St. Huberts - ein ‘Nachtesten’ des 2001er Cabernet-Sauvignons aus dem Yarra Valley

Posted on August 3rd, 2008

Es gibt solche Tage, an denen man in den Weinlaeden Australiens auf ‘alte Schaetze’ stoesst, jene Weine, die vom jeweiligen Einzelhandel fuer ein paar Jahre gelagert wurden. Juengst wurde ich von dem Cellarmaster von Dan Murpys, einer grossen Kette mit scheinbar einem riesigen Keller, angerufen, denn er hatte ein paar Kisten von St. Huberts Cab Sav aus dem Jahre 2001 parat. ‘Dan the man’ hatte also verinnerlicht, dass ich die Weine von St. Huberts sehr schaetze und am selben Tag machte ich mich auf und kaufte ein gutes Dutzend dieser Weine aus dem Jahrgang 2001.

Tja, und was ist mein Eindruck? Den Test der 2006er Variante habe ich vor wenigen Wochen gerade publiziert, ich war so richtig angetan von diesem Jahrgang und diesem ‘cool climate’ Cabernet Sauvignon. Und jetzt kaempfe ich mit dem 2001er und ganz ehrlich, er ist ein wenig duenn, kraftlos, so ganz ohne den Charme der 2006 Version.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, denn wir trinken nach wie vor einen guten Wein, der tatsaechlich aus guter Hand stammt, aber mir fehlt der volle Geschmack und der wirklich gute Abgang der juengeren Generation. Vielleicht habe ich mir die vielen Jahre im Keller besser fuer den Wein vorgestellt, vielleicht hatte ich einfach gehofft, dass wir den kuerzlich genossenen 2006er in aelterer Version finden. Das war nicht der Fall, was mir wiederum zeigt, dass die jungen Aussie-Weine ihren aelteren Jahrgaengen haeufig ueberlegen sind.

In diesem Sinne,
Ihr Michael Brecht

Cabernet Sauvignon aus dem Yarra Valley

Posted on May 3rd, 2008

Hubert de Castella gilt als einer der Pioniere des australischen Weinbaus, bereits im Jahre 1862 pflanzte er den St. Huberts Weinberg, eine Lage, die heute noch als eine der besten Lagen Australiens fuer sog. cool climate Cabernet Sauvignons gilt. Gleich ausserhalb von Coldstream im beruehmten Yarra Valley gelegen, ist der Tastingraum in einem schlichten Aussie Shed untergebracht, hier zeugen diverse Photos von der Zeit des Weinanbaus im letzten Jahrhundert.

Cabernet Sauvignon St Huberts

1880 gewann er mit seinen Weinen den Preis des erfolgreichsten Winzers der Melbourne International Exhibition, vor wenigen Jahren jedoch verkauften seine Nachfahren an den Weinkonzern Fosters. Ich selbst versuche mit diesem blog ja gerade die kleineren Winzer vorzustellen, an St. Huberts komme ich jedoch nicht vorbei, auch wenn seine Verkaufszahlen wesentlich durch die Fosters Vertriebsmannschaft gepusht werden.

St. Huberts gilt heute nach wie vor als Qualitaetsmarke und als solche ist vielen Australiern nicht bekannt, dass die Marke nun im grossen Fosters Konzern mitschwimmt. Ein spaeter Nachkomme ist Damien de Castella, der heute als Viticulturalist seine Hand im Weinberg von St. Huberts anlegt. Ich habe kuerzlich den 2006 Cabernet Sauvignon getestet und war wieder einmal begeistert: der 2006 Jahrgang war ein frueher Jahrgang, ein warmes und sehr trockenes Klima sorgte fuer perfekte Bedingungen fuer diese spaet heranreifende Rebsorte.

Der 2006er St.Huberts Cab-Sav ist ein mittelschwerer Wein mit herrlichen Pflaumen und Schwarzbeeraromen, da er noch recht jung ist empfehle ich die Verwendung eines Dekanters und die Oeffnung ca. 1 Stunde vor dem Genuss. Der Wein laesst sich hervorragend fuer weitere 10-12 Jahre lagern, ist allerdings auch heute schon ein sehr guter Tropfen zu Steak oder Lamm. Sehr angenehm ist, dass wir es hier mit einem Cab-Sav zu tun haben, der mit 14% durchaus am unteren Ende der Alkoholskala liegt.

Ihr Michael Brecht

TarraWarra - erstklassige Weine aus dem Yarra Valley

Posted on February 13th, 2008

Innerhalb von 20 Jahren hat die Familie Besen im Yarra Valley ein absolutes Prunkstueck geschaffen, das TarraWarra Estate. Das Weingut erstreckt sich ueber 400 Hektar, die meisten Reben wurden in 1983 angebaut.

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Neben einem preisgekroenten Restaurant und erstklassigen Konferenzraeumen eroeffnet sich dem Besucher seit Anfang 2004 ein Museum, welches in vieler Hinsicht einzigartig ist. Umgeben von Weinreben und einem traumhaften Gelaende schaffen es die TarraWarras, international bekannte Kuenstler in diesem Museum auszustellen und so das Interesse fuer Kunst mit dem schoensten Hobby an sich, der Kunst des Weines, zu verbinden.

TarraWarra - erstklassige Weine aus dem Yarra Valley

Das Yarra Valley ist fuer seine cool climate Weine bekannt, und so ist es kein Wunder dass die Flagschiffe von TarraWarra die Chardonnay und Pinot Noir Weine sind. Leider gelingt es uns Endkunden nicht immer, die besten Weine im Handel zu erwerben, so ist beispielsweise die gesamte Restposition an Pinot Noirs aus dem Jahre 2003 fuer die 1. Klasse der Qantas Fluglinie abgezogen worden. Mein Tipp: fliegen Sie 1. Klasse nach Australien mit der australischen Airline, dann kommen Sie ganz automatisch in den Genuss der TarraWarra Pinots von 2003.

Ich probierte kuerzlich den exklusiven Nachfolger, den Reserve Pinot Noir von 2004, ein wunderbarer Wein mit all den Qualitaeten eines erstklassigen Pinots. Der 2004er Jahrgang war relativ kuehl, so dass der Zuckergehalt in den Trauben weniger stark war. Dennoch gelingt der Weinmacherin Clare Halloran hier erneut ein wirklich kraeftiger Pinot mit einer grossartigen Nase. Ich schmeckte Waldbeeren und genoss den grossartigen Abgang, fuer einen jungen Pinot erstaunlich rund. Einzig stoerte mich die ‘Verpackung’: ein verkorkter Pinot Noir ist in Australien heute selten und die Korken rufen in mir immer einen gewissen Grad an Unsicherheit hervor. Das ist zwar fuer viele Europaeer immer noch ein Wunder, aber glauben Sie mir: Pinot Noirs werden heute nicht mehr verkorkt, fortschrittliche Winzer nutzen hier die vielen Vorteile des Schraubverschlusses.

Wenn Sie also ein wenig Zeit auf der Rundreise durch Australien haben, so sollten Sie das Yarra Valley als Abstecher unbedingt einplanen - das TarraWarra Estate ist hier eine der ersten Adressen.

Ihr Michael Brecht

Aus dem Yarra Valley: grosse Schritte (Giant Steps) der Familie Sexton

Posted on December 16th, 2007

Es war schon ein grosser Schritt, den die Sextons vor fast genau 10 Jahren vollbrachten: Phil und Allison Sexton zogen aus dem heissen Margaret River in das kuehlere Yarra Valley, also aus dem westlichsten Landesteil Australiens (Western Australia) in den Suedosten des Landes, nach Viktoria. Sie tauschten ihren Devil’s Lair Vineyard im neuen und ‘lauten’ Kultweingebiet suedlich von Perth gegen das eher klassische und fuer australische Verhaeltnisse alteingesessene und daher ruhigere Yarra Valley ein. Der Name fuer ihre neue Winery ‘Giant Steps’ wiederum fand seinen Ursprung in einem Jazzalbum des Jazz-Saxophonisten John Coltrane aus Manhattan.

Die Sextons unterhalten sowohl eigene Weinreben an ihrem steilen, gen Norden liegenden Hang im Yarra Valley, als sind sie auch Kaeufer von klar abgegrenzten Trauben aus dedizierten Anbauten quer durch das Tal, jeweils an Orten, die sie fuer die geeignesten halten fuer die jeweilige Rebsorte selbst.

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Neben solch beruehmten Weinguetern wie Tarrawarra oder Yarra Junction wachsen also Trauben fuer die Verarbeitung in den Sexton Weinen, eine gute Ergaenzung der hauseigenen Trauben und fuer mich ein cleverer Schachzug in der Verwendung der jeweils besten Trauben einer ganzen Weinregion.

Ich stiess auf den 2005er Giant Steps Pinot Noir ihres Sexton Vineyards am vergangenen Wochenende, vermittelt von keinem weniger, als dem Chef der Fine Wines der australischen Weinkette Dan Murphy’s, die wiederum zur groessten Supermarktkette Australiens, Woolworth, gehoert. Caton beschrieb mir den Giant Steps Pinot Noir als einen der besten Pinots des 2005er Jahrgangs, schilderte mir die Herkunft und Kenntnisse seiner Weinmacher und so war ich denn schnell ueberredet.

Das label zeigt hinter einem gezeichneten Engel eine aufschwingende Treppe vor Gewitterwolken ueber weiten Feldern mit Weinreben, nicht gerade mein Ideal an bildlicher Einfuehrung fuer einen frischen, jungen Pinot.

Dann jedoch oeffne ich die Flasche (wie bei den meisten erfolgreichen Winzern auch hier ein Schraubverschluss) und alsbald vernehme ich einen Duft von Pflaumen und dunklen Kirschen, gespickt mit ein wenig Karamel: ein wohliger Geschmack mit einer ausgezeichneten Laenge zeigt mir dann die wahre Staerke dieses Pinot Noirs, seine kraeftiger Grundton zeigt mir, dass dieser Pinot durchaus mittleres Reifealter besitzt, eine Beschaffenheit, die ich laengst nicht jedem Pinot Noir zugestehe.

Mit 13.4% ist der Giant Steps Pinot Noir am unteren Ende der Alkoholskala von Pinots, ich beginne diesen Tropfen zu geniessen und nehme mir vor, weitere Weine dieses Hauses in den naechsten Wochen zu testen, denn mein neuer Bekannter von Dan Murphy hat recht: die Sextons verstehen ihr Weinhandwerk, dieser Pinot Noir gehoert zu den ‘erwachsenen Weinen’ aus dem Yarra Valley.

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