Swan Bay - der Einstiegs-Pinot Noir aus Geelong

Posted on December 3rd, 2008

Einer meiner Favoriten in der Klasse der Pinot Noirs unter EUR 10 kommt aus Geelong in Victoria. Die Scotchman Hill Winery produziert dort Jahr fuer Jahr unter dem Label Swan Bay einen echten Spitzen Einstiegs-Pinot - ich hatte in diesem Jahr die Moeglichkeit, als einer der Ersten den Jahrgang 2008 zu testen.

Swan Bay Pinot Noir 2008

Swan Bay Pinot Noir 2008

Die Trauben stammen in diesem Jahr von juengeren Lagen und von einzelnen Winzern der Bellarine Peninsula. Handgepresst in kleinen Fermentierbehaeltern haben diese Trauben ganze 6 Monate in 4 Jahre alten franzoesischen Troncais Faessern verbacht. Heraus gekommen ist ein dunkler Pinot, eine starke Nase mit Pflaume und Himbeergeruch sowie ein erdiger Geschmack - alle diese Bestandteile sind gut abgestimmt und erfreuen mich erneut in diesem Jahr, bitte lesen Sie auch hier meinen Testbericht ueber die Scotchman Hill Winery und einem Pinot aus dem Jahr 2007.

Einzig sein recht hoher Alkoholgehalt mit 14.5% ist ein wenig heftig fuer meinen Geschmack, ganz und gar gegen den Trend der Pinot Noirs aus downunder. Doch bei diesem Preis moechte ich hier nicht zu kritisch sein, Swan Bay - ein echter Geheimtip unter den Pinots aus Australien.

Ihr Michael Brecht

James Halliday im Interview in Sydney - 2. Teil

Posted on August 7th, 2008

Hier nun die Fortsetzung meines Gespraeches mit James Halliday, den ich zuvor als den Weinpabst Australiens bezeichnete, aufgezeichnet in Sydney zur Vorstellung seines neuen Wine Companions 2009:

downunderwines meets James Halliday

downunderwines meets James Halliday

dowunderwines: Herr Halliday, wie schwierig ist es eigentlich, die Benotungen fuer die einzelnen Weine und Wineries aufzustellen?

Halliday: Oh Gott, das ist ein abendfuellendes Thema, aber generell gilt, dass eine Menge Disziplin und Konzentration dazu gehoert. Sie muessen sich vorstellen, wir testen taeglich 150-170 Weine, fuehren Buch ueber Produzenten, die Variety, und vermerken auf den Testberichten genaueste Details ueber Alkoholgehalt, Preise, Geruch, Geschmack und so weiter.

downunderwines: Nennen Sie uns doch bitte ein persoenliches Highlight aus Ihrem Buch?

Halliday: Tja, da gibt es viele, es gibt Ueberraschungen, angenehme und weniger angenehme, es gibt grossartige Weine von Winzern, die ganz neu auf der Karte erscheinen, aber ein highlight ist bestimmt die Wahl fuer die Kategory ‘Winery of the Year’. Hier gab es in diesem Jahr ungefaehr ein Dutzend Bewerber um diesen Titel.

Ich hatte mich zunaechst fuer die tasmanische Winery ‘Bay of Fires’ entschieden und als ich meinen Bericht dazu begann, so wechselte ich dann doch zu Brookland Valley Winery vom Margaret River. Letztere hat immerhin acht Weine mit 94 Punkten oder mehr erzielt, das ist schon sehr beachtlich. Es freut mich, dass das Brookland Team nach vielen Jahren harter Arbeit diesen Titel erstmalig erobern konnte.

downunderwines: Bay of Fires oder Brookland Valley, beide sind sicherlich grossartige Wineries hier downunder. Und nun verraten Sie uns doch bitte noch, welchen Wein Sie heute abend nach diesem anstrengenden Tag hier in Sydney geniessen werden?

Halliday (lacht erneut): Das ist garnicht so einfach. Wie Sie ja wissen, bin ich ein grosser Freund von Pinot Noir Weinen. (Er blaettert in seinem neuesten Werk). Also, wenn ich mich da jetzt festlegen sollte, so wuerde ich mich jetzt fuer eine Flasche Bindi Wine Growers Block 5 von den Macedon Ranges entscheiden. Jener Pinot hat mit 96 Punkten einen der Top-Plaetze der Pinot Noirs Australiens erzielt und macht mir grossen Spass.

downunderwines: Herr Halliday, wir danken Ihnen fuer dieses Gespraech.

