Flugwein - mein Testbericht

Posted on September 12th, 2008

An einem kuehlen Morgen im September besteige ich eine Qantas Maschine, um eine meiner vielen Reisen gen Asien zu unternehmen. Der geneigte Leser wird wissen, dass ich diese Gelegenheiten dazu nutze, mich in Sachen australische Weine an Bord ein wenig umzusehen. Da meine Maschine zu Tageszeiten gen Indien aufbricht, werde ich allerdings weniger intensiv Testen koennen, als auf meinem letzten Rueckflug zurueck gen Sydney.

Die anwesende Sommeliere empfiehlt mir zunaechst einen 2004 Heathcote Estate Shiraz aus Viktoria. Der 2004er ist ein exzellenter Jahrgang und dieser Wein zeigt, trotz seiner recht kuehlen Temperatur (die Maschine hatte die Nacht ueber ‘draussen’ geparkt), eine gute Intensitaet. Schwarzbeere verbunden mit erdigen Mineralien sowie die Lagerung in franzoesischen Eichenfaessern zeigen die typischen Charakteristika eines australischen Shiraz.

Einzig sein Abgang ist aus meiner Sicht ein wenig schwaechlich; ich habe in meinen letzten Testberichten diverse Shiraz beurteilen koennen, die trotz ihrer Abstammung aus cool climate Gegenden Australiens mehr Wucht mit sich brachten. Mit 14% ist der Heathcote durchschnittlich alkoholisiert, ich selbst mache nach einem Glas eine gute Pause, denn alkoholisiert darf ich meinen indischen Geschaeftspartnern heute abend nicht entgegentreten.

Ihr Michael Brecht

Riebke Ebenezer Road Shiraz - ein toller Roter aus dem noerdlichen Barossa Valley

Posted on July 18th, 2008

Als naechsten Wein fuer unsere Skireise habe ich uns einen Shiraz aus dem Barossa Valley gewaehlt. Dabei habe ich allerdings nicht eine der bekannten grossen Marken des vielleicht beruehmtesten Weintales Australiens ausgesucht, sondern mit einem Riebke Shiraz ein Produkt von zwei jungen Nachwuchswinzern gekauft.

Kym Teusner graduierte im Jahre 2001 in Oenologie von der University of Adelaide und sicherte sich geschickt bereits im Jahr danach die Fruechte des Weingutes der Gebrueder Riebke, die urspruenglich ihre Reben hatten einstampfen wollen. Teusner’s Geschick ist es zu verdanken, dass nicht nur die besten Fruechte der damaligen Huegel der Riebkes Eingang in den Teusner Wein fanden, nein die alteingesessenen Gebrueder fanden wieder Spass an Trauben und Weinen und standen mit all ihrem Know-how dem jungen Winzer zur Seite. Und so finde heute die Trauben aus der Ebenezer Sub-Region, d.h. dem noerdlichen Barossa Valley Einzug in die Teusner’schen Wein, wie eben auch dem Riebke Shiraz.

Der Riebke Shiraz von 2006 ist ein voller und kraeftiger Shiraz, seine Nase verspricht eindeutig Schokoladengeschmack, seine Farbe ist dunkelrot. Mit gefaellt seine gute Laenge, Teusner hat hier einen Wein geschaffen, der mit seinem Preis von gerade einmal EUR 12 eine gute Leistung zeigt und der nach entsprechender Lagerung in wenigen Jahren ein ganz Grosser sein kann. Mit 14.6% ist er ein gemaessigter Shiraz aus dem Barossa Valley, mir gefaellt’s.

Der Heartland Shiraz von Ben Glaetzer - ein kraeftiger Aussie-Shiraz der neuen Generation

Posted on July 9th, 2008

Es wird kaelter hier downunder und wir fahren fuer ein paar Tage in die Skiferien, an Bord eine Sammlung an Shiraz und Cabernet Sauvignon Weinen gegen die Kaelte und fuer einen ausgedehnten Test fuer downunderwines.

Label Heartland Shiraz 06

Wir starten mit einem Heartland Langhorne Creek - Limestone Coast Shiraz aus dem Jahre 2006, Winemaker kein geringerer als Ben Glaetzer, Sohn aus der beruehmten Glaetzer Familie aus dem Barossa Valley. In 2001 startete eine Gruppe von Freunden, die zusammen mehrere Jahrzehnte in Australiens Weinindustrie gearbeitet hatten, das Projekt Heartland.

Bottleshot Heartland Shiraz 2006

Die Fruechte fuer die Weine stammen alle aus den Gegenden Langhorne Creek und der Limestone Coast, das Erstere 70km und das Zweite 300km suedlich von Adelaide an der Kueste gelegen. Beide Gegenden haben ihre besonderen Bodencharakeristiken, gelten als Cool Climate mit starken Regenfaellen im Winter und gut geschuetzten Lagen. Keine Frage, eine geschickte Wahl fuer besondere Weine.

