Warrabilla vor Rutherglen: vom Schlossherrn zum Winzer im Aussie-Shed

Posted on May 10th, 2008

Nun, wer haette das gedacht: als 1988 die Smith Familie das beruehmte All Saints Weingut verkaufte, dachte wohl niemand in Rutherglen, dass ein Smith Nachkomme innerhalb von 20 Jahren eigenstaendig eine gleichwertig gute Weinproduktion aufbauen koenne. Die Rede ist von Andrew Sutherland Smith, der bei den grossen Namen in Australiens Weinindustrie das Handwerk lernte: Seppelts, Yellowglen oder Mildara waren seine Stationen, bevor er mit Warrabilla seine Meisterpruefung ablegte.

Warrabilla Shed

Keine 50m rechts des schnurgeraden Murray Valley Highway liegt die Warrabilla Winery, ein Tinshed typischer Aussie-praegung, im Grunde genommen wenig einladend so auf den ersten Blick. Dieser Schuppen ist das krasse Gegenteil des schlossartigen AllSaints Anwesens und doch wird beim Eintritt in die Halle sehr schnell klar, dass es bei den Smiths um die Weine selbst geht, und weniger um das Drum Herum.

 Hier finden wir die fuer diese Gegend so typisch vollen, alkoholreichen Durifs, Shiraz und Cabernet Sauvignon. Wer sich vor 15, 16 und gar 17 Prozentern nicht fuerchtet, der ist bei Warrabilla genau richtig. Spitzenreiter in der scheinbar nach oben offenen Alkoholskala ist ein Parola’s Limited Release Durif mit sage und schreibe 18%, Schwarzkirsche und Schokoladengeschmack sind bei diesem ausserordentlichen Wein erstaunlich ausgewogen fuer diesen Alkoholgrad. Neben den vollen Shiraz und Cab-Savs runden diverse Portversionen, Tawny’s und ein Reserve Muscatwein die Produktpalette ab, allesamt eher fuer den frostigen Winterabend vorm Kaminfeuer, als fuer die hiesigen 40 Grad im victorianischen Januar gemacht.

Wohl bekomm’s
Ihr Michael Brecht

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Cabernet Sauvignon aus dem Yarra Valley

Posted on May 3rd, 2008

Hubert de Castella gilt als einer der Pioniere des australischen Weinbaus, bereits im Jahre 1862 pflanzte er den St. Huberts Weinberg, eine Lage, die heute noch als eine der besten Lagen Australiens fuer sog. cool climate Cabernet Sauvignons gilt. Gleich ausserhalb von Coldstream im beruehmten Yarra Valley gelegen, ist der Tastingraum in einem schlichten Aussie Shed untergebracht, hier zeugen diverse Photos von der Zeit des Weinanbaus im letzten Jahrhundert.

Cabernet Sauvignon St Huberts

1880 gewann er mit seinen Weinen den Preis des erfolgreichsten Winzers der Melbourne International Exhibition, vor wenigen Jahren jedoch verkauften seine Nachfahren an den Weinkonzern Fosters. Ich selbst versuche mit diesem blog ja gerade die kleineren Winzer vorzustellen, an St. Huberts komme ich jedoch nicht vorbei, auch wenn seine Verkaufszahlen wesentlich durch die Fosters Vertriebsmannschaft gepusht werden.

St. Huberts gilt heute nach wie vor als Qualitaetsmarke und als solche ist vielen Australiern nicht bekannt, dass die Marke nun im grossen Fosters Konzern mitschwimmt. Ein spaeter Nachkomme ist Damien de Castella, der heute als Viticulturalist seine Hand im Weinberg von St. Huberts anlegt. Ich habe kuerzlich den 2006 Cabernet Sauvignon getestet und war wieder einmal begeistert: der 2006 Jahrgang war ein frueher Jahrgang, ein warmes und sehr trockenes Klima sorgte fuer perfekte Bedingungen fuer diese spaet heranreifende Rebsorte.

Der 2006er St.Huberts Cab-Sav ist ein mittelschwerer Wein mit herrlichen Pflaumen und Schwarzbeeraromen, da er noch recht jung ist empfehle ich die Verwendung eines Dekanters und die Oeffnung ca. 1 Stunde vor dem Genuss. Der Wein laesst sich hervorragend fuer weitere 10-12 Jahre lagern, ist allerdings auch heute schon ein sehr guter Tropfen zu Steak oder Lamm. Sehr angenehm ist, dass wir es hier mit einem Cab-Sav zu tun haben, der mit 14% durchaus am unteren Ende der Alkoholskala liegt.

Ihr Michael Brecht

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Sem-Sav-Blanc - die magische Mischung macht’s

Posted on April 30th, 2008

Hier downunder haben wir im vergangenen Sommer immer haeufiger einen ‘neuen’ Weissen, einen gemischten angetroffen: den Sem-Sav-Blanc. Jene Abkuerzung steht fuer die Mischung von Semillon und Sauvignon Blanc und sie kommt hier downunder im wesentlichen aus Western Australia.

Sem-Sav-Blancs Tasting

Seinen Ursprung findet diese ‘Neuentdeckung’ des letzten Sommers in Frankreich, hier gilt diese Mischung als trockener, gar etwas neutraler und bewusst defensiver Drink und heisst Graves oder Entre-deux-Mers. Staubtrocken waren diese franzoesischen Mixturen, was hingegen bringen die neueren australischen Versionen:

Nun zunaechst einmal die wirklich gute Nachricht: die hiesigen Sem-Sav-Blancs sind alles andere als trocken, die Anpflanzungen von Semillon fuehrten zunaechst einmal zu Weinen, denen es an naturlicher Saeure fehlte. Fuegt man nun jedoch einen Sauvignon Blanc hinzu, so verfluechtigt sich dieser strenge Geschmack sehr schnell, der SB bringt seinen kraeftigen Geschmack mit in die ‘Ehe’. Und so wurde aus der Not in Western Australia der Sem-Sav-Blanc geboren, ein herrlich einfacher, leichter Weisser, die Australier sagen ‘quaffable’ hierzu. Und was des Hunter Valley’s Semillon und der Riesling fuer South Australia, das wurde der Sem-Sav-Blanc fuer Western Australia.

Bei Preisen um die EUR15 finden wir heute sehr ausgereifte SSBs, mit gefielen bsonders der Plantagenet Hazard Hill Semillon Sauvignon Blanc und der Voyager Estate Sauvignon Blanc Semillon, beide aus dem Jahr 2007. Mit durchschnittlich 12,5% laesst sich hierbei auch durchaus das eine oder andere Glas mehr davon trinken, ohne am naechsten Tag mit einem dicken Kopf aufzuwecken. Bei den anstehenden warmen Temperaturen in Europa empfehle ich: kuehlen Sie diesen Wein gut herunter, an besonders heissen Sommertagen werden hier downunder sogar die Eiswuerfel in den Wein hinzugegeben; soweit wuerde ich hingegen nicht gehen wollen.

Ihr Michael Brecht

  

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Moorooduc Estate - irgendwo auf der Mornington Peninsula

Posted on April 25th, 2008

An einem grauen und tristen Morgen treffe ich Richard McIntyre, Gruender und Inhaber von Moorooduc Estate, ausgestattet mit hohen Gummistiefeln am Eingang seines Weingutes. Ich habe mich auf dem Weg zu meinem Termin in Kooyong ein wenig verfahren und nehme seine Einladung dankend an, mir vom obersten Giebel des Turmes oberhalb seines Hauses den Weg ‘von oben’ ansehen zu duerfen. Diese freundliche Einladung entwickelt sich zu einem reinen Gluecksfall fuer mich.

Tower Moorooduc Estate

Am Abend zuvor hatte ich ein Glas Pinot Noir der ‘famous Duck’ der Mornington Peninsula getrunken, als Geheimtipp in der schoensten Weinbar der Peninsula gepriesen, stellte sich dieser Tropfen als einer der Weine von Moorooduc heraus. Moorooduc (gesprochen Muh-ruh-dack) wurde bereits 1982 hier 10km ausserhalb von Mornington gegruendet, damals verstand man noch nicht sehr viel vom Weinanbau auf der Mornington Peninsula. Heute hat die Familie McIntyre, Tochter Kate ist gerade auf dem Weg zum Master of Wine, 28 acres mit Reben bepflanzt, Richard zeigt mir nach dem Aufstieg auf den Moorooduc Turm die einzelnen Reihen und klaert mich ueber die Vorzuege jeder einzelnen Lage auf.

Moorooduc Estate Pinot Noir

Das Weingut liegt exponiert auf sehr sandigem Boden, das ist ein grosser Unterschied zu dem eher vulkanischen Boden im keine 15km entferten Red Hill, dort wo beispielsweise die Port Phillip Estate Weine stehen. Mit sandiger Oberschicht und der darunter liegenden ph-armen Unterschicht habendie McIntyres einen idealen Boden, auf welchem die aelteren Weinreben mit sehr wenig Wasser auskommen. Denn trotz des heutigen Nieselregens hat die Mornington Peninsula seit Jahren sehr wenig Regen gesehen, die verschiedenen Dams (kleinere Seen) sind allesamt leer. Pinot Noir, Chardonnay, Shiraz und aus frueheren Zeiten ein paar Reihen Cabernet stehen heute in voller Pracht. Richard denkt, dass er in wenigen Wochen die ersten Reihen ernten wird und entschuldigt sich beim weiteren Rundgang fuer die Lieferung an Flaschen, die er noch vor der Cellar Door auf mehreren Paletten stehen hat.

Die Chardonnays und Pinot Noirs werden in drei verschiedenen Marken angeboten, Devil Bend Creek ist die Einstiegsversion mt einem Cellar Door Preis von EUR15, Moorooduc Estate ist fuer EUR22 und The Moorooduc ist die Topmarke mit einer limitierten Jahresproduktion und einem Preis von EUR40 pro Flasche. Allen drei Marken ist gemein die handverlesene Verarbeitung und die schonende Bearbeitung mit Handpressen in dem familiengefuehrten Betrieb.

Ich teste den Moorooduc Estate Pinot Noir von 2006 eine Woche spaeter und bin begeistert, das ist ein klassischer Pinot Noir der Mornington Peninsula, eine grossartige Nase, ein vollendeter und ausgereifter Geschmack und ein exzellenter Abgang. Keine Frage, die McIntyres sind zurecht ein Geheimtipp in den Winebars vor Ort und ich bin froh, dass ich an diesem Morgen durch Zufall mit Richard zusammen getroffen bin.

Ihr Michael Brecht

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Cool Climate vor den Toren von Canberra: Lerida Estate

Posted on March 21st, 2008

Auf dem Weg von Sydney nach Canberra treffen wir etwa eine halbe Autostunde vor den Toren der Hauptstadt auf den seit fuenf Jahren ausgetrockneten Lake George. Entlang dieses ehemaligen Sees ziehen sich auf der suedlichen Seite drei Wineries, die Lake George Winery, Madew Wines (vor wenigen Wochen verkauft) und eben Lerida Estate. Der Blick von den Weinbergen auf den See ist atemberaubend, sehen sie selbst:

Lerida Estate main view

Die Auffahrt fuehrt mich zu dem preisgekroenten Gebaeude, die Eigentuemer von Lerida Jim Lumbers und seine Frau Anne Caine hatten seinerzeit Australiens Stararchitekt Glenn Murcutt beauftragt, die Winery und Cellar Door zu bauen.

Winery LE

Glenn Murcutt ist weltweit bekannt als Architekt der seit Jahrzehnten umweltfreundliche Gebaeude baut, d.h. auf das Sammeln von Wasser vom Dach her achtet, genauso wie das Verwenden von Baumaterialien, die in der Herstellung moeglichst wenig Energie verbrauchen. Hier in Australien ist Murcutt so beliebt, weil er in vielen Projekten den so typischen Aussie-shed als Vorbild verwendet.

Zurueck zum eigentlichen Grund meines Besuches. Ich versuche zu erkunden, inwiefern Lerida Estate mit seinen heissen Tagen und kuehlen Naechten dem Anspruch an Weinen aus einer cool climate Region gerecht werden kann. Die saemtlich in 1997 gepflanzten Rebstoecke zeigen einen klaren Fokus auf cool climate Trauben: 60% der ca. 20 Acres (ungefaehr 5 Hektar) sind Pinottrauben, der Rest in Chardonnay, Shiraz (!), Viognier und ein wenig Merlot/Cabernet Franc aufgeteilt.

Das urspruengliche Hauptziel, exzellente Pinot Noir und Pinot Gris anzubauen, wurde inzwischen dahingehend erweitert, dass heute die Shiraz und Shiraz Viognier als Vertreter der dezenteren cool climate Roten in den Wineshows die wuchtigen Shiraz aus South Australia verdraengen. Bestes Beispiel dafuer ist der 2005er Shiraz, der in der juengsten ‘Small Winemaker Show in Sydney’ Gold erzielte und der 2006er Shiraz Viognier, der als bester Wein der Canberra Regional Wineshow 2008 ausgezeichnet wurde.

Mein Test bestaetigt diesen Trend. Der 2006er Pinot Noir ist zwar handgepflueckt, nur 11 Monate in franzoesischen Eichenfaessern gelagert und zeigt eine gute Laenge mit sehr schoenem Abgang, aber ich bin hier halt inzwischen sehr verwoehnt von den Pinots aus Victoria. Der Shiraz hingegen ist fantastisch, er hat eine sehr intensive Nase und verspricht vuerzige Aromen umlagert von Vanille und Cedararomen. Sein Abgang ist sensationell fuer einen solch jungen Wein, in weiteren 4-5 Jahren wird dieser Wein ein erstklassiger Begleiter jeder Art von Fleischgericht sein.

Cellar Door Lerida Estate

Ich nehme mir vor, das Restaurant im sog. Cafe Lerida an einem anderen Abend einmal aufzusuchen, Lerida Estate am Lake George, das ist eine echte Entdeckung fuer einen Fan australischer cool climate Rotweine.

Ihr MB.

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Weine fuer Schnaeppchenjaeger: die besten Weine fuer nicht mehr als 9 und 13 EURO

Posted on March 15th, 2008

Als einer der absoluten Klassiker erweist sich jedes Jahr die Kategorie ‘Schnaeppchen’ bei der von Macquarie Bank gesponsorten Sydney Royal Wine Show.

Ripe Grapes February

Ich verfolge deren Ergebnisse seit Jahren mit grossem Interesse, denn hier finden sich meist erstklassige Tropfen zu absolut guenstigen Preisen, so auch dieses Jahr:

In der Kategorie Rotweine unter 13 EURO (ca. 20 Australische Dollar, daher dieser etwas sonderbare EURO-betrag) gewann dieses Jahr der Wyndham Estate George Wyndham Shiraz Grenache Jahrgang 2005. Hier gewinnt also ein Wein, der durch das Hinzufuegen von Grenache die vermeintliche Ueberfuelle eines Shiraz abfaengt, die Preisrichter lobten den soften, nach Himbeere und Kirsche schmeckenden Grundton des Weines. Ich verspreche Ihnen, sobald ich eine Flasche davon in die Hand bekomme, werde ich einen Testbericht schreiben.

Bei den besten weissen Weinen unter 9 EURO gewann in diesem Jahr ein Riesling, der Hardy’s Siegersdorf Riesling 2006. Ich sehe mich bestaetigt in dem Auftrag, alsbald einen gesonderten Rieslingtest fuer downunderwines durchzufuehren. Denn Riesling ist hier in Australien stark im Kommen, und ich verspreche Ihnen bereits an dieser Stelle, dass die Top-Rieslings sehr wohl mit den deutschen oder oesterreichischen Rieslings mithalten koennen. Hardy’s Siegersdorf Riesling habe ich vergangene Woche in einem Winetasting probieren duerfen, er gefaellt mir aufgrund seiner klaren Linie und ist ein hervorragender Vertreter seiner Zunft, auch wenn er nicht einmal 8 EURO kostet.

Was bleibt ansonsten von den diesjaehrigen Gewinnern im Schnaeppchenwettbewerb: es sind die Weine mit ‘gemischten’ Trauben, die zu guenstigsten Konditionen zu haben sind, d.h. neben dem roten Gewinner Shiraz Grenache gab es eine Reihe exzellenter Grenache Blends, Shiraz Viognier, Shiraz Cabernet oder eben die weniger bekannten Petit Verdot, die in diesem Jahr vorne lagen.

Ihr MB.

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Zum Schmunzeln

Posted on March 11th, 2008

Rutherglen, das ist eine der heissesten Weingegenden Australiens, im Norden Victorias fast an der Grenze zu NSW gelegen. Hier befinden sich die Landwirte seit nunmehr 8 Jahren in ‘drought’, einer Trockenheit, die nicht zu enden scheint. Doch auch ohne Wasser fuer ihre kostbaren Weinstoecke haben die Winzer hier ihren Sinn fuer Humor nicht verloren. Mir gefaellt’s:

Portweine aus Rutherglen

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Sandro Mosele - Weinpabst der Mornington Peninsula

Posted on February 26th, 2008

Im Rahmen einer mehrtaegigen Geschaeftsreise nach Melbourne hatte ich die Moeglichkeit, fuer ein paar Stunden auf die benachbarte Mornington Peninsula zu fahren und dort ein wenig nach den Weinen und Winzern zu recherchieren, die mich in den vergangenen Monaten so begeistert haben. Die Peninsula liegt keine 90 Minuten sued-oestlich von Melbourne gelegen, hier finden wir Namen wie Stonier (juengst zu Australiens Winery des Jahres 2007 gekuert), Ten Minutes by Tractor, T’Gallant, Kooyong oder Phillip Estate.

Kooyong Sign

Hauptgrund meines Abstechers war die Chance, Sandro Mosele zu treffen und mit ihm einen Rundgang durch seine Weinproduktion in Kooyong zu taetigen. Fragt man die Einheimischen auf der Mornington Peninsula, so ist Sandro Mosele der Weinpabst der Gegend, alle lokalen Winzer schaetzen seinen Sachverstand, inzwischen produziert er zusaetzlich im Auftrag die Weine von Scorpo oder Heathcote.

Sandro Mosele in Kooyong

Er stammt aus einer italienischen Winzerfamilie im italienischen Vicenza. Hier leben nach wie vor 9 Onkel und Tanten, er ist daher geradezu verpflichtet, 1x jaehrlich in Norditalien vorbei zu schauen und bringt von seinen Besuchen neue Ideen aus dem alten Europa mit.

Sandro begruesst mich mit einem etwas mueden Blick, kein Wunder hat er doch am Abend vor meinem Besuch ein halbes Dutzend vietnamesische Weinjournalisten unterhalten duerfen, Weinmachen hat hier downunder auch immer etwas mit Vermarktung zu tun. Der grosse Vorteil fuer uns beide ist allerdings, dass wir im Rahmen meines Besuches einige der Weine testen duerfen, die bereits am vorherigen Abend geoeffnet worden waren. Hier zeigt sich die wahre Qualitaet der Tropfen, Sandro verraet, dass viele der etwas aelteren Pinots tatsaechlich etwa 12-24 Stunden brauchen, um ihren vollen Charakter zu entfalten.

Die Kooyong und Port Phillip Estate Weine gehoeren demselben Eigentuemer, werden allerdings unter getrennten Marken vermarktet, da sie auf hoechst unterschiedlichen Bodenarten angebaut werden. Mein bisheriger Favorit ist der Kooyong Haven, ein geradezu himmlischer Tropfen, wie auch in einem gesonderten Bericht bereits getestet. Heute komme ich in den Genuss eines 2000 Jahrgangs, ebenso wie eines 2000 und eines 2006er Chardonnays. Mehr zu diesen Testberichten an einer anderen Stelle.

Technical Equipment Kooyong

Sandro steckt mitten in den Vorbereitungen fuer die Weinlese, blitzblank praesentieren sich die Abfuellanlagen, die neueste Errungenschaft der Winery in Form einer Schuettelanlage fuer die handverlesenen Trauben, welche dann die Fruechte zu den einzelnen Fermentierbehaeltern fuehrt, wird derzeit noch installiert. Ueberhaupt hat trotz manuellem Umgang mit den Trauben der Rest der Weinverarbeitung heute zwar viel von seinem romantischen Wesen verloren, dennoch erkenne ich, wie professionell dieser Betrieb gefuehrt wird und demnach voll auf die anstehenden Aufgaben fuer den neuen Jahrgang ausgerichtet ist.

Bei Regen schauen wir ueber die meist netzbedeckten Reihen an Pinot Noir und Gris, Chardonnay oder cool climate Shiraz. Die Kuehle der kommenden Tage gibt Sandro und seinen Mitarbeitern noch ein paar sehr willkommene Tage der Vorbereitung, ich selbst muss leider wieder in ein Flugzeug steigen und gen Sydney zu einer weiteren Veranstaltung fuer ZaaBiz, meiner eigentlichen Beschaeftigung. Ein bisschen wehmuetig verlasse ich Kooyong, gewonnen habe ich einen grossartigen Kontakt in der australischen Weinmacherszene - keine Frage, wir werden uns wiedersehen.

MB

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