Und so bestaetigt James Halliday mein Bestreben, dass es in Australien eine fantastische Anzahl Wineries gibt, die erstklassige Weine produzieren. Auch er weiss, dass in Europa diese Weine wenig bekannt sind, Halliday bestaerkt mich in dem Bestreben, australische Boutique Wineries weiterhin der deutschsprachigen Kundschaft in Europa naeher zu bringen. Nun denn, wir arbeiten daran und freuen uns auf die vielen weiteren Tests …

Ihr Michael Brecht

Moorooduc Estate - irgendwo auf der Mornington Peninsula

Posted on April 25th, 2008

An einem grauen und tristen Morgen treffe ich Richard McIntyre, Gruender und Inhaber von Moorooduc Estate, ausgestattet mit hohen Gummistiefeln am Eingang seines Weingutes. Ich habe mich auf dem Weg zu meinem Termin in Kooyong ein wenig verfahren und nehme seine Einladung dankend an, mir vom obersten Giebel des Turmes oberhalb seines Hauses den Weg ‘von oben’ ansehen zu duerfen. Diese freundliche Einladung entwickelt sich zu einem reinen Gluecksfall fuer mich.

Tower Moorooduc Estate

Am Abend zuvor hatte ich ein Glas Pinot Noir der ‘famous Duck’ der Mornington Peninsula getrunken, als Geheimtipp in der schoensten Weinbar der Peninsula gepriesen, stellte sich dieser Tropfen als einer der Weine von Moorooduc heraus. Moorooduc (gesprochen Muh-ruh-dack) wurde bereits 1982 hier 10km ausserhalb von Mornington gegruendet, damals verstand man noch nicht sehr viel vom Weinanbau auf der Mornington Peninsula. Heute hat die Familie McIntyre, Tochter Kate ist gerade auf dem Weg zum Master of Wine, 28 acres mit Reben bepflanzt, Richard zeigt mir nach dem Aufstieg auf den Moorooduc Turm die einzelnen Reihen und klaert mich ueber die Vorzuege jeder einzelnen Lage auf.

Moorooduc Estate Pinot Noir

Das Weingut liegt exponiert auf sehr sandigem Boden, das ist ein grosser Unterschied zu dem eher vulkanischen Boden im keine 15km entferten Red Hill, dort wo beispielsweise die Port Phillip Estate Weine stehen. Mit sandiger Oberschicht und der darunter liegenden ph-armen Unterschicht habendie McIntyres einen idealen Boden, auf welchem die aelteren Weinreben mit sehr wenig Wasser auskommen. Denn trotz des heutigen Nieselregens hat die Mornington Peninsula seit Jahren sehr wenig Regen gesehen, die verschiedenen Dams (kleinere Seen) sind allesamt leer. Pinot Noir, Chardonnay, Shiraz und aus frueheren Zeiten ein paar Reihen Cabernet stehen heute in voller Pracht. Richard denkt, dass er in wenigen Wochen die ersten Reihen ernten wird und entschuldigt sich beim weiteren Rundgang fuer die Lieferung an Flaschen, die er noch vor der Cellar Door auf mehreren Paletten stehen hat.

Die Chardonnays und Pinot Noirs werden in drei verschiedenen Marken angeboten, Devil Bend Creek ist die Einstiegsversion mt einem Cellar Door Preis von EUR15, Moorooduc Estate ist fuer EUR22 und The Moorooduc ist die Topmarke mit einer limitierten Jahresproduktion und einem Preis von EUR40 pro Flasche. Allen drei Marken ist gemein die handverlesene Verarbeitung und die schonende Bearbeitung mit Handpressen in dem familiengefuehrten Betrieb.

Ich teste den Moorooduc Estate Pinot Noir von 2006 eine Woche spaeter und bin begeistert, das ist ein klassischer Pinot Noir der Mornington Peninsula, eine grossartige Nase, ein vollendeter und ausgereifter Geschmack und ein exzellenter Abgang. Keine Frage, die McIntyres sind zurecht ein Geheimtipp in den Winebars vor Ort und ich bin froh, dass ich an diesem Morgen durch Zufall mit Richard zusammen getroffen bin.

Ihr Michael Brecht

Curlewis Reserve Pinot Noir - Rainer Breits Meisterwerk aus Geelong

Posted on January 28th, 2008

In meinem Buero stapeln sich inzwischen die Weinflaschen: auf der rechten Seite meines Beistelltisches die Leeren, jeweils mit Notizen versehen und auf der linken Seite die Weinflaschen, deren Test mir noch bevorsteht. Ich bin ein wenig beunruhigt ob der schnellen Zunahme der leeren Flaschen: viele unserer Freunde haben den Januar dazu genutzt, eine alkoholfreie Zeit fuer die Gesundung der Leber und anderer Organe einzulegen, ich hingegen trinke mehr Wein, als je zuvor. Streng nach den Regeln des australischen Weinpabstes Len Evans.