Unser Shiraz entstammt zu 67% Langhorne Creek und 33% von der Limestone Coast, daher habe ich ihn auch hier unter Langhorne Creek sortiert, mit 14.5% Alkohol ist er ein strammer aber nicht ueberalkoholisierter Roter, abgefuellt, wie alle anderen Weine der Gruppe in Dulwich South Australia. Ich schmecke Schokolade, Pfeffer und entnehme einen kraeftigen Tabakgeruch auf der Nase, Pflaume und Blaubeere im Geschmack geben dem Shiraz seine typischen Merkmale. Ein starker Vertreter der neuen Cool Climate Generation aus South Australia, mir gefaellt’s.

Nach Auskunft Ben Glaetzer’s laesst sich der Heartland Shiraz auch noch gute 5 Jahre lagern. In dieser Zeit duerfte dieser Wein ein echter Leckerbissen sein.

Warrabilla vor Rutherglen: vom Schlossherrn zum Winzer im Aussie-Shed

Posted on May 10th, 2008

Nun, wer haette das gedacht: als 1988 die Smith Familie das beruehmte All Saints Weingut verkaufte, dachte wohl niemand in Rutherglen, dass ein Smith Nachkomme innerhalb von 20 Jahren eigenstaendig eine gleichwertig gute Weinproduktion aufbauen koenne. Die Rede ist von Andrew Sutherland Smith, der bei den grossen Namen in Australiens Weinindustrie das Handwerk lernte: Seppelts, Yellowglen oder Mildara waren seine Stationen, bevor er mit Warrabilla seine Meisterpruefung ablegte.

Warrabilla Shed

Keine 50m rechts des schnurgeraden Murray Valley Highway liegt die Warrabilla Winery, ein Tinshed typischer Aussie-praegung, im Grunde genommen wenig einladend so auf den ersten Blick. Dieser Schuppen ist das krasse Gegenteil des schlossartigen AllSaints Anwesens und doch wird beim Eintritt in die Halle sehr schnell klar, dass es bei den Smiths um die Weine selbst geht, und weniger um das Drum Herum.

 Hier finden wir die fuer diese Gegend so typisch vollen, alkoholreichen Durifs, Shiraz und Cabernet Sauvignon. Wer sich vor 15, 16 und gar 17 Prozentern nicht fuerchtet, der ist bei Warrabilla genau richtig. Spitzenreiter in der scheinbar nach oben offenen Alkoholskala ist ein Parola’s Limited Release Durif mit sage und schreibe 18%, Schwarzkirsche und Schokoladengeschmack sind bei diesem ausserordentlichen Wein erstaunlich ausgewogen fuer diesen Alkoholgrad. Neben den vollen Shiraz und Cab-Savs runden diverse Portversionen, Tawny’s und ein Reserve Muscatwein die Produktpalette ab, allesamt eher fuer den frostigen Winterabend vorm Kaminfeuer, als fuer die hiesigen 40 Grad im victorianischen Januar gemacht.

Wohl bekomm’s
Ihr Michael Brecht

Wynns: die Legende aus dem Coonawarra

Posted on October 6th, 2007

Als der Schotte John Riddoch im Jahre 1891 die ersten Reben in die fruchtbare, rote Erde im aeussersten Zipfel von South Australia pflanzte war ihm sicherlich nicht bewusst, dass hier die Geschichte eines der heute groessten Weingueter Australiens begann. Im Jahr 1896 vervollstaendigte er die ‘three gable’ winery, schauen Sie selbst auf dem Label der Flasche, da sind die ‘gabels’ gut erkennbar.

Das Coonawarra liegt ziemlich genau 450 Kilometer zwischen den beiden groesseren Staedten des Suedens: Adelaide und Melbourne, allerdings eben nicht auf dem direkten Weg zwischen diesen beiden. Das Coonawarra kaempft als eine der wenigen Regionen Australiens mit dieser logistischen Aufgabe, da die meisten Weingegenden downunder in naeherer Umgebung einer Grossstadt liegen. 450km bedeuteten Anfang des 20. Jahrhunderts eine mehrtaegige Anreise ueber schlechtest befahrbare Feldwege, staendig in grosser Gefahr durch die unzaehligen Wegelagerer. Es waren die einzigartige klimatische Konstellation (heisse Sommer mit kuehlen Naechten und eiskalte, feuchte Winde in den Wintermonaten durch die Naehe zum Ozean) und die besonderen Bodenbestandteile, die Weinvisionaere wie John Riddoch in dieser verlassenen Gegend hielten.

Michael Shiraz, 1996 Coonawarra

Nun sind die Flaggschiffe des Coonawarra seit jeher die Cabernet Sauvignons, Anfang der 90er Jahre war fast jeder 2. Rotwein, der in Australien geoeffnet wurde, ein Cab-Sav. Erst durch den unaufhaltsamen Aufstieg der Shiraz Traube (mit heute 422,000 Tonnen die mit Abstand meistgeplanzte rote Traube) oeffneten sich die Koenige des Cab-Sav anderen Sorten und so finden wir im Porteuille der Wynns heute auch erstklassige Rieslingweine und eben auch den Michael Shiraz.

Der Michael Shiraz wird nur aus den besten 5% eines Jahrganges gewonnen und ganz bewusst nur in den Jahren abgefuellt, die sich tatsaechlich fuer einen herausragenden Wein eignen. Ich oeffnete vor wenigen Tagen ein Exemplar aus dem Jahr 1996, ein Jahr, welches eines der kuehlsten der vergangenen Jahrzehnte war und daher besonders den Charakter eines ‘cool climate’ Shiraz versprach. Erst ein langer heisser Herbst hatte die Trauben zu Hoechstleistungen getrieben und damit den Naehrboden fuer volle und intensive Fruechte gelegt.

Man merkt dem Wein an, dass er zwei Jahre lang in Faessern lagern durfte (75% neue Amerikanische/25% alte Franzoesische) seine dunkle Farbe und seine intensive Nase versprachen Aussergewoehnliches. Neben einem tiefen Duft nach Schokolade und Vanille konnte ich einen Hauch von Minze erkennen, sehr verheissungsvoll. Und dann begann die Geschmacksexplosion mit reifen Fruechten und kraeftiger Schokolade bei einer fuer einen Shiraz aeusserst seidigen Laenge.

Dieser Wein verdient es, ohne jegliche Speise eingenommen zu werden, auch wenn er gut zu Steak oder Kaese passen wuerde. Das Geschmackserlebnis ist phaenomenal, mit nur 13% ist Michael’s Alkoholgehalt fuer einen australischen Shiraz geradezu zurueckhaltend. Der Michael Shiraz ueberzeugt mich in jeder Hinsicht, er ist sehr gut heute trinkbar vertraegt aber noch bis zu weitere 12-15 Jahre in ihrem Weinkeller.

Omrah’s aus dem Hause Plantagenet am Mount Barker

Posted on October 4th, 2007

OK, ich muss mir den Vorwurf gefallen lassen, bislang recht ausfuehrlich ueber Pinots (vor allem die Noirs) berichtet zu haben, doch wissen die aufmerksamen Leser, dass die Pinots nun mal zu meinen Lieblingstrauben gehoeren. Nichts desto trotz ist Australien ja mehr wegen seiner Shiraz und Cabernet-Rotweine bekannt. Daher folgt hier nun einmal ein Bericht zu unserem Haus und Hof Shiraz:

2003er Omrah aus dem Hause Plantagenet

Es ist der 2003er Omrah aus dem Hause Plantagenet; jenes Weingut ist in Western Australia am untersten Zipfel des Staates gelegen; eine heisse, trockene Gegend im Sommer Australiens, mit ganzjaehrig kuehlen Naechten - weit weg von jeglicher Zivilisation und schon alleine deshalb eine Herausforderung fuer jeden Weinmacher.

Die Plantagenets fuehren seit nunmehr 30 Jahren Riesling, Sauvignon Blanc, Chardonnay, Pinot Noir, Merlot, Shiraz, Cabernet Sauvignon - d.h. eine ganze Serie an Weinsorten und ich habe im vergangenen Jahr aufgrund eines Tastings bei einem befreundeten Weinhaendler vier Dutzend dieser Flaschen gekauft.

Der Omrah ist die gehobene Zweitmarke der Plantagenets, von daher ca. 30% guenstiger als die Stammmarke ‘Plantagenet Wines’, und das obwohl mit fast denselben Rebsaeften gefuellt. Fuer den Shiraz trifft das definitif zu, das bestaetigt neben meinem Weinhaendler auch der direkte Vergleich der beiden Shiraz. Und der 2003er Jahrgang ueberzeugt mich besonders:

Voll und wuchtig, in tiefem Rot kommt er ins Glas, sein fruchtiges Aroma reizt die Nasenfluegel und sein kraeftiger Abgang laesst die ganze Kraft eines australischen Shiraz spuerbar werden. Fuer mich ist dieser Omrah Shiraz ein echter Geheimtipp, auch wenn ich inzwischen den 2004er testen konnte und feststellen musste, dass der Omrah tatsaechlich mit dem Alter besser wird, d.h. den Jahrgang 2004 werde ich fruehestens im naechsten Jahr, passend zur Olympiade in Beijing, wieder probieren.

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