Moorooduc Estate – irgendwo auf der Mornington Peninsula
An einem grauen und tristen Morgen treffe ich Richard McIntyre, Gruender und Inhaber von Moorooduc Estate, ausgestattet mit hohen Gummistiefeln am Eingang seines Weingutes. Ich habe mich auf dem Weg zu meinem Termin in Kooyong ein wenig verfahren und nehme seine Einladung dankend an, mir vom obersten Giebel des Turmes oberhalb seines Hauses den Weg ‘von oben’ ansehen zu duerfen. Diese freundliche Einladung entwickelt sich zu einem reinen Gluecksfall fuer mich.
Am Abend zuvor hatte ich ein Glas Pinot Noir der ‘famous Duck’ der Mornington Peninsula getrunken, als Geheimtipp in der schoensten Weinbar der Peninsula gepriesen, stellte sich dieser Tropfen als einer der Weine von Moorooduc heraus. Moorooduc (gesprochen Muh-ruh-dack) wurde bereits 1982 hier 10km ausserhalb von Mornington gegruendet, damals verstand man noch nicht sehr viel vom Weinanbau auf der Mornington Peninsula. Heute hat die Familie McIntyre, Tochter Kate ist gerade auf dem Weg zum Master of Wine, 28 acres mit Reben bepflanzt, Richard zeigt mir nach dem Aufstieg auf den Moorooduc Turm die einzelnen Reihen und klaert mich ueber die Vorzuege jeder einzelnen Lage auf.
Das Weingut liegt exponiert auf sehr sandigem Boden, das ist ein grosser Unterschied zu dem eher vulkanischen Boden im keine 15km entferten Red Hill, dort wo beispielsweise die Port Phillip Estate Weine stehen. Mit sandiger Oberschicht und der darunter liegenden ph-armen Unterschicht habendie McIntyres einen idealen Boden, auf welchem die aelteren Weinreben mit sehr wenig Wasser auskommen. Denn trotz des heutigen Nieselregens hat die Mornington Peninsula seit Jahren sehr wenig Regen gesehen, die verschiedenen Dams (kleinere Seen) sind allesamt leer. Pinot Noir, Chardonnay, Shiraz und aus frueheren Zeiten ein paar Reihen Cabernet stehen heute in voller Pracht. Richard denkt, dass er in wenigen Wochen die ersten Reihen ernten wird und entschuldigt sich beim weiteren Rundgang fuer die Lieferung an Flaschen, die er noch vor der Cellar Door auf mehreren Paletten stehen hat.
Die Chardonnays und Pinot Noirs werden in drei verschiedenen Marken angeboten, Devil Bend Creek ist die Einstiegsversion mt einem Cellar Door Preis von EUR15, Moorooduc Estate ist fuer EUR22 und The Moorooduc ist die Topmarke mit einer limitierten Jahresproduktion und einem Preis von EUR40 pro Flasche. Allen drei Marken ist gemein die handverlesene Verarbeitung und die schonende Bearbeitung mit Handpressen in dem familiengefuehrten Betrieb.
Ich teste den Moorooduc Estate Pinot Noir von 2006 eine Woche spaeter und bin begeistert, das ist ein klassischer Pinot Noir der Mornington Peninsula, eine grossartige Nase, ein vollendeter und ausgereifter Geschmack und ein exzellenter Abgang. Keine Frage, die McIntyres sind zurecht ein Geheimtipp in den Winebars vor Ort und ich bin froh, dass ich an diesem Morgen durch Zufall mit Richard zusammen getroffen bin.
Ihr Michael Brecht
Sandro Mosele – Weinpabst der Mornington Peninsula
Im Rahmen einer mehrtaegigen Geschaeftsreise nach Melbourne hatte ich die Moeglichkeit, fuer ein paar Stunden auf die benachbarte Mornington Peninsula zu fahren und dort ein wenig nach den Weinen und Winzern zu recherchieren, die mich in den vergangenen Monaten so begeistert haben. Die Peninsula liegt keine 90 Minuten sued-oestlich von Melbourne gelegen, hier finden wir Namen wie Stonier (juengst zu Australiens Winery des Jahres 2007 gekuert), Ten Minutes by Tractor, T’Gallant, Kooyong oder Phillip Estate.
Hauptgrund meines Abstechers war die Chance, Sandro Mosele zu treffen und mit ihm einen Rundgang durch seine Weinproduktion in Kooyong zu taetigen. Fragt man die Einheimischen auf der Mornington Peninsula, so ist Sandro Mosele der Weinpabst der Gegend, alle lokalen Winzer schaetzen seinen Sachverstand, inzwischen produziert er zusaetzlich im Auftrag die Weine von Scorpo oder Heathcote.
Er stammt aus einer italienischen Winzerfamilie im italienischen Vicenza. Hier leben nach wie vor 9 Onkel und Tanten, er ist daher geradezu verpflichtet, 1x jaehrlich in Norditalien vorbei zu schauen und bringt von seinen Besuchen neue Ideen aus dem alten Europa mit.
Sandro begruesst mich mit einem etwas mueden Blick, kein Wunder hat er doch am Abend vor meinem Besuch ein halbes Dutzend vietnamesische Weinjournalisten unterhalten duerfen, Weinmachen hat hier downunder auch immer etwas mit Vermarktung zu tun. Der grosse Vorteil fuer uns beide ist allerdings, dass wir im Rahmen meines Besuches einige der Weine testen duerfen, die bereits am vorherigen Abend geoeffnet worden waren. Hier zeigt sich die wahre Qualitaet der Tropfen, Sandro verraet, dass viele der etwas aelteren Pinots tatsaechlich etwa 12-24 Stunden brauchen, um ihren vollen Charakter zu entfalten.
Die Kooyong und Port Phillip Estate Weine gehoeren demselben Eigentuemer, werden allerdings unter getrennten Marken vermarktet, da sie auf hoechst unterschiedlichen Bodenarten angebaut werden. Mein bisheriger Favorit ist der Kooyong Haven, ein geradezu himmlischer Tropfen, wie auch in einem gesonderten Bericht bereits getestet. Heute komme ich in den Genuss eines 2000 Jahrgangs, ebenso wie eines 2000 und eines 2006er Chardonnays. Mehr zu diesen Testberichten an einer anderen Stelle.
Sandro steckt mitten in den Vorbereitungen fuer die Weinlese, blitzblank praesentieren sich die Abfuellanlagen, die neueste Errungenschaft der Winery in Form einer Schuettelanlage fuer die handverlesenen Trauben, welche dann die Fruechte zu den einzelnen Fermentierbehaeltern fuehrt, wird derzeit noch installiert. Ueberhaupt hat trotz manuellem Umgang mit den Trauben der Rest der Weinverarbeitung heute zwar viel von seinem romantischen Wesen verloren, dennoch erkenne ich, wie professionell dieser Betrieb gefuehrt wird und demnach voll auf die anstehenden Aufgaben fuer den neuen Jahrgang ausgerichtet ist.
Bei Regen schauen wir ueber die meist netzbedeckten Reihen an Pinot Noir und Gris, Chardonnay oder cool climate Shiraz. Die Kuehle der kommenden Tage gibt Sandro und seinen Mitarbeitern noch ein paar sehr willkommene Tage der Vorbereitung, ich selbst muss leider wieder in ein Flugzeug steigen und gen Sydney zu einer weiteren Veranstaltung fuer ZaaBiz, meiner eigentlichen Beschaeftigung. Ein bisschen wehmuetig verlasse ich Kooyong, gewonnen habe ich einen grossartigen Kontakt in der australischen Weinmacherszene – keine Frage, wir werden uns wiedersehen.
MB
Eine Flasche aus dem Himmel: Kooyong’s Top Pinot Noir
Einer meiner ersten Artikel auf diesem Blog war ein begeisterter Bericht ueber den 2006 Massale Pinot Noir aus dem Hause Kooyong. Dieser volle und kraeftige Zeitgenosse machte mir Spass und letztlich Durst auf mehr, denn:
Winemaker Sandro Mosele kreiert aus den Trauben inzwischen weitere vier Pinots unter dem Kooyong label. Und damit nicht genug, unter der Marke Port Phillip Estate finden wir weitere exzellente Pinots, deren Rebstoecke 1987, 1997 und 2001 gepflanzt wurden, doch davon ein ander mal mehr.
Der erste der vier weiteren Zeitgenossen ist der Kooyong Estate Pinot Noir von 2005. Er zeigt einen kraeftigen Geschmack nach Kirsche, wirkt runder als der Massale und man schmeckt sofort, dass er eine gute Weile in Eichenfaessern verbracht hat. Doch dann gibt es seine drei weiteren Brueder: der 2005 Meres und der 2005 Ferrous stehen noch wohl versteckt in meinem Weinkeller, ich habe mich also zunaechst dem absoluten Spitzenprodukt gewidmet:
Der 2005er Kooyong Haven hat alles, was ein australischer Spitzen Pinot Noir zu bieten hat. Ist das ‘Haven’ oder ‘Heaven’ – allein es fehlt im das ‘e’ in seinem Namen, um diesen Wein Himmlisch zu nennen. Es ist ein Wein, in welchem man versinken kann: weich, nachhaltig, frisch, fruchtig – von allem gerade richtig und hier haben wir meinen derzeitigen Lieblings-Pinot aus downunder entdeckt. Wir Pinot-Trinker wissen, wie schwer es ist, zufrieden gestellt zu werden, der Haven schafft das vom ersten Schluck an. Der Preis mit umgerechnet EUR 40 haelt sich in Anbetracht dieser Guete auch noch in Grenzen, so nah ist man schliesslich dem Himmel sonst selten.
Eine schoene Woche wuenscht
Michael Brecht
Springtime downunder – Zeit fuer einen Chardonnay aus Victoria
Auch wenn die Temperaturen in Deutschland nicht gerade zu meiner heutigen Ueberschrift passen, hier downunder ist es Fruehling.
Wir schreiben Temperaturen um die 25 Grad verbunden mit kurzen, manchmal nur wenige Sekunden dauernden Schauern – es wird Zeit, hier auf downunderwines meine Erfahrungen mit australischen Weissen wiederzugeben. Nun wird der geneigte Leser erkannt haben, dass ich sehr zu Rotweinen neige (nicht nur zur Winterszeit). Das ist auch tatsaechlich so, doch gerade die australischen Weissen haben mich in den vergangenen Jahren gelehrt, dass ein Weisswein auch seine besonderen Charakteristika haben kann.
Meinen ersten Bericht widme ich einem Chardonnay von der Mornington Peninsula; ein 2006er CLONALE aus dem Hause Kooyong, der Weinmacher Sandro Mosele ist ja schon fuer den grossartigen Pinot Noir namens Massale verantwortlich. Fuer ein recht kleines Weingut mit lediglich 5000 Kaesten Jahresproduktion ist auch dieser Chardonnay erstaunlich ausgereift, zumal die Kooyongs erst 2001 ihre ersten Weine auf den Markt brachten. Inzwischen werden 10 verschiedene Sorten an Chardonnay Trauben angebaut und in diesen CLONALE eingebracht.
Der CLONALE ist fruchtig, mit leichten Zitrus und Grapefruchttoenen und hat dennoch bereits einen recht kraeftigen Abgang, nicht ueberbetont, aber jederzeit praesent. Mit 13% Alkoholgehalt ist er ein schoener leichter Sommerwein, den wir am gestrigen Abend zu einem gegrillten Steak mit Salat genossen haben. Ein hiesiger Fruehlingswein, bei deutschen Temperaturen sicherlich auch fuer den Sommer geeignet.
Mornington Peninsula – das australische Burgund am Meer
Die Mornington Peninsula liegt ca. 65 km suedoestlich von Melbourne. Die Gegend hat einen langen Weg hinter sich, seit Garry Crittenden von Dromana Estate in 1982 durch das Anpflanzen von 2 Hektar Wein die bis dato angebaute Anzahl an Reben an einem Wochenende quasi verdoppelte. Heute geniessen die mehr als 70 Weingueter und ueber 200 einzelnen Weinanbauer den einzigartigen Vorteil, dass quasi von jedem einzelnen Weinhuegel das Meer erblickt werden kann.
Die Gegend spielt den Vorteil eine Touristenattraktion Australiens zu sein voll aus. Neben erstklassiger Kueche, kleinen urspruenglichen Doerfern, vielen Veranstaltungen wie Golftournieren, Surfveranstaltungen oder Oldtimerrallyes locken modernst ausgestattete Weingueter zum Testen und Geniessen. Die Weinmacher auf der Peninsula profitieren von einem integrierten Tourismuskonzept und haben daraus heute einen Standard an Qualitaet ihrer Weine erreicht, der zur Spitze Australiens gehoert.
In meinen voraus gegangenen Berichten ueber einzelne Weine ist der ein oder andere Name ja schon gefallen; meine Favoriten wie Kooyong, Port Phillip oder auch Dromana und Stonier sind hier zu finden. Alles Weingueter, die den cool climate Trauben wie Chardonnay, Pinot Noir und Gris besondere Aufmerksamkeit schenken. Weshalb jene hier so besonders gut gedeihen, zeigt ein Vergleich mit den Wetterbedingungen im franzoesischen Burgund, welches aehnliche ploetzliche Wetterwechsel verzeichnet wie die Peninsula:
Mornington: jaehrlicher Regenfall 737mm, rel. Luftfeuchtigkeit 55%
Dijon: jaehrlicher Regenfall 696mm, rel. Luftfeuchtigkeit 57%
Der Boden reicht von reichhaltigem, roten Vulkanboden in den hoeheren Lagen bei Red Hill zu sandigem, lehmigen Untergrund in den flacheren Lagen um Moorooduc und Tuerong. Aus jenem Tuerong wird mein naechster Bericht stammen, dort werden die Yabby Lake Weine angebaut, deren Winemaker ihre internationale Erfahrung aus dem Nappa Valley und Neuseeland mit auf die Peninsula gebracht haben. Doch davon ein ander mal mehr.
Kooyong Massale – ein Pinot Noir der Mornington Peninsula

Obwohl der Staat Victoria flaechenmaessig nur ein relativ kleiner Teil Australiens ist, beherbergt er zweifelsfrei einige der herausragenden Gegenden fuer den Anbau von ‘cool climate’ Trauben. Die auf wenige Wochen im Sommer beschraenkte Hitze und das ansonsten eher milde Klima beguenstigen das Wachstum dieser so anspruchsvollen Rebsorten. Eine der Top Gegenden Victoria’s ist die Mornington Peninsula, unweit der Stadt Melbourne gelegen.
Mein erster Bericht von der Halbinsel ist den Weinen der Familie Gjergja gewidmet, denn diese besitzt in diversen Lagen der Peninsula Weinberge und unter dem strengen Schaffen des Winemakers Sandro Mosele hat man sich auf Pinot, Chardonnay, Shiraz und Sauvignon Blanc Trauben spezialisiert. Somit gedeihen hier solch herrliche Tropfen wie die Port Phillip Estate Weine, die Weine der Marken Kooyong Estate, Single Vineyard Meres oder Ferrous und daneben auch meine Neuentdeckung: der Pinot Noir Massale.
Mosele gelingt es in jedem Jahrgang allein fuenf verschiedene Pinot Noirs in die Flaschen zu bringen und es waere an dieser Stelle sicherlich die Frage angebracht, weshalb von einer einzigen Rebsorte gar fuenf verschiedene Namen in den Weinregalen auftauchen sollen. Die Antwort liegt in der vertrieblichen Ausrichtung auf die diversen Preissegmente in Australien, auf das Eingehen von Wuenschen auslaendischer Importeure oder vielfach haengt die Markenwahl eben mit der Lage und den daraus folgenden Geschmacksrichtungen zusammen.
Im April dieses Jahres kam ganz frisch der Massale von Kooyong Pinot Noir 2006 auf den Markt, ein Pinot Noir unter $30.– und ein echter Volltreffer fuer die Liebhaber voller, fruchtiger Pinots. Seine dunkle Farbe laesst eher an einen Cabernet denken, sein Aroma verspricht ein wahres Sammelsurium an Waldbeeren und seine Fuelle laesst die Geschmacksknospen vor Freude springen. Dieser Wein ist fuer diesen Preis ein absoluter Renner, seine Platzierung als mittlerer PN aus dem Hause Kooyong ein Schnaeppchen sondergleichen. Ich nehme mir fest vor, die hoeherpreisigen Brueder fuer besondere Anlaesse aufzuheben und werde dann umgehend wieder hier berichten.
Bleibt die Frage, was der australische Weinpabst Halliday dazu sagt: 94 Punkte, na also, da sind wir qualitativ einer Meinung, denn das ist fuer einen Wein dieser Preisklasse ausgezeichnet.
Als neue Kategorie habe ich mich entschlossen, ab sofort die Verschlussart der Flasche mit einzubeziehen. Hier streiten sich in Europa ja noch die Gelehrten, ob denn der Korken oder etwa das screwcap (also der Drehverschluss) die richtige Schliessvariante waere. In Australien ist diese eher emotional gefuehrte Diskussion laengst entschieden und meine Meinung dazu werde ich gesondert mitteilen. Dieses Thema verdient einen eigenen Bericht. Ach ja, der Massale kommt verkorkt daher, ist mit 13.5% mittlerer Schwere und hat mich komplett begeistert.