Curlewis Reserve Pinot Noir 2004

Mein heutiger Testbericht ist dem Reserve Pinot Noir aus dem Hause Curlewis gewidmet, ein kleineres aber sehr feines Weingut in Geelong, also eine Stunde westlich von Melbourne gelegen, quasi auf dem Weg zur touristisch sehr schoenen Great Ocean Road. Hier kaufte 1996 Rainer Breit mit seiner Partnerin Wendy Oliver einen Weinberg, der damals bereits 11 Jahre alte Pinot Noir Reben vorhielt. Rainer ist ein selbst-trainierter Winzer, seine musische und kuenstlerische Ader helfen ihm nach eigenem Bekunden bei der Aufgabe exzellente Weine Jahr fuer Jahr hervorzuzaubern.

Ich selbst testete den Reserve Pinot Noir von 2004, ein Wein der hier in Australien an allen Orten Hoechstpunktzahlen erhaelt. Und das zurecht, wie ich meine - seine dunkle rote Farbe, sein voller und runder Duft und seine komplexe Struktur machen deutlich, dass hier mit durchaus gesetzteren Trauben gearbeitet wird. Pinot Noir, das ist jene Traube, die so schwierig zu behandeln ist und die, sofern richtig ‘bearbeitet’, so vorzuegliche Weine hervorbringen kann. Der Reserve Pinot erinnert mich an die klassischen Burgunder, perfekte Balance des Tannin und des Eichenfassgeschmacks. Laut Rainer hat er fuer diesen Jahrgang einige neue Weinanbautechniken angewendet, um noch mehr Laenge und Fuelle zu kreieren.

Mit 14% Alkoholgehalt ist der Reserve am oberen Spektrum der Skala angesiedelt, fuer mich ein klassischer Pinot aus der Geelong Gegend. Fuer diejenigen unter uns, die ausgezeichnete Tropfen lagern koennen und wollen, so kann dieser Curlewis Reserve durchaus noch bis 2015 in Ihren Keller.

Ihr Michael Brecht

Aus dem Yarra Valley: grosse Schritte (Giant Steps) der Familie Sexton

Posted on December 16th, 2007

Es war schon ein grosser Schritt, den die Sextons vor fast genau 10 Jahren vollbrachten: Phil und Allison Sexton zogen aus dem heissen Margaret River in das kuehlere Yarra Valley, also aus dem westlichsten Landesteil Australiens (Western Australia) in den Suedosten des Landes, nach Viktoria. Sie tauschten ihren Devil’s Lair Vineyard im neuen und ‘lauten’ Kultweingebiet suedlich von Perth gegen das eher klassische und fuer australische Verhaeltnisse alteingesessene und daher ruhigere Yarra Valley ein. Der Name fuer ihre neue Winery ‘Giant Steps’ wiederum fand seinen Ursprung in einem Jazzalbum des Jazz-Saxophonisten John Coltrane aus Manhattan.

Die Sextons unterhalten sowohl eigene Weinreben an ihrem steilen, gen Norden liegenden Hang im Yarra Valley, als sind sie auch Kaeufer von klar abgegrenzten Trauben aus dedizierten Anbauten quer durch das Tal, jeweils an Orten, die sie fuer die geeignesten halten fuer die jeweilige Rebsorte selbst.

2005-giant-steps-sexton-vineyard-pinot-noir-high-res_small.jpg

Neben solch beruehmten Weinguetern wie Tarrawarra oder Yarra Junction wachsen also Trauben fuer die Verarbeitung in den Sexton Weinen, eine gute Ergaenzung der hauseigenen Trauben und fuer mich ein cleverer Schachzug in der Verwendung der jeweils besten Trauben einer ganzen Weinregion.

Ich stiess auf den 2005er Giant Steps Pinot Noir ihres Sexton Vineyards am vergangenen Wochenende, vermittelt von keinem weniger, als dem Chef der Fine Wines der australischen Weinkette Dan Murphy’s, die wiederum zur groessten Supermarktkette Australiens, Woolworth, gehoert. Caton beschrieb mir den Giant Steps Pinot Noir als einen der besten Pinots des 2005er Jahrgangs, schilderte mir die Herkunft und Kenntnisse seiner Weinmacher und so war ich denn schnell ueberredet.

Das label zeigt hinter einem gezeichneten Engel eine aufschwingende Treppe vor Gewitterwolken ueber weiten Feldern mit Weinreben, nicht gerade mein Ideal an bildlicher Einfuehrung fuer einen frischen, jungen Pinot.

Dann jedoch oeffne ich die Flasche (wie bei den meisten erfolgreichen Winzern auch hier ein Schraubverschluss) und alsbald vernehme ich einen Duft von Pflaumen und dunklen Kirschen, gespickt mit ein wenig Karamel: ein wohliger Geschmack mit einer ausgezeichneten Laenge zeigt mir dann die wahre Staerke dieses Pinot Noirs, seine kraeftiger Grundton zeigt mir, dass dieser Pinot durchaus mittleres Reifealter besitzt, eine Beschaffenheit, die ich laengst nicht jedem Pinot Noir zugestehe.

Mit 13.4% ist der Giant Steps Pinot Noir am unteren Ende der Alkoholskala von Pinots, ich beginne diesen Tropfen zu geniessen und nehme mir vor, weitere Weine dieses Hauses in den naechsten Wochen zu testen, denn mein neuer Bekannter von Dan Murphy hat recht: die Sextons verstehen ihr Weinhandwerk, dieser Pinot Noir gehoert zu den ‘erwachsenen Weinen’ aus dem Yarra Valley.

Stoney Rise: ein junger Pinot aus Tasmanien

Posted on November 22nd, 2007

Heute habe ich einen neuen Weinhaendler in Sydney ausprobiert. Mich reizt bei diesen Besuchen neben dem generellen Eindruck im Laden das Fachwissen des Personals und ich finde es enorm spannend, durch die Regale zu wandern und die Anordnung der vielen Flaschen zu bestaunen. Jener Weinhandel im Business District von Sydney gelegen zielt sichtlich auf die vielen Touristen ab, die hier das ein oder andere Flaeschchen erwerben. Die Preise jedenfalls versprechen anstaendige Margen, sie liegen zum Teil 40% oberhalb der Preise bei meinen anderen Weinhaendlern. Dafuer ueberraschte mich die Vielfalt und das ausgesprochene Fachwissen des Verkaeufers, Jason war in allen Fragen australischer und neuseelaendischer Weine geschult und gab mir freundlich Auskunft.

Schnell waren wir bei meinem Lieblingsthema, den Pinot Noirs angelangt und wir waren uns beide einig, dass die wohl derzeit besten Pinots Australiens aus Victoria stammen, er selbst empfahl mir die Gippsland Gegend, die ich bislang nicht richtig auf meinem Radar hatte und schwaermte ansonsten von Pinots aus Beechworth, jenem legendaeren Ort, an welchem Ned Kelly, der Robin Hood Australiens, im Gefaegnis sass. Zurueck zum Wein ueberzeugte Jason mich letztlich, heute abend einen Newcomer aus Tasmanien zu probieren, Stoney Rise stammt aus dem Tamar Valley, also jenem besagten Tal in Tasmanien, welches derzeit unter den Neubauprojekten einer Pulp Muehle durch die Firma Gunns leidet, das hingegen ist eine andere Geschichte und wuerde hier zu weit fuehren.

Der 2005er Stoney Rise ist ein fruchtiger, junger Pinot Noir, kommt mit 13.5% eher leicht daher und zeigt mit dem ersten Schluck die Qualitaeten eines jungen Tasmaniers: fruchtig, offen, eine gute Laenge mit einer kurzen Note an Holzgeschmack, die jedoch nicht unangenehm auffaellt. Der Winemaker Joe Holyman konzentriert sich seit 2004 auf Pinot Noirs und Chardonnay, also genau auf jene Weine, die in Tasmanien so vorzueglich gedeihen. Ich entdecke bei mir ein gewisses Faible fuer diese kleineren Familien- gefuehrten Weingueter, hier schmeckt man noch die Besonderheiten des kleinen, unternehmerischen Weinanbaus.

Der Stoney Rise 2005 Pinot Noir ist ein guter Wein fuer den alltaeglichen Schluck, passend zu Lamm oder Ente oder einfach nur als ein Glas Rotwein als chill-out nach einem anstrengenden Arbeitstag. Ein Photo der Flasche folgt dann spaeter.

Eine Flasche aus dem Himmel: Kooyong’s Top Pinot Noir

Posted on November 18th, 2007

Einer meiner ersten Artikel auf diesem Blog war ein begeisterter Bericht ueber den 2006 Massale Pinot Noir aus dem Hause Kooyong. Dieser volle und kraeftige Zeitgenosse machte mir Spass und letztlich Durst auf mehr, denn:

2005er Kooyong Haven

Winemaker Sandro Mosele kreiert aus den Trauben inzwischen weitere vier Pinots unter dem Kooyong label. Und damit nicht genug, unter der Marke Port Phillip Estate finden wir weitere exzellente Pinots, deren Rebstoecke 1987, 1997 und 2001 gepflanzt wurden, doch davon ein ander mal mehr.

Der erste der vier weiteren Zeitgenossen ist der Kooyong Estate Pinot Noir von 2005. Er zeigt einen kraeftigen Geschmack nach Kirsche, wirkt runder als der Massale und man schmeckt sofort, dass er eine gute Weile in Eichenfaessern verbracht hat. Doch dann gibt es seine drei weiteren Brueder: der 2005 Meres und der 2005 Ferrous stehen noch wohl versteckt in meinem Weinkeller, ich habe mich also zunaechst dem absoluten Spitzenprodukt gewidmet:

Der 2005er Kooyong Haven hat alles, was ein australischer Spitzen Pinot Noir zu bieten hat. Ist das ‘Haven’ oder ‘Heaven’ - allein es fehlt im das ‘e’ in seinem Namen, um diesen Wein Himmlisch zu nennen. Es ist ein Wein, in welchem man versinken kann: weich, nachhaltig, frisch, fruchtig - von allem gerade richtig und hier haben wir meinen derzeitigen Lieblings-Pinot aus downunder entdeckt. Wir Pinot-Trinker wissen, wie schwer es ist, zufrieden gestellt zu werden, der Haven schafft das vom ersten Schluck an. Der Preis mit umgerechnet EUR 40 haelt sich in Anbetracht dieser Guete auch noch in Grenzen, so nah ist man schliesslich dem Himmel sonst selten.

Eine schoene Woche wuenscht
Michael Brecht

Andrew Pirie: heimlicher Koenig Tasmaniens - mein Bericht zu seinem neuen Wein

Posted on September 22nd, 2007

Tasmanien, das ist das Schweden der Australier. Als letzte Bastion vor dem Suedpol finden wir hier herrliche Sommer und eiskalte Winter vor. Tasmanien, das ist die Heimat der verfeindeten Bierfans von James Boags und Cascade, das Erstere stammt aus dem noerdlichen Launceston, das Zweite aus dem suedlichen Hobart, gleichzeitig der Hauptstadt der Insel.

Pirie South Pinot Noir 2006

Kenner wissen die hiesigen Weine zu schaetzen und ich moechte heute von keinem Geringerem, als dem tasmanischen Weinpabst Andrew Pirie berichten. Andrew ist Doktor der Viticulture und gruendete 1972 das Weingut Pipers Brook zu einer Zeit, als in Tasmanien die wenigsten Menschen an zivilisierte Essensformen geschweige denn an Weinanbau dachten. Bis zum Verkauf von Pipers Brook im Jahr 2002 baute Andrew jenes Weingut zu einem der fuehrenden Weinnamen Australiens aus; es war dann aber an der Zeit fuer ihn, neue, eigene Wege zu gehen.

Ich selbst hatte 2004 das Vergnuegen, seine neuesten Weine, die er im wesentlichen unter eigenem Namen (Pirie Wines) vermarktet, vor Ort zu testen und ganz ehrlich gesagt war ich damals reichlich enttaeuscht. Der erste Jahrgang liess so viel von seinen beruehmten Vorgaengern aus dem Hause Pipers vermissen, von daher fasste ich keine Flasche seiner Jahrgaenge 2004 und 2005 mehr an und wagte mich vor wenigen Tagen erstmals wieder an einen Pinot aus dem juengsten Jahrgang 2006.

Und da war es dann wieder: das beruehmte Gefuehl, einen echten Pirie trinken zu duerfen. Ein so junger Wein (im Bild der Pirie South) mit einer eleganten Frische, grossartig zu Fleisch und eben auch Fisch (ohne den gegessen zu haben, duerfen Sie Tasmanien nicht wieder verlassen) - einfach ein Genuss und das zu Preisen von leicht oberhalb 10 EURO. Die Weine werden unter drei Labeln vermarktet, Pirie South als Einstiegsweine, Pirie Estate und Pirie Reserve als die up-market Varianten - jeder fuer seine Preiskategorie ein Genuss. Mal sehen,wie sich die Pipers Brook Weine inzwischen entwickelt haben, einen Test der beiden Gueter gegeneinander werde ich wohl bald einmal anstellen.