuesten Weine, die er im wesentlichen unter eigenem Namen (Pirie Wines) vermarktet, vor Ort zu testen und ganz ehrlich gesagt war ich damals reichlich enttaeuscht. Der erste Jahrgang liess so viel von seinen beruehmten Vorgaengern aus dem Hause Pipers vermissen, von daher fasste ich keine Flasche seiner Jahrgaenge 2004 und 2005 mehr an und wagte mich vor wenigen Tagen erstmals wieder an einen Pinot aus dem juengsten Jahrgang 2006.
Und da war es dann wieder: das beruehmte Gefuehl, einen echten Pirie trinken zu duerfen. Ein so junger Wein (im Bild der Pirie South) mit einer eleganten Frische, grossartig zu Fleisch und eben auch Fisch (ohne den gegessen zu haben, duerfen Sie Tasmanien nicht wieder verlassen) - einfach ein Genuss und das zu Preisen von leicht oberhalb 10 EURO. Die Weine werden unter drei Labeln vermarktet, Pirie South als Einstiegsweine, Pirie Estate und Pirie Reserve als die up-market Varianten - jeder fuer seine Preiskategorie ein Genuss. Mal sehen,wie sich die Pipers Brook Weine inzwischen entwickelt haben, einen Test der beiden Gueter gegeneinander werde ich wohl bald einmal anstellen